Andy Grote
Ja, Herr Präsident, meine Damen und Herren Abgeordneten! Das Referendum liegt hinter uns, die Hamburgerinnen und Hamburger haben entschieden. Sehr viele Menschen in unserer Stadt haben sich hoch engagiert für diese Idee eingesetzt, haben gekämpft, sehr viele Ehrenamtliche aus den Sportvereinen, die Volunteers, viele Mitglieder aus den Parteien, viele Schülerinnen und Schüler, Unterstützerinitiativen, Menschen in Unternehmen, Verbänden, Institutionen. Alle haben gekämpft für eine Idee, von der sie überzeugt waren. Und sie haben das mit unglaublichem Idealismus, mit Leidenschaft und mit großem Einsatz getan. Und deswegen möchte ich auch denen allen noch einmal ausdrücklich danken! Die verdienen unsere Anerkennung und unseren Respekt. Und Frau Sudmann, da muss ich mal zu Ihnen kommen, weil Sie sich hier selber immer so eine Fairnessmedaille umhängen und sich hier beschweren. Sie sind ja immer noch pikiert, weil ich vor Monaten mal gesagt habe, Sie sind hier eine Koalition der schlechten Laune. Jedes Mal kommen Sie da wieder drauf zu sprechen. Ich meine, wenn das Ihr Sensitivitätslevel ist in der politischen Auseinandersetzung, dann müssen Sie sich mal angucken, was Ihre Leute und was NOlympia... Nee, Sie sind genauso empfindlich! Sie müssen sich mal ansehen, welcher Tonfall... Und dass Sie sich über Polarisierung und abfälligen Tonfall hier echauffieren. Da sind Sie gerade der Richtige, Herr Nockemann! Wirklich! Wenn Sie nur 10 Prozent von dem einstecken könnten, was Sie austeilen. Und... <i>Ich kann noch mehr austeilen!</i> <i>Ich kann noch mehr. Einer...</i> Und Frau Sudmann: Wenn Sie mal gucken, wie hart die Unterstützer angefeindet worden sind von Ihren Leuten, mit welcher Aggressivität, mit welchen persönlichen Beleidigungen und Angriffen, und wie empfindlich Sie sich hier hinstellen, das passt vorne und hinten nicht zusammen. Sie müssen sich überhaupt nicht über Polarisierung, und über Hass im Netz oder Ähnliches müssen Sie sich nicht aufregen. Gucken Sie sich an, mit welchem Tonfall Ihre Kampagne gelaufen ist. Und dann noch mal: Jetzt haben Sie, glaube ich, x-mal versucht, Ihre Kostenrechnung hier zu beschreiben. Das können Sie nicht. Sie haben hier einen einzelnen Wissenschaftler, der hat sich einfach mal 5 Milliarden Kosten ausgedacht. Es gibt da keine Rechnung. Die hat er sich ausgedacht, weil er sagt: "Ja, das wird immer teurer, und für Hamburg sind das mal 5 Milliarden mehr." Und dann sind Sie in die Stadt gegangen und haben den Leuten gesagt: "Diese 5 Milliarden, die könnte man für alles Mögliche ausgeben." Eine Summe... Ja, Sie haben die 1,3 noch mit dazugezählt, die wir sowieso ausgeben wollten, die Sie ja nicht für Inklusion und nicht für Sportstätten und nicht für Barrierefreiheit ausgeben wollten, sondern für irgendwas anderes. Das ist eine harte, schlimme Täuschung der Abstimmenden in dieser Stadt. Und das müssen Sie sich zuschreiben lassen, ja! - Herr Grote, gestatten Sie eine Zwischenfrage? - Nein, vielen Dank. Und dann gilt ja im Sport auch eines, und dann komme ich mal zu Herrn Thering, ne? Es ist vorhin ja schon gesagt worden: Man kämpft zusammen, man gewinnt zusammen, man verliert zusammen. So, und dann haben wir eben noch einen besonderen Sportsfreund: Herrn Thering. Ja, das ist so der Spielertyp, ne: Da ist eine drohende Niederlage, der Schiedsrichter hat noch nicht ganz abgepfiffen, da zeigt er schon auf die Mitspieler und sagt: "Die haben Schuld, ich hab nichts damit zu tun. Die haben Schuld, dass das schiefgegangen ist." Genau! Ja, wenn gewonnen worden wäre, ne, dann hätten Sie es alleine gewonnen, und wenn es verloren ist, dann hat es der Bürgermeister verloren. So ist Ihre Logik. So einen Spielertyp braucht kein Mensch, den will niemand in seiner Mannschaft haben. Der kann alleine nach Hause gehen, und der muss sich auch nicht wundern, wenn nächstes Mal keiner mehr mit ihm spielen will. Und Herr Thering, dann habe ich das ja richtig verstanden, ne? Also Sie haben gekämpft wie verrückt. Sie haben sich unglaublich engagiert. Und dann haben Sie in den ganz gut situierten Stadtteilen, da haben Sie es quasi alleine gewonnen. In den anderen Teilen, im Rest der Stadt hat der Bürgermeister das verloren. So habe ich Sie hier verstanden heute, ja? So. Und wenn das Ihre Reichweite ist und wenn das das Maximale an Einsatz ist, dann mache ich mir vor dem nächsten Wahlkampf keine Sorgen, Herr Thering. So, am Ende haben 300.000 Hamburgerinnen und Hamburger für Olympia gestimmt. Es hat nicht gereicht, eine klare Mehrheit war dagegen. Das ist Demokratie, das ist zu akzeptieren, und das Risiko war uns vorher bekannt. Aber wir sind auch, anders als jetzt gesagt wird, natürlich sind wir mit dem, was wir 2015 erfahren haben, was wir gehört haben, was wir auch aus der Stadtgesellschaft gehört haben, natürlich sind wir damit umgegangen. Und deswegen war es ja ein völlig anderes Konzept und eine völlig andere Bewerbung als damals. Deswegen haben wir ein Konzept gehabt, das nachhaltig war, keine großen Neubauten, stadtverträglich, das sehr geringe Kosten im Vergleich zum letzten Mal hatte – fast die Hälfte – und das sehr stark auf den langfristigen positiven Nutzen, das Profitieren der ganzen Stadt gesetzt hat – die Sportstätten, die Infrastrukturprojekte, Grün in der Stadt – und eben auf eine ganz starke soziale Agenda. "Vielfalt, Freiheit, Respekt" stand über der Bewerbung. Fünf Stunden Sport im Ganztag pro Woche für alle Kinder, gerade für die, die die Eltern nicht in Sportvereinen anmelden. Die Schwimmangebote, um alle Kinder zu sicheren Schwimmerinnen und Schwimmern zu machen, gerade mit dem Schwerpunkt, das haben wir ja schon angefangen umzusetzen in den sozial schwächeren Stadtteilen. Der Fokus auf Barrierefreiheit und Inklusion: Natürlich hat es den gegeben. Wir haben darüber auch lange im Ausschuss diskutiert. Das war ein ganz zentraler Punkt der Bewerbung. Die Beschleunigung des geförderten Wohnungsbaus in der Science City: alles Dinge, die ganz stark auf den Zusammenhalt in der Stadt gesetzt haben. Und für dieses Konzept hat es natürlich auch viel Zuspruch gegeben. Und daran hab ich auch von Ihnen überhaupt keine tragfähige Kritik gehört. Aber natürlich waren die Vorbehalte dann am Ende andere: Natürlich hatten die Leute Befürchtungen, was die finanziellen Belastungen angeht, was steigende Mieten angeht. Natürlich gab es auch Unzufriedenheit mit Großprojekten, wie sie gelaufen sind, und mit Baustellen und mit manchem anderen in der Stadt. Und da waren auch viele Dinge dabei, die Sie dann natürlich im Rahmen einer Olympia-Kampagne auch nicht ausgeräumt kriegen. Wir haben gemerkt, dass wir