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Sina Imhof

GRÜNE 5:50 min Sitzungen 23/25

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Ah, Herr Thering. Oh, wie wenig Sportsgeist kann man eigentlich haben, ja? Ich meine, man gewinnt gemeinsam. Und wenn man nicht gewinnt, dann verliert man auch gemeinsam. Und sich jetzt hier hinzustellen, dass wir ja zu wenig auf Sie zugekommen sind und da nicht mit Ihnen die Schulter geschlossen haben, war jetzt keine Bewerbungsrede dafür, das beim nächsten Mal wirklich zu tun. Also, Alter! Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, das Ergebnis des Referendums steht fest, Hamburg wird sich nicht um Olympische und Paralympische Spiele bewerben. Und diese Entscheidung gilt. Sie verdient Respekt, auch dann, wenn sich wie viele Engagierte in dieser Stadt, wie wir als Fraktion, wie ich, uns einen anderen Ausgang gewünscht hätten. Denn Demokratie bedeutet nicht, dass Politik so lange erklärt, bis alle ihrer Meinung sind. Demokratie heißt, dass Menschen abwägen, diskutieren, widersprechen, zustimmen und am Ende entscheiden. Und genau das ist passiert. Und dass sich so viele Hamburgerinnen und Hamburger an dieser Stadtdebatte beteiligt haben, ist ein starkes Zeichen für unsere Stadt. Ich möchte mich deshalb ausdrücklich bedanken: bei allen, die sich in den letzten Wochen und Monaten eingebracht haben; bei denen, die für Olympia geworben haben; bei den vielen Menschen aus dem Sport, aus den Vereinen, aus der Zivilgesellschaft, die mit Leidenschaft, Zeit und Herzblut für diese Idee gestritten haben. Aber auch bei denen, die kritisch nachgefragt haben. Denn eine Stadt, die diskutiert, ist keine verunsicherte Stadt. Sie ist eine engagierte Stadt, und Hamburg ist engagiert. Und gleichzeitig sollten wir dieses Ergebnis nicht vorschnell auf eine einfache Formel bringen. Es war kein schlichtes Nein zur Zukunft, kein Nein zum Sport, kein Nein zur Investition und kein Nein zu Weltoffenheit oder zu der Idee, dass Hamburg groß denken darf. Im Vordergrund stand vor allem die Sorge: Können wir das alles gleichzeitig finanzieren – Olympia, Wohnungsbau, Klimaschutz, Schulen, Verkehr, soziale Infrastruktur, Sportstätten vor Ort? Diese Sorge ist nachvollziehbar. Wer in Hamburg eine bezahlbare Wohnung sucht, wer auf seinem Weg nach Hause erlebt, dass Mobilität noch besser funktionieren könnte, wer sieht, dass Sporthallen modernisiert und auch andere öffentliche Infrastrukturen immer wieder erneuert werden müssen, der fragt natürlich: Was hat Vorrang? Wie stellen wir sicher, dass am Ende nicht genau das liegenbleibt, was im Alltag am dringendsten gebraucht wird? Diese Fragen haben wir auch im Rahmen der Olympia-Bewerbung nicht weggewischt, und wir nehmen sie auch heute ernst. Aber Olympia war nie als Konkurrenz zu einem modernen ÖPNV, mehr Wohnraum, Klimaschutz und sozialer Infrastruktur konzipiert. Im Gegenteil: Olympische und Paralympische Spiele hätten Hamburg nach vorne bringen können. Olympia hätte ein Motor sein können, ein Anlass, all diese Dinge, die wir ohnehin brauchen, verbindlicher, schneller und sichtbarer umzusetzen. Gerade weil alle Haushalte und auch der Hamburger Haushalt unter Druck stehen, weil die Investitionsbedarfe hoch sind und die wirtschaftliche Entwicklung nicht so dynamisch ist, wie wir uns das wünschen würden. Weil der Wettbewerb zwischen den großen Städten in den nächsten Jahren härter wird, um Fachkräfte, Unternehmen, Innovationen, Infrastruktur, öffentliche und private Investitionen. Deshalb ging es bei Olympia nie nur um die Frage: Wofür geben wir das vorhandene Geld aus? Es ging um die Frage: Wie bekommen wir zusätzliches Geld nach Hamburg? Wie bekommen wir hier vor Ort eine zusätzliche Dynamik? Ich bin davon überzeugt, Olympia wäre eine große Chance gewesen. Aber anders als Sie, Herr Thering, das jetzt hier behaupten, fehlt es uns nicht an einem Plan, nur weil wir uns als Stadt anders entschieden haben. Olympia wäre ein Booster für unseren Plan gewesen, kein Ersatz. Wir verfolgen unsere Politik konsequent weiter, wenn auch an der ein oder andere Stelle nicht so schnell und mit einer stärkeren Priorisierung. Aber das Ergebnis zeigt für mich auch Vertrauen in unsere Stadt und in ihre Regierung. Vielleicht anders, als wir uns gewünscht haben, aber dennoch. Viele Hamburgerinnen und Hamburger haben gesagt: "Wir teilen die Einschätzung, dass wir in Hamburg investieren müssen." "Aber wir glauben auch, dass wir es auch ohne Olympia schaffen." Die Umfragen jenseits des Referendums zeigen: Sie trauen uns weiterhin zu, dass wir diese Zukunftsaufgaben auch ohne einen großen Taktgeber bewältigen und im Blick behalten. Und sie erwarten zurecht, dass wir genau das jetzt tun. Und deshalb sollten wir den Schwung des Referendums nutzen. Über so vieles wurde gesprochen in den vergangenen Wochen: Sport, Stadtentwicklung, Investitionen, internationale Ausstrahlung, Hamburgs Rolle in der Welt und die Frage, wie sieht unsere Stadt aus in 10, 20, 30 Jahren? Und diese Gespräche waren nicht umsonst. Olympia wird nicht der Weg sein, den Hamburg geht. Aber der Anspruch bleibt. Hamburg soll eine Stadt sein, die sich etwas zutraut. Eine Stadt, die investiert, zusammenhält, die wirtschaftliche Stärke, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und gute Infrastruktur zusammendenkt. Das Referendum beendet die Bewerbung, aber es beendet nicht die Idee, dass Hamburg mehr kann und will.

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