Christin Christ
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, der vorliegende Antrag erklärt die generalistische Pflegeausbildung vorschnell für gescheitert, ohne die Gesamtentwicklung differenziert zu betrachten. Ja, es gibt Herausforderungen, und ja, Abbruchquoten sind ein ernstes Thema. Aber daraus den Schluss zu ziehen, die Generalistik abzuschaffen und zu alten Strukturen zurückzukehren, das ist kein Fortschritt, das ist ein Rückschritt, meine Damen und Herren. Die generalistische Ausbildung wurde nicht ohne Grund eingeführt. Sie stärkt die Flexibilität der Pflegekräfte, ermöglicht einen breiteren Einsatz und trägt den realen Versorgungsbedarfen Rechnung. Unsere Gesellschaft altert, Versorgungsformen verändern sich, Grenzen zwischen stationärer und ambulanter Pflege verschwimmen. Genau darauf gibt die Generalistik eine Antwort. Wer jetzt wieder strikt getrennte Ausbildungsgänge fordert, riskiert neue Barrieren, weniger Durchlässigkeit, weniger Wechselmöglichkeiten und letztlich auch weniger Attraktivität in dem gesamten Berufsbild. Spezialisierung ist wichtig, allerdings gehört sie in die Vertiefung und Weiterbildung, nicht zwingend an den Anfang der Ausbildung. Eine solide breite Basis ist gerade in einem so komplexen Berufsfeld entscheidend. Die Abbruchquoten sind ein Warnsignal, ja, das stimmt, aber kein Beweis für ein gescheitertes System. Sie zeigen vielmehr den Verbesserungsbedarf bei der Praxisanleitung, bei der Verzahnung von Theorie und Praxis, bei den Arbeitsbedingungen insgesamt. Und genau dort müssen wir ansetzen. Statt... Statt das System zurückzubauen, sollten wir es gezielt weiterentwickeln. Bessere Anleitungen, stärkere Unterstützung für Auszubildende, klare Spezialisierungsmöglichkeiten innerhalb der bestehenden Struktur. Deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. Herzlichen Dank.
