Dirk Kienscherf
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Hamburger:innen, sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister. Das war eine starke Rede, wo Sie noch mal ganz deutlich gemacht haben, welche Chancen Olympia, welche Chancen Paralympische und Olympische Spiele für die Stadt haben. Und wir sind sicher, dass die Hamburgerinnen und Hamburger das erkennen und mit Ja stimmen werden für die Zukunft unserer Stadt, meine Damen und Herren. Und dies geschieht vor allen Dingen vor dem Hintergrund – und das muss man noch mal deutlich machen –, dass die nächsten oder dass die Olympischen Spiele 2040 und 2044 nach Europa und größtwahrscheinlich, Frau Sudmann, nach Deutschland kommen werden. Und das ist ganz wichtig, weil es geht eben nicht darum, wie man zu Olympia steht oder ob Olympia in anderen Kontinenten stattfindet. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass wir sagen: In dem demokratischen Europa und in der größten Volkswirtschaft Europas sollte das stattfinden. Ich finde, es ist sehr wichtig, wenn wir uns dazu bekennen. Aber das muss allen klar sein, allen, die jetzt die Möglichkeit haben, abzustimmen: 2040 oder 2044 wird die Olympiade in Deutschland stattfinden. An einem Ort. Und es sind die Hamburgerinnen und Hamburger, die jetzt entscheiden können, ob bei diesem Bewerbungsverfahren Hamburg dabei ist oder ob die zweitgrößte Stadt Deutschlands, die weltoffene Stadt schlechthin, die Sportstadt Deutschlands schlechthin einfach am Spielfeldrand steht, einfach zuschaut, wie sich München bewirbt, wie sich Rhein-Ruhr bewirbt, wie sich andere Regionen bewerben. Und ich bin in Hamburg geboren, ich war immer stolz, hier in dieser Stadt zu sein, und ich muss auch ganz ehrlich sagen, das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen platt an, aber den Münchnern, denen gönn ich das nun wirklich nicht! Und deswegen sollten wir die Kraft haben, für Ja zu stimmen, für unsere Stadt, für unsere Chancen, meine Damen und Herren. Denn München – und Kollege Thering hat ja auch angesprochen und auch der Bürgermeister – andere Städte wie Barcelona haben ja sehr wohl erkannt, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Und auch Rhein-Ruhr hat das erkannt, welche Möglichkeiten sich ergeben. Und auch Kiel hat es erkannt, welche Möglichkeiten sich ergeben. Und es kann doch nicht sein, wenn Gelsenkirchen und Recklinghausen dafür sind, dass wir als Sportstadt sagen: "Nein, wir trauen uns das nicht zu." Nein, wir in Hamburg können das! Wir können das, weil wir haben den Ehrgeiz, wir haben die ehrenamtliche Struktur, und vor allen Dingen wollen wir der Welt zeigen, wie nachhaltige Spiele funktionieren können. Das können wir alle gemeinsam schaffen, meine Damen und Herren! Und wir können das schaffen gerade in der heutigen Situation. Und es ist ja richtig, wenn viele Menschen ansprechen: "Können wir uns das eigentlich leisten?" Wir reden gerade über Haushalte, die angespannt sind. Wir reden über Sparmaßnahmen. Aber gerade deswegen – und auch das hat der Erste Bürgermeister gesagt – ist es ja gerade so wichtig vor dem Hintergrund der vielen, vielen Projekte und Ideen, die wir haben, die wir in Hamburg ja auch vorantreiben wollen, sei es in der Mobilität, sei es in der Barrierefreiheit, in der Sportinfrastruktur, und wir aber wissen, wie angespannt die Haushaltslage ist und wir wissen, dass wir konkurrieren bei diesen Projekten mit den anderen Städten in Deutschland, und wir aber wissen, und das hat Anjes Tjarks als unser Mobilitätssenator ja noch mal sehr deutlich dargestellt, dass, wenn es darum geht, die U5 schnell zu bauen, zu realisieren, wenn es darum geht, endlich diesen Hauptbahnhof auszubauen, wenn es darum geht, andere Mobilitätsprojekte hinzukriegen, dann sagt der Bund ganz deutlich: "Bei aller Liebe und bei all dem," "was ihr in Hamburg habt und andere Städte habt, für uns ist klar" – und das haben ja auch viele schon dargestellt, auch in den Medien –, "die Olympiastadt wird zuerst gefördert werden." Und deswegen muss es doch schon aus unserer Sicht sein, und ich muss sagen, auch aus Egoismen: Wir wollen das nutzen für den Sport, aber für unsere Stadt, und deswegen müssen wir für Ja stimmen, meine Damen und Herren. Und das ist das eine. Das heißt, wir schaffen Dinge dadurch. Und wir schaffen eben auch Dinge und Möglichkeiten für andere Bereiche. Das Geld, was wir in diese Projekte nicht investieren oder weniger investieren, schafft Spielräume für andere Projekte, die wir auch realisieren wollen. Und das, was der Bürgermeister angesprochen hat, dass wir kritisch darüber reden müssen, das ist doch klar bei so einem großen Projekt, über Risiken. Aber was man doch auch sagen muss: Keine andere Stadt in Deutschland – und wie gesagt, es wird eine Austragungsstadt hier geben – hat ein solches transparentes Konzept dargelegt, hat dargelegt, wie nachhaltige Spiele aussehen, hat gelernt aus 2015, hat eben gesagt: Wir schaffen ein olympisches Dorf, das später aus der Mehrheit von Sozialwohnungen besteht. Wir nutzen entsprechende Sportstätten. Wir schaffen temporäre Sportstätten begrenzt, deren Inhalte und Bestandteile wir später den Sportvereinen zur Verfügung stellen. Ja, wir konzentrieren Sportstätten in bestimmte Bereiche, um kurze Wege zu schaffen. Aber wir investieren eben auch in über 100 Trainingsstädten, in allen Bezirken, sodass eben nicht der Spitzensport nur was abkriegt, nein, sondern der Breitensport. Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass wir deutlich machen: Wir haben ein detailliertes Konzept, das nachhaltig ist, das kurze Wege hat, wo es darum geht, auch die Bevölkerung mit einzubeziehen mitten in der Stadt. Und so ein tolles Konzept, was keine andere Stadt hat, das muss doch unsere Unterstützung jedenfalls in unserer Stadt finden. Und deswegen: Ja stimmen für Hamburg und auch für die olympische Idee. Aber... ...es geht eben nicht nur um diese Infrastrukturmaßnahmen und wie es unsere Stadt voranbringt, sondern es geht natürlich um dieses Fest und um den Sport. Und der Sport, den wir in Hamburg mit über 1,1 Milliarden Euro im Rahmen der Active-City-Strategie gefördert haben, ist elementar für das Zusammenleben in unserer Stadt. Der Bürgermeister hat zurecht darauf hingewiesen, dass über 600.000 Menschen in Hamburg im Sport organisiert sind. Und wo finden denn noch Menschen zusammen unterschiedlichster Herkunft, unterschiedlichster Einkommensschichten mit unterschiedlichsten Vitas? Im Sport finden sie zusammen. Sie finden im Sport zusammen, dort, wo nicht die Herkunft gilt, nicht das Geld gilt, sondern wo es darum geht, Leistung zu bringen, wo es darum geht, Respekt zu bezeugen, wo es darum geht, Teamgeist zu zeigen. Und das sind wir doch in Hamburg. Dafür stehen wir doch, für eine Ehrenamtsstruktur, für viele Menschen, die sich hier ehrenamtlich in der Stadt einbringen, für Menschen, die hier zusammenarbeiten wollen. Und auch hier können wir doch ein Zeichen setzen: Ja, wir sind die Stadt, die dafür prädestiniert ist für Olympische Spiele, meine Damen und Herren! Und da geht es eben darum, nicht ein Event nur zu erleben. Da kommen einem die Tränen schon, wenn man das mal sieht. Aber ich will... Ja, bei Ihnen wahrscheinlich etwas anders als bei uns oder bei anderen Menschen, die sich ja durchaus in dieser Stadt noch mal freuen können. Wenn... Wenn wir das erleben 2006, da, wo einige ja ganz verschreckt waren, dass es ganz viele Deutschlandfahnen auf einmal gab: Nein, wir haben der Welt gezeigt, dass wir stolz auf unser Land sind, dass wir aber genauso stolz auf andere Kulturen sind, dass es hier darum geht, hier bei uns gemeinsam zu feiern. Und da ging es auch gar nicht darum, liebe Frau Sudmann, hat man da ein Ticket jetzt gekriegt oder nicht? Natürlich haben sich alle gefreut, die ein Ticket gekriegt haben. Aber wo hat man denn am schönsten gemeinsam gefeiert? Auf dem Heiligengeistfeld, im Hammer Park, bei den Sportvereinen, bei Bekannten, mit anderen Kulturen zusammen. Das ist doch etwas, wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen, gerade in der heutigen Zeit, wo wir alle streiten, in der heutigen Zeit, wo diese Welt sich