Dirk Kienscherf
Ja, Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, liebe Hamburger:innen. Hamburg hat entschieden: Hamburg wird sich nicht für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland bewerben. Ich verrate hier kein Geheimnis, dass wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht hätten, aber anders als die CDU damals beim Verkauf der Krankenhäuser und auch beim Zukunftsentscheid respektieren wir das Ergebnis. Und es ist ein gutes, respektvolles Signal, dass der Erste Bürgermeister noch am Sonntagabend den DOSB informiert hat, dass Hamburg sich nicht bewerben wird, meine Damen und Herren. Es war auch richtig, auch vor dem Hintergrund der gescheiterten Bewerbung 2015, dass Hamburg, nachdem das Signal von Bundesebene kam, dass sich Deutschland bewerben wird, 2040 und 2044, dass sich Hamburg als zweitgrößte Stadt und als Sportstadt erneut ein Konzept erstellen wird. Und viele Dinge, die wir in den letzten Monaten erlebt haben, führen ja dazu bei, dass wir gemerkt haben, welches Potenzial in dieser Stadt steht. Und es war auch richtig, Herr Nockemann, dass anders als in Berlin wir immer deutlich gemacht haben, obwohl es eine breite parlamentarische Mehrheit in der Bürgerschaft gibt, aus SPD, aus GRÜNEN und CDU, wir immer deutlich gemacht haben, dass bei so einem Langfristprojekt, was über Legislaturperioden hinausgeht, wir die Entscheidung den Bürgerinnen und Bürger überlassen und das respektieren, ob wir das nun gut finden oder nicht. Das ist respektvoller Umgang mit der Demokratie hier in Hamburg, meine Damen und Herren. Und Olympia – und das ist damals deutlich geworden – war kein Selbstzweck, sondern es ging darum, die vielen Ideen, die wir in unserer Stadt haben, zu beschleunigen, voranzutreiben, sie abzusichern, gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel. Und von daher ist es so, dass die Bürgerinnen und Bürger sich gegen eine Bewerbung entschieden haben. Aber wogegen sie sich natürlich nicht entschieden haben, ist, dass sie mit uns gemeinsam unsere Stadt weiter vorantreiben wollen. Das enorme Potenzial, was wir in vielen Bereichen haben, sei es im Wohnen, sei es in der Mobilität, sei es in der Innovation, sei es in der Wirtschaft und Wissenschaft: Wir wollen diese Stadt mit Ihnen gemeinsam weiter vorantreiben, meine Damen und Herren! Und deswegen sagen wir an dieser Stelle: Danke! Danke an all diejenigen, die sich eingebracht haben, an die vielen jungen Menschen, die diese Bewerbung unterstützt haben, die Ideen eingebracht haben, die gesagt haben, das ist eine wahnsinnig große Chance. Das, was Sie mit eingebracht haben, werden wir weiterhin berücksichtigen. Wir wollen mit Ihnen weiterhin diese Stadt entwickeln, und das ist uns ganz, ganz wichtig: Es war gut, dass Sie dabei waren. Machen Sie weiter so! Engagieren Sie sich für unsere Stadt, meine Damen und Herren. Wir sagen aber auch Danke für diejenigen, die sich kritisch eingebracht haben, die gesagt haben: "Hier in dieser Stadt geschieht schon so viel." "Hier werden Schnellbahnen gebaut. Hier werden Stadtentwicklungsprojekte vorangetrieben." "Hier entsteht die Science City. Hier sind ganz viele Dinge," "wo wir manchmal das Gefühl haben, vielleicht ist es auch zu viel." "Und nicht noch ein weiteres großes Projekt." "Sondern konzentriert euch auf das, was ihr euch vorgenommen habt." "Das wollen wir mit euch gemeinsam entwickeln, aber nicht mehr." Und auch diesen Leuten, auch wenn wir wissen, dass sie dagegen sagen, sagen wir Danke und laden Sie ein: Ja, lassen Sie uns diese Stadt ohne Olympia weiter vorantreiben! Wir haben einen klaren Kurs. Wir laden Sie ein. Gemeinsam kriegen wir das hin. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft unserer Stadt, meine Damen und Herren. Und lassen Sie mich aber auch eins sagen: Wenn es um den sozialen Zusammenhalt geht und wenn es um Olympia geht und wenn es um solche Diskussionen geht – es gab auch die Menschen, die da eine Art Kulturkampf geführt haben. Und wenn ich da nach links schaue und dann Abgeordnete sagen, egal welches Verhältnis sie zu Olympia haben, trotzdem stimmen sie einfach dagegen, damit sie dem Innensenator eins mitgeben. Oder wenn man sagt, "diese Olympischen Spiele kosten die Stadt 6 Milliarden Euro" – was einfach nicht stimmt. "Und diese 6 Milliarden Euro können wir lieber dafür einsetzen," "540 neue Sporthallen zu bauen, sechs Jahre lang kostenlos hvv Ihnen zu garantieren", dann bedeutet das nur eins: Dass die Linksfraktion jetzt liefern muss. Aber vor allen Dingen bedeutet es eins: Wir müssen den Mut haben, über solche Dinge kritisch zu diskutieren. Aber wir sollten auch die Kraft haben, wirklich an der Sache orientiert zu argumentieren, sich auseinanderzusetzen. Wir sollten nicht jede Sachfrage zu einem Kulturkampf machen. Das ist gerade in Zeiten von Populisten nicht zum Wohle der Stadt. Zum Wohle der Stadt ist eine Diskussion, eine kritische Diskussion. Hamburg hat entschieden gegen Olympische Spiele. Aber Hamburg hat entschieden auch, mit uns gemeinsam unsere Stadt voranzutreiben. Dafür stehen wir bereit. Vielen Dank.
