Jan Libbertz
Ja, ich kann verstehen, dass Sie schlechte Laune bekommen, wenn ein Linken-Politiker mehr Ahnung von Sozialpädagogik hat als Ihre ganze Fraktion. Die erste Aufgabe sozialer Arbeit ist stets, so zu handeln, dass Auschwitz nie wieder sei. Das nur einmal zum Einstieg. Und liebe Frau Kollegin, Schule ist ein Zwangskontext. Demokratie für Kinder basiert auf Freiwilligkeit. Das funktioniert leider nicht. Also die Kinder sollen Demokratiebildung machen, und dafür soll jetzt ein Gesetz gemacht werden. Sie verstehen mich völlig falsch, Frau Quast. Ich bin da überhaupt nicht dagegen. Ich find das super. Ich find das auch klasse, was hier gemacht worden ist. Ich will – da –, ich will einfach nur dabei mitsprechen und versuchen, aus diesem Piloten, der gerade so ein bisschen in den Sinkflug geht und dann vielleicht landet und dann passiert überhaupt gar nichts, aus dem vielleicht noch was machen, was dann auch in Richtung Demokratiebildung gehen kann. Ja, genau. Alles klar. Dann gehen wir doch dahin, wo Demokratiebildung tatsächlich stattfindet, wenn die Kinder da Bock drauf haben. Und dann sind wir im HDJ. Gutes Beispiel ist der Jugendclub in Schnelsen in der Spanischen Furt. Das ist sehr gutes Beispiel für Beteiligung, für Demokratiebildung. Ich weiß nicht, ob Sie da schon mal waren, Frau Quast, aber da wird Partizipation mit Kindern wirklich ernst genommen. Die Kinder, das ist super süß, die haben dort eine eigene Kasse, da ist superwenig Geld drin, aber die treffen sich, ich glaube, einmal in der Woche, einmal im Monat, und als Erstes zählen die erst mal ihre kleine süße Kasse, jedes Mal, ganz am Anfang. Und dann überlegen die sich miteinander natürlich unter Anleitung von professionellen Fachkräften: "Wie können wir das jetzt gestalten?" "Was machen wir damit? Wo haben wir Bock drauf?" Oft wird gekocht, oft werden andere Sachen gemacht – und das ist Demokratiebildung. Da findet das tatsächlich statt. Aber die Kasse ist so leer, und da würde das Geld aus solchen Pilotprojekten, das würde für diese Kinder die Welt bedeuten. Können wir da vielleicht mal hinfahren zusammen, vielleicht im Familienausschuss? Vielleicht kommen Sie dann auch, Frau Quast? Nee, Sie wollen nicht in die Spanische Furt. Das kann ich mir vorstellen, dass Sie da nicht hinwollen. Ja, ganz genau. Ja, ah ja. Dann kommen Sie doch mal mit in den Jugendklub. Das wäre doch super. Ich frag mal, ob Sie da bekannt sind. Ich glaub nämlich nicht. Also... - Ich krieg jetzt eine Frage, ne? - Bevor Sie, Herr Libbertz, Ihren nächsten... Was denn? - Wie bitte? Das ist ja, also das ist ja unerhört! - Herr Schmidt, Sie können sich... Herr Schmidt kann sich gerne noch melden. Die SPD-Fraktion hat noch ausreichend Redezeit. Und jetzt hat eine Zwischen... gibt's eine Zwischenfrage, bitte schön. - Hallo Herr Libbertz. - Hallo. Vielleicht ein kurzes Vorwort: Ich hab das Beteiligungskonzept in Wandsbek geschrieben, ich war da noch in der Bezirksversammlung, bin sehr verwundert über Ihre Ausführungen. Vielleicht als Erstes, Sie lehnen ja... sagen, die einzige Jugendbeteiligung aus Ihrer Sicht kann in einer Einrichