Dennis Thering
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist jetzt fast 34 Jahre her, im Sommer 1992. Da hat sich mir ein Ereignis tief ins Gedächtnis eingebrannt. Ich war acht Jahre alt und durfte mit meinem Vater die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im Fernsehen schauen. Ich sah die Athletinnen und Athleten aus aller Welt in das Stadion in Barcelona einlaufen, Länder, von denen ich bis dato noch überhaupt nichts gehört hatte. Menschen, die von weit her angereist sind, um gemeinsam ein großes Sportfest in Barcelona zu feiern. Und in diesem Moment habe ich gespürt: Hier geschieht etwas ganz Besonderes. Und als dann der spanische Bogenschütze Antonio Rebollo mit einem brennenden Pfeil das olympische Feuer entfachte, war ich endgültig begeistert und wusste, das möchte ich irgendwann auch mal miterleben, meine Damen und Herren. Und als Dieter Baumann wenige Tage später mit einem sensationellen Endspurt auf 5.000 Metern die Goldmedaille für Deutschland klarmachte, war für mich klar: Diese Spiele sind weit mehr als ein sportliches Großereignis. Sie sind ein Gefühl, sie sind ein Versprechen und sie zeigen, dass Menschen zusammenfinden können, dass Vielfalt eine Stärke ist und dass alles möglich scheint, wenn eine Stadt, ein Land oder sogar eine Welt für einen Moment gemeinsam nach vorne schaut. Und genau das möchte ich für meine Heimatstadt auch erreichen, meine sehr geehrten Damen und Herren. Genau das möchte ich für Hamburg, und deshalb lassen Sie uns gemeinsam entschieden Ja zu Olympia in Hamburg sagen. Und Barcelona gilt bis heute als Beispiel dafür, wie Olympische Spiele eine Stadt zum Positiven verändern können. Die Infrastruktur wurde massiv verbessert, der Tourismus gewann an Dynamik, die Wirtschaft profitierte und vor allem aber hat sich das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis der Menschen in Barcelona positiv verändert. Fröhlich, selbstbewusst und weltoffen – diese drei Worte beschreiben Barcelona seit 1992 wie kaum etwas anderes. Und Barcelona hat mit den Spielen 1992 die Weltbühne betreten und ist seitdem ein wirtschaftliches Kraftzentrum, ein globales Tourismus- und Dienstleistungszentrum. Und Barcelona hat sich ganz neu positioniert. Barcelona hat sich ganz neu erfunden und hat sich erfolgreich für die Zukunft aufgestellt. Und auch genau das wollen wir hier in Hamburg machen, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und ich bin fest davon überzeugt: Auch Hamburg braucht eine solche Idee für die Zukunft. Auch Hamburg kann diesen Weg mit Olympia erfolgreich gestalten. Und wir brauchen auch hier bei uns in Hamburg eine ganz neue Dynamik, einen neuen Aufbruch, damit wir auch in 10, 20 und 30 Jahren erfolgreich sein können und sagen können: "Ja, hier in Hamburg leben wir nach wie vor gerne." Und Hamburg ist eine Stadt, meine Damen und Herren, die Chancen erkannt hat und die Zukunft gestalten will, seit Jahrhunderten. Und deshalb ging es uns über lange Jahre auch so gut, aber von diesem Wohlstand zehren wir heute. Aber wir müssen heute den Grundstein legen, damit wir auch zukünftig erfolgreich sein können. Im letzten Jahrzehnt ist Hamburg allerdings in vielen Bereichen wirtschaftlich deutlich ins Hintertreffen geraten. Berlin hat uns längst den Rang als Medienstandort Nummer 1 abgelaufen. Der Finanzplatz Hamburg ist innerhalb von nur fünf Jahren auf den letzten Platz aller europäischen Metropolregionen gefallen. Unser Hafen ist weltweit von Platz 8 im Jahr 2005 auf Platz 25 abgerutscht. Und das alles bleibt nicht ohne Folgen, meine Damen und Herren. Berlin hat in diesen Jahren 2018 bis 2023 dreimal so viel Wachstum wie Hamburg erwirtschaftet, München pro Kopf eine rund 50 Prozent höhere Wertschöpfung als hier bei uns in Hamburg. Und beides, meine Damen und Herren, übrigens Olympiastädte. Und das zeigt doch sehr deutlich: Wir werden abgehängt, wenn wir weiter nur Nein sagen. Wir werden abgehängt, wenn wir wie Die Linke und die AfD immer nur quengeln, jammern, schlechte Stimmung machen und keine Lust auf Zukunft haben. Wir werden abgehängt, wenn wir solche Chancen wie Olympia liegen lassen, und deshalb sagen wir auch sehr deutlich: Nutzen wir diese Chance für Hamburg und sagen gemeinsam Ja zu Olympia. Olympische und Paralympische Spiele, das sind vor allem Chancen. Eine Chance, unsere Infrastruktur zu verbessern. Eine Chance, Sportstätten zu modernisieren und die Barrierefreiheit auf ein ganz neues Niveau zu heben. Eine Chance, junge Menschen für Sport, für Fairness und für Gemeinschaft zu begeistern. Eine Chance, Hamburg international zu positionieren und zu zeigen, dass diese Stadt eine moderne, offene und starke Metropole ist. Und genau das brauchen wir und genau diese Chance sollten wir uns gemeinsam nicht entgehen lassen. Und genau das generiert zusätzliche Investitionen. Das generiert Wachstum und Wohlstand weit über die Olympischen Spiele hinaus über Jahrzehnte. Und genau das schafft auch die Grundlage für sichere Arbeitsplätze, hohe Steuereinnahmen, die wir so dringend brauchen, um die Projekte in unserer Stadt zu finanzieren, die unseren sozialen Zusammenhalt garantieren. Denn die Wahrheit ist doch: Wir brauchen diese Steuereinnahmen. Wir brauchen sie, damit wir auch die Kitas künftig fünf Stunden, gerne auch mehr, kostenfrei gestalten können. Damit wir kostenfreien Eintritt für Kinder und Jugendliche in unsere Museen realisieren können. Und wir brauchen das auch, um das kostenfreie Deutschlandticket für die Schülerinnen und Schüler langfristig zu sichern. Und genau das ist es doch, meine Damen und Herren, wovon die Hamburgerinnen und Hamburger tagtäglich profitieren werden. Olympia ist nicht nur eine Chance, Olympia ist ein Booster, und davon werden alle Hamburgerinnen und Hamburger langfristig profitieren, meine Damen und Herren. Und andere haben es doch schon vorgemacht. Die Referenden in München, Kiel und im Rhein-Ruhr-Gebiet haben beeindruckende Ergebnisse mit über 60 Prozent geliefert. Und den Ministerpräsidenten Markus Söder, Daniel Günther und Hendrik Wüst ist es durch ihre sehr persönliche und leidenschaftliche Art gelungen, um das Werben für diese Olympischen Spiele in ihrer Region zu punkten und auch ganz klar zu überzeugen. Und es kann doch nicht sein, meine Damen und Herren, dass ausgerechnet Hamburg dann Nein sagt, wenn alle anderen Ja gesagt haben. Auch Hamburg und gerade Hamburg, meine Damen und Herren, hat doch das Zeug dazu, die besten Spiele aller Zeiten hier bei uns an Elbe und Alster auszurichten. Das muss unser Anspruch sein, und das werden wir auch gemeinsam ganz großartig hinbekommen, meine Damen und Herren. Wir können der Welt und uns selbst eine Bühne für einzigartige olympische und paralympische Momente bereiten: für die Kinder unserer Stadt, für die Generation, die nach uns kommen, für ein Hamburg, das sich etwas zutraut. Und ich habe das bereits vor zwei Wochen gesagt und ich wiederhole das an dieser Stelle gerne auch noch mal mit Nachdruck: Hamburg ist keine Stadt des Neins. Hamburg hat nie Nein gesagt. Hamburg war immer eine Stadt des Jas, eine Stadt des Ermöglichens, eine Stadt des Optimismus und eine Stadt des Machens, meine Damen und Herren, eine Stadt, die sich nie der Zukunft verschlossen hat, sondern die Zukunft immer mit offenen Armen empfangen hat und gesagt hat: Hier gehört die Zukunft hin! Wenn nicht hierher, wo dann, meine Damen und Herren? Und genau diese Zukunft hat Hamburg in den vergangenen Jahren immer wieder ergriffen, und sie wollte diese Zukunft gestalten. Und auch in Zukunft wollen wir diese Zukunft gestalten, und dafür kann Olympia ein Booster sein, meine Damen und Herren. Und wieder dieses brotlose Genöle von der linken Seite und auch von der rechten Seite, meine Damen und Herren, diese schlechte Stimmung, dieses ständige Miesmachen von ganz links und ganz rechts hier im Saal. Das schadet unserer Stadt ganz massiv, meine Damen und Herren. Nur mit Nein sagen ist noch niemand erfolgreich geworden und nur mit Nein sagen werden wir unsere Stadt auch nicht gut für die Zukunft aufstellen, meine Damen und Herren. Und wir, meine Damen und Herren, die politische Mitte in diesem Haus, wir sind optimistisch, wir sind zukunftsgewandt und wir greifen nach der Zukunft. Und deshalb sagen wir auch entschlossen und gemeinsam Ja zu Olympia für ein starkes demokratisches Hamburg aus der Mitte. Vielen Dank, dass wir gemeinsam hier uns auf den Weg gemacht haben und gemeinsam dafür kämpfen, dass wir Olympia hier zu uns nach Hamburg holen. Und uns allen sollte doch bitte eines an dieser Stelle ganz klar sein: Wenn wir das jetzt nicht schaffen, am 31. Mai mit einem klaren Ja für Hamburg hier ein klares Votum zu setzen mit einem positiven Referendum, dann wird keiner von uns in diesem Raum jemals wieder die Chance bekommen, Olympische Spiele in Hamburg zu erleben. Denn es ist eine absolute Jahrhundertchance, die sich hier bei uns auftut. Und umso größer ist unsere Aufgabe, jetzt gemeinsam in den letzten Wochen auf die Straße zu gehen, die Menschen davon zu überzeugen, dass Olympia eben kein Risiko ist, sondern dass Olympia eine große Chance ist für jede Hamburgerin und jeden Hamburger und für die Zukunft unserer Stadt. Und deshalb lassen Sie uns die verbleibende Zeit nutzen, dafür kämpfen, dass wir am Ende, am 31. Mai, ein klares Votum, ein klares Ja für Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg bekommen, meine Damen und Herren. Liebe Hamburgerinnen und Hamburger, in diesen Tagen erhalten Sie die Unterlagen zum Olympia-Referendum. Und ich möchte Sie ermutigen, diese einmalige Chance für Hamburg zu nutzen. Lassen wir nicht andere entscheiden, was Hamburg sein kann. Lassen wir uns nicht von Angst treiben, sondern von der Zuversicht antreiben. Sagen wir gemeinsam Ja für ein starkes, modernes und weltoffenes Hamburg. Sagen wir Ja, damit auch unsere Stadt solche unvergesslichen Momente erleben darf, wie ich sie als Achtjähriger erleben durfte – nicht im Fernsehen, sondern live in den Stadien, auf der Straße. Das ist es, was wir wollen, und dafür sollten wir die nächsten Wochen kämpfen, meine Damen und Herren. Sagen wir gemeinsam Ja zu Hamburgs Zukunft, sagen wir Ja zu den besten Spielen aller Zeiten, sagen wir Ja zu Olympia! Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
