Michael Gwosdz
Herr Präsident, liebe Kolleg:innen! Ich möchte jetzt am Ende der Debatte noch mal ein paar Sachen zusammenfassen. Gerade... Einmal Richtung Ihnen, liebe Kolleg:innen der Linken. Ich habe Ihnen jetzt ja schon mehrere Debatten und auch heute wieder aufmerksam zugehört, und ich glaube... Seien Sie doch mal so ehrlich und sagen: "Wir wollen gar keine Olympischen Spiele, weder hier in Hamburg noch anderswo." Weil die gesamte Argumentation läuft ja nicht auf die Frage hinaus, "Hamburg ja oder nein", sondern ist eine Argumentation generell gegen Olympische Spiele. So. Und dann muss man da auch so ehrlich sein und das sagen, dass man sie gar nicht will. Was ich nicht ganz verstehe, ist: Wir haben gerade auch aktuell einen Antrag der Linken wiederum im Bundestag. Die fordert eine verlässliche, jährlich aufsteigende Anhebung der Spitzensportförderung mit dem Ziel, dass mehr deutsche Athletinnen und Athleten auch bei Olympischen und Paralympischen Spielen besser gefördert antreten können. Das gehört dann auch mit dazu, deswegen weiß ich nicht ganz, wo Sie da stehen bei der Frage, Olympia ja oder nein. Und Langzeiteffekte, genau diese Spitzensportförderung ist zum Beispiel ein Langzeiteffekt der Olympischen Spiele 1972 in München. Für die Olympischen Spiele 1972 in München wurde die Deutsche Sporthilfe gegründet für die Förderung von Spitzensport. Die ist seitdem dauerhaft und verlässlicher Partner an der Seite der Athletinnen und Athleten und ist ein wichtiges Erbe, ein wichtiger Impuls, der durch eine deutsche Olympia-Austragung entstanden ist. Und ist ein Langzeiteffekt, der taucht in solchen Studien nicht auf, die Sie gerade alle zitiert haben, aber es ist ein ganz ultimativ wichtiger Effekt für den Sport in Deutschland, denn ohne die Deutsche Sporthilfe sähe es nicht so gut aus mit dem Spitzensport hier. Und ich hab's auch letztes Mal schon gesagt, aber das Argument, "braucht man Olympia, wenn eh alles kommt": Nein, definitiv nicht. Natürlich wird es auch einen Ausbau des ÖPNV geben. Natürlich wird die Science City gebaut. Natürlich investieren wir auch weiterhin in Sportstätten und Schwimmbäder. Natürlich investieren wir in barrierefreie Wege mit oder ohne Olympische Spiele. Aber aus meiner Sicht, aus unserer Sicht, sind die Olympischen Spiele als solches ja auch ein Event, das es wert ist, ausgetragen zu werden, das es wert ist, alle vier Jahre stattzufinden, das es wert ist, das Ziel von Sportlerinnen und Sportlern zu sein, der ultimative Sehnsuchtsort für jede Sportlerin und Sportler, die im Leistungssport sind, ist, einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen oder an den Paralympischen Spielen. Und auch für viele Menschen, die zuschauen, ist das ultimative Highlight, einmal olympische Spiele zu besuchen oder vorm Fernseher zu sitzen. Dennis Thering hat das vorhin so schön beschrieben mit seinem Erlebnis. Ich persönlich erinnere mich noch, 1984 als Zehnjähriger vorm Fernseher: Pasquale Passarelli mit der haltbarsten Brücke überhaupt, der dann damit Gold beim Ringen errungen hat im wahrsten Sinne des Wortes und sich nicht hat niederringen lassen und durchgehalten hat. Das sind alles Elemente, die sind eingebrannt in unserem Gedächtnis, in unserer Erinnerung. Und das sind die Momente, die wollen wir, die wollen wir für Hamburg, die wollen wir für Deutschland. Und deswegen bewerben wir uns für die Olympischen Spiele und nicht, um barrierefrei zu bauen. Aber, das wurde auch schon oft gesagt, es ist ein Hebel, es ist ein Trigger, es ist ein Motor noch mal für unsere Investitionen drumherum. Aber am Ende würde ich Olympische Spiele auch ausführen und mich dafür bewerben, wenn das alles gar nicht wäre, sondern sie einfach hier stattfinden, weil es ein wichtiges, großes Sportereignis ist, das in diese Stadt passt. Und dann die Oxford-Studie, auf die Sie sich so referenzieren. Ich habe sie auch gelesen, ja, und sie zeigt: Die Preise sind immer wieder