im Umbruch befindet, einen Ort zu schaffen hier in einer demokratischen Stadt und zu sagen: Wir laden euch ein nach Hamburg, um gemeinsam den Sport und die Völker zu feiern. Auch das könnte doch ein wunderbares Signal sein, meine Damen und Herren. Und wir haben das ja erlebt beim Haspa Marathon oder bei anderen Dingen, diese Begeisterung, die da vorherrscht, dieses Miteinander. Und natürlich animiert das Menschen. Und es geht doch gar nicht darum, dass wir sechs Wochen lang ein großes Sportfest machen. Das ist schon etwas, was man nur einmal im Leben erleben kann. Sondern es geht natürlich um den Weg dorthin. Was macht das mit einer Gesellschaft? Was ist das für ein Ziel, wenn wir auf einmal sagen könnten im September dieses Jahres, Deutschland bewirbt sich mit Hamburg für die Olympischen Spiele? Und was wär das für ein Ereignis, wenn wir auch international diesen Zuschlag bekommen würden? Und dann gucken wir doch mal nach Paris. Da haben wir eine Bürgermeisterin, die durchaus manchmal relativ radikale Ansichten hat, und sozialistischer Prägung. Und was hat die denn gesagt zu Olympia? Und das haben denn manche Pariser auch gesagt? - <i>...Sozialismus.</i> - Nein. Aber wie begeistert sie war und was sie gesagt hat, was das aus dieser Stadt gemacht hat, auch aus den Bereichen gemacht hat, die vorher nicht im Fokus waren. Aber wie wir eine gemeinsame Begeisterung geschaffen haben, da geht's um die junge Generation, die die olympische Generation werden soll. Natürlich. Aber es geht eben auch um die, die ein bisschen älter sind oder die vielleicht noch ein bisschen älter sind. Wo man einfach sagen kann: Diese Stadt wird im Blickpunkt stehen. Und wir gemeinsam können uns auf diesen Weg machen. Und natürlich macht es was mit der Gesellschaft, weil wir doch wissen, dass gemeinsame Ziele und dass gemeinsame Projekte eben Menschen zusammenführen. Da geht es nicht um irgendeine kleine Sportveranstaltung. Da geht es um Investitionen. Da geht es darum, dass man sich auf den Weg macht, der viele Jahre andauert. Und das sind auch Kraftanstrengungen. Aber diese Ziele einfach zu entwickeln, zu sagen: Ja, das kriegen wir hin und das ist sogar gut für uns, sich zu bewegen, gemeinschaftlich miteinander Dinge zu machen, im Verein zu überlegen: "Was kann ich noch dazu beitragen?" Und das ist ja Bestandteil dieses Konzeptes. Das ist doch das Entscheidende neben diesen ganzen finanziellen Dingen: Was macht das mit so einer Gesellschaft? Und welches Potenzial können wir da heben? Und wir können ein großes Potenzial heben. Wir wissen schon jetzt, wie groß das Potenzial im Sport ist. Und wie es dann erst sein wird, können wir nur erahnen, aber wir sollten es ermöglichen, meine Damen und Herren. Und wir sollten auch ermöglichen, darüber eben zu sprechen und die kritischen Dinge aufzunehmen. Der Bürgermeister hat darauf ja hingewiesen, dass wir das getan haben in vielen Beteiligungsprozessen. Und ich will zum Schluss nur noch mal sagen, auch gegenüber der Linken: Man kann darüber reden, ob Hamburg 100 Millionen Gewinn macht, ob Hamburg 200 Millionen Verlust macht, ob man alle Risiken schon vorher beseitigen kann. Aber was man einfach nicht machen kann, ist auszublenden – und der Bürgermeister hat das Finanzierungskonzept ja dargestellt –, dass es 4,8 Milliarden Einnahmen gibt, dass es weitere Unterstützung des Bundes gibt. Und zu tun, als ob die Hamburgerinnen und Hamburger alternativ entscheiden können, ob 6 Milliarden oder 24 Milliarden, wie Sie das ja letztendlich versuchen, diesen Eindruck zu erwecken, das ist einfach unwahr. Und so geht man mit so einem Instrument und mit so einer Entscheidung nicht um. Nein, es gibt nicht die Möglichkeit, über 6 Milliarden zu entscheiden, sondern es geht darum, Hamburg voranzutreiben, gemeinsam die Chancen zu nutzen zum Wohle unserer Stadt, zur Prägung der olympischen Idee. Wir können das gemeinsam hinkriegen. Nutzen Sie diese einmalige Chance. Und Olympia ist eben mehr als Lederhosen, Dirndl, Weißwürste oder Oktoberfest. Olympia kann eben auch sein ein weltoffener Norden. Vielen Dank.
