Linus Görg
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen. Wie Sie wissen, bin ich selber Pflegefachmann. Und auch deswegen wusste ich nicht, ob ich traurig sein oder lachen sollte, als ich den vorliegenden Antrag gelesen habe. Es liest sich schlicht so, als ob die AfD die Entwicklung der letzten Jahrzehnte einfach nicht mitbekommen hat. Als ob Sie nicht mitbekommen haben, dass die generalistische Ausbildung jungen Menschen mehr Möglichkeiten eröffnet und dies auch genutzt wird. Dass die entsprechenden Spezialisierungen nicht gewählt werden, zeigt doch genau dies. Sie haben es offensichtlich nicht gemerkt, denn Sie schlagen nicht nur einen Rückschritt in Richtung der ehemaligen drei Berufsausbildungen vor zu unternehmen, Sie wollen dann auch noch ernsthaft die Altenpflegeausbildung auf lediglich zwei Jahre verkürzen. Wenn man über die Pflege spricht, spricht man immer auch über Würde, Sicherheit, Lebensqualität von Millionen von Menschen. Pflege ist kein einfaches Handwerk, das man im Schnellverfahren erlernen kann. Pflege bedeutet Verantwortung für kranke Kinder, für Menschen im Krankenhaus und für ältere Menschen mit komplexen chronischen Erkrankungen. Genau deshalb ist die generalistische Pflegeausbildung so ein großer Fortschritt. Sie vereint Wissen, stärkt Kompetenzen und ermöglicht es Pflegekräften, flexibel und umfassend auf unterschiedlichste Situationen zu reagieren. Eine Verkürzung speziell in der Altenpflege sendet ein fatales Signal, dass die Versorgung älterer Menschen weniger anspruchsvoll sei. Das ist schlicht falsch und ehrlicherweise auch respektlos. Gerade in der Altenpflege... Gerade in der Altenpflege braucht es ein hohes Maß an Fachwissen. Multimorbidität, Demenz, palliative Situationen: All das verlangt nach bestens ausgebildeten Fachkräften, nicht nach abgespeckten Qualifikationen. Wer die Ausbildung verkürzt und erneut am Alter der Patient:innen ausrichtet, senkt nicht nur die Qualität, sondern er gefährdet damit auch die Attraktivität des Berufes, schränkt die Mobilität der Pflegefachpersonen ein und erschwert die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bereichen. Die generalistische Pflegeausbildung ist der richtige Weg, weil sie die Realität widerspiegelt. Pflege kennt keine starren Grenzen. Menschen brauchen ganzheitliche Betreuung. Und genau darauf bereitet diese Ausbildung vor. Dass anschließend Spezialisierung in Form von Weiterbildung stattfinden muss, ist dadurch ja unbenommen. Dieser Antrag ist ein schwerer Schlag für den ganzen Berufsstand, und wir werden ihn selbstverständlich ablehnen.