gestiegen, die Budgets sind überschritten worden bei Olympischen Spielen. Aber wenn man reinguckt in die Details, sieht man auch: Es gibt einen Trend zurück, runter von den Preisen. Die Olympischen Spiele 2012, 2016, 2020 waren teurer als Paris, absolut. Paris waren jetzt wieder die günstigsten Spiele seit einigen Zeiten. Und was auch noch mal wichtig ist, wenn man die Zahlen vergleicht mit früheren Olympischen Spielen: Die Anzahl der Wettbewerbe, der Sportarten, der teilnehmenden Athletinnen und Athleten hat sich auch vergrößert. Und die Oxford-Studie untersucht auch: Wie haben sich denn die Kosten pro Wettbewerb entwickelt? Also letzten Endes pro Tischtennis-Weltmeisterschaft, pro Fecht-Weltmeisterschaft, pro Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die ja alle gleichzeitig stattfinden während der Olympischen Spiele. Und die sind seit 2008 stark rückläufig: 2008, 2012, 2016, 2020. 2024 waren sie jetzt am günstigsten in diesem Zeitraum. Und das zeigt auch, dass die Maßnahmen, und das sagt die Oxford-Studie auch, die das IOC schon ergriffen hat, um die Kosten bei der Ausrichtung von Olympischen Spielen einzudämmen, Wirkung zeigen. Und der viel zitierte Anforderungskatalog, dieses Knebeln des IOCs: Die Anforderungen des IOCs sind von 7.000 Seiten auf 100 Seiten reduziert worden, um den Städten, den Bewerberstädten, den Ausrichterstädten deutlich mehr Flexibilität zu geben. Und die Anforderungen des IOCs jetzt sind, und das sagt auch die Oxford-Studie und erkennt das an und sagt: Das sind richtige Schlussfolgerungen, dass es um Kostenersparnis durch Vereinfachungen geht, dass es um Wiederverwendung von Sportstätten geht, dass es darum geht, nichts wieder neu zu bauen. Da sagt die Oxford-Studie auch: Das sind richtige Maßnahmen, die das IOC aus der Kostenexplosion schlussgefolgert hat. Und dann sagt die Oxford-Studie auch noch: Die Bewerberstädte sollten Maßnahmen auch noch mal ergreifen, um die Planungskosten besser in den Griff zu kriegen. Und wenn man sich das anguckt, was die Oxford-Studie in ihren neuesten Ergebnissen empfiehlt, dann kommt mir das interessanterweise relativ bekannt vor. Denn die Empfehlungen an die Bewerberstädte für die Planungen, das sind so Empfehlungen, die finde ich bei uns in der Drucksache "Kostenstabiles Bauen" wieder. Das sind Schlussfolgerungen, die haben wir in Hamburg aus Erfahrungen, aus guten Erfahrungen bereits gezogen. Und deswegen können wir, gerade wir in Hamburg, mit diesen Erfahrungen dafür, wie geht man mit entsprechenden Projekten und Baumaßnahmen um, auch zeigen, dass das, was das IOC mit seiner Reformagenda vorhat, in einer Stadt wie Hamburg funktionieren kann. Das ist der Auftrag, den wir haben, und darum geht es am 31. Mai. Und was ich auch noch einmal sagen möchte Richtung der Menschen, die uns zuhören und nicht die siebte Debatte vielleicht hier zu Olympia mitbekommen, weil ja auch gesagt wird: "Es sind noch nicht alle Zahlen da," "es ist noch nicht alles belastbar." Das ist auch richtig. Was wir versuchen, was der Senat versucht, ist, möglichst große Kostentransparenz zum Referendum am 31. Mai zu geben. Und gleichzeitig, liebe Linke, wir stimmen auch so früh ab, wir stimmen auch so früh ab zu einem Zeitpunkt, wo natürlich noch nicht alles bis ins letzte Detail geplant durchkalkuliert daliegt, damit wir nicht über Jahre hinaus diese Arbeit machen, alles im Detail planen und dann kurz vor knapp das Referendum kommt. Es braucht die Transparenz, die zum 31. Mai möglich ist. Das liegt alles vor. Ich finde das alles plausibel kalkuliert und belastbar. Das können Sie sich anschauen und lesen. Und Sie haben die Chance, jetzt, zu einem verantwortungsvollen frühen Zeitpunkt darüber zu entscheiden, ob Sie Olympia in Hamburg haben möchten oder nicht. Meine Empfehlung ist auf jeden Fall: aus vollem Herzen Ja zu Olympischen und Ja zu Paralympischen Spielen in Hamburg. Das wäre genau das, was diese Stadt braucht. Vielen Dank.