in unzähligen Diskussionen, in x Veranstaltungen... Ich war nun wirklich fast jeden Tag in Gesprächen in Veranstaltungen: Immer, wenn man mit Leuten etwas länger gesprochen hat, dann hat man auch Zustimmung bekommen. Dann sind auch Leute zu einem gekommen, die gesagt haben: "Wissen Sie was?" "Ich hab letztes Mal dagegen gestimmt, diesmal werde ich dafür stimmen." Aber das kriegen Sie natürlich nicht mit 1,3 Millionen Wahlberechtigten hin, und in einer Kampagne kriegt man das dann so vielleicht auch nicht gedreht. Und natürlich ist es jetzt reizvoll zu sagen: "Ja, das ist jetzt ein Misstrauensbeweis gegenüber dem Senat!" Und das kann ich auch verstehen so als oppositionellen Reflex und oppositionelles Wunschdenken. Ja, und das kann ich auch verstehen, das ist ja auch frustrierend, Herr Nockemann, wenn man seit Jahren das Schlusslicht aller AfD-Landesverbände ist, dass man dann nach dem letzten Strohhalm greift, um hier den Stimmungswandel herbeizureden. Das kann ich sogar verstehen, Herr Nockemann. Und... Aber Sie müssen doch sehen, dass die Leute in solchen Einzelfragen eben total eigenständig und auch ganz unabhängig von politischen Präferenzen sich ihre Meinung bilden, dass dieser Senat der einzige ist in Deutschland, der in drei Wahlen hintereinander bestätigt wurde, der im Frühjahr letzten Jahres erst wiedergewählt wurde, der in einer Umfrage noch im März eine deutliche Mehrheit hat. Keine andere Landesregierung mit Ausnahme Schleswig-Holsteins ist derartig stabil. Und daran werden Sie auch nichts ändern. Und... Und trotzdem ist es natürlich so, dass wir uns um die Unzufriedenheit, die es an bestimmten Stellen gibt, und das hat das natürlich auch gezeigt, diese Debatte, dass wir an bestimmten Stellen – Großprojekte, Baustellen, anderes – natürlich auch sehen müssen, wie wir dort noch besser werden können. Aber das werden wir auch, und darauf kann sich auch jeder verlassen. Und dabei wird eines natürlich stark im Vordergrund stehen, und da freue ich mich drauf, wenn alle anderen das dann auch so sehen: Wir können ganz klar sagen, dass natürlich der Sport weiterhin eine zentrale Rolle in der Zukunftsgestaltung in dieser Stadt spielen wird. Wir sind auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Wir haben in den vergangenen Jahren mit der Active-City-Strategie ein ganz starkes Fundament aufgebaut. Keine Stadt investiert in diesem Umfang in den Sport. Nirgendwo werden die Vereine so gefördert wie hier in Hamburg. Nirgendwo haben wir derartig positive Entwicklungen im Sport auf allen Ebenen. Unsere Idee war das mit dem Olympia-Konzept, das weiter zu stärken. Und genau da wird natürlich jetzt auch der Schwerpunkt einer positiven Legacy sein, eines positiven Vermächtnisses. Und wir werden genau diese Punkte, die auch angesprochen werden, wir werden die fünf Stunden Sport und Bewegung im schulischen Ganztag, die werden wir auch natürlich ohne Olympia umsetzen. Wir werden uns um die Schwimmfähigkeit der Kinder kümmern, auch weiterhin, damit die, wenn sie die Schule verlassen, die Grundschule verlassen, auch sicher schwimmen können. Wir wissen um die Bedeutung des Sports in unserer Stadt, und wir werden mit ganzer Kraft daran arbeiten, weil wir wissen, was es für das Aufwachsen unserer Kinder und für den Zusammenhalt in dieser Stadt bedeutet. Vielen Dank.
