Martin Wolter
Ja, liebe Hamburger:innen! Wie kann ich einer Hamburger Olympia-Bewerbung zustimmen, wenn das Olympische Fußballturnier unter anderem in Rostock stattfinden soll? Diese Frage hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach niemand gestellt. Diese Frage war höchstwahrscheinlich in keinster Weise ausschlaggebend für die knapp 358.000 Hamburger:innen, als sie am vergangenen Sonntag gegen die Hamburger Olympia-Bewerbung stimmten. Aber sie ist ein schönes Beispiel, wie Sie sich hier im Plenarsaal stets in den vergangenen Monaten auf uns konzentriert haben – heute ja auch wieder, vor allem Herr Grote und Frau Timmermann – und es währenddessen versäumt haben, Ihre eigene olympische Idee voranzubringen. Sie wollen... Tja. Sie wollten alle zwei Wochen lang immer wieder mit Behauptungen der Linken aufräumen. "Aufräumen" – das klingt schon ziemlich überheblich, und so kam es auch rüber. Unsere Olympia-Kritik an Ihrem schier unangreifbaren Konzept wurde nicht ernst genommen. Unsere humorvollen Aussagen wie im genannten Rostocker Fall hingegen schon. Und diese Selbstgefälligkeit ist Ihnen am vergangenen Sonntag auf die Füße gefallen. Und aufgrund dieser Selbstgefälligkeit haben Sie auch zu keiner Zeit einen anderen Weg eingeschlagen. Der 16-fache Udo Lindenberg in einer ausgestorbenen Sackgasse bildete zuletzt den Ausdruck Ihrer Verzweiflung. Ihre Strategie war, von oben herab, von Beginn an von oben herab aufzutreten: bildlich: Ihre Auftaktveranstaltung hoch oben auf dem St. Pauli-Bunker, zum Ende hin eine Regierungserklärung und noch eine Briefwahlwerbesendung des Bürgermeisters – alles von oben herab. Und das gilt für die CDU in gleicher Weise. Mit Ihnen wäre das auch nicht besser gelaufen, ne? Ja, nun. Konsequenzen: Erst wurde der Bürgermeister im Stadion Hoheluft nach dem Hamburger Pokalfinale der Männer von zahlreichen Fußballfans ausgepfiffen – ja, der organisierte Sport steht dahinter. Sicher! Eine Woche später stimmten nur 22,3 Prozent der Wahlberechtigten Ihrer Idee zu. Die Mehrheit lehnte Ihr Konzept ab. Und damit im Übrigen auch: den Neubau einer Multifunktionsarena als teuerstes Projekt Ihrer Bewerbung. Das können Sie nicht voneinander trennen, das halten wir hier mal fest. Investieren Sie auch das Geld dort, wo es gebraucht wird, zum Beispiel in den Breitensport. Und stecken Sie es vor allem in die Stadtteile, die am vergangenen Sonntag mit Nein gestimmt haben. - Herr Wolter, gestatten Sie eine Zwischenfrage? - Danke schön!
