Alexander Mohrenberg
Sehr geehrtes Präsidium, meine Damen und Herren! Die Wiederherstellung der Natur hier in Hamburg und in ganz Deutschland ist kein reines Umweltthema. Es ist auch eine Frage von Stadtentwicklung: Wo entsteht Grün und wo nicht? Und es ist eine Frage von Daseinsvorsorge. Ich komme aus Nettelnburg. Wer dort lebt, weiß, was Starkregen bedeutet und wie gefährlich Starkregenereignisse sein können. Was diese Siedlung schützt, ist keine Betonanlage, sondern das naturbelassene Grabensystem. Überall zwischen den verschiedensten Straßen gibt es naturbelassene Grabensysteme. Das schafft Versickerungsflächen. Bei starkem Regen wird es erst dort aufgenommen, bis es bei den Sielen landet. Und so schaffen wir es, Stück für Stück die ganze Siedlung zu schützen durch einen hohen Anteil von ökologischen Systemen mitten im Stadtteil. Das heißt, wir reden hier eben nicht nur über Umweltpolitik, wir reden auch darüber, wie wir ganz konkret Menschen und Umwelt in dieser Stadt schützen können. Die EU – das hat meine Vorrednerin schon dargestellt – hat jetzt einen ganz konkreten Rahmenplan beschlossen: Mit der EU-Wiederherstellungsverordnung, die gibt es schon seit 2024, werden die Mitgliedsstaaten, also auch Deutschland, verpflichtet, in den nächsten Jahren Stück für Stück erst auszuweisen, welche Flächen aufgewertet werden sollen und sie dann auch umzusetzen. Was heißt das konkret? Das heißt allein für Deutschland: In den nächsten fünf Jahren, bis Ende 2030, müssen für 20 Prozent der Landes- und Meeresfläche entschieden werden, wo könnten Renaturierungsmaßnahmen stattfinden. Das klingt erst mal alles ganz gut. Was heißt das konkret für Deutschland? Das heißt, Deutschland muss dieses Jahr vorlegen: Wie soll das eigentlich in Deutschland passieren? Und plant gerade einen nationalen Aktionsplan, um darzulegen, welche Flächen kommen dafür infrage, welche auch nicht. Und das wird im Herbst diesen Jahres dann von der Bundesregierung vorgelegt werden. Und deshalb finden wir: Hamburg muss jetzt handeln, weil wir sind ein Stadtstaat. Was bei uns Renaturierung bedeutet, ist was ganz anderes als in Brandenburg oder Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. Wir haben bei uns relativ großen Anteil von Stadtgrün, das vielleicht gesondert ausgewiesen werden sollte, und einen kleineren Anteil von anderen Biotopen. Und deswegen ist uns ganz wichtig eben hier mit diesem Antrag jetzt auch in dieses Bundesverfahren reinzugehen. Und wer nämlich genau ins Petitum guckt, sieht da auch, dass es uns nicht nur darum geht, uns für die Wiederherstellungsverordnung stark zu machen, sondern eben auch insbesondere im Rahmen dieses nationalen Aktionsplans jetzt aktiv zu werden. Da läuft gerade die Beteiligungsebene zwischen Bund und Ländern. Bis Herbst diesen Jahres muss die Bundesregierung einen Plan vorlegen, ich glaube, Ende September, und es wäre gut, wenn wir den Sommer nutzen, um zu sagen: Da muss eine Hamburger Perspektive einfließen. Wir haben ja auch schon sehr eigene Entwicklungen gemacht in den letzten Jahren: die Klimaanpassungsstrategie, zusammenhängende Grünkorridorplanung, Hitzeschutzpläne. Wir haben hier vieles gemacht, was Stadtnatur eher berücksichtigt: vernetzte Grünplanung, Ökosysteme in Großstädten. Und wir müssen gucken, dass das jetzt auch im nationalen Aktionsplan auftaucht, weil es jetzt hilft nicht, wenn Deutschland nachher ein Maßnahmenprogramm vorlegt, wo unsere Hamburger städtische Realität gar nicht auftaucht und wir eher von Flächenländern dominiert werden bei diesem Plan. Daraus können wir weder für unsere Natur profitieren, noch können wir dann daran mitmachen. Und deswegen fordern wir, dass wir jetzt gucken, dass Hamburg, was ein bisschen pragmatischer und besser und dichter an der Lebensrealität dieser Bürger, aber auch der Lebensrealität unserer Natur dran ist, ganz aktiv hier mitwirkt, mitschreibt und guckt, dass das Kapitel zu Stadtgrün vielleicht aus Hamburg mitdefiniert wird, weil dann bringt uns und unserer Umwelt das auch am meisten. Ansonsten vielleicht noch ein Satz, warum Umwelt so wichtig ist. Hamburg ist bei allen Umfragen aktuell immer noch, man mag es nicht glauben, das glücklichste Bundesland in Deutschland. Und die Leute geben insbesondere an, sie freuen sich über die Wassernähe, die Parks, die Aufenthaltsqualität in der Stadt. Auch wenn keiner "Umwelt" als Prio 1 sagt, sind die Buzzwords, die genannt werden, regelmäßig die Lebensqualität, die man in Hamburg hat. Und die sollten wir erhalten und ausbauen. Und wenn die EU und der Bund hier einen Plan machen, wo wir eigentlich optimal rein könnten, dann sollten wir schauen, dass wir unsere Hamburger Prioritätenliste anmelden, und schauen, dass der nationale Aktionsplan für die EU-Wiederherstellungsverordnung eben die Lebensrealität einer Großstadt abbildet und nicht nur vom flachen Land. Und deshalb ist genau dieser Antrag wichtig. Wir freuen uns über Ihre Zustimmung. Vielen Dank.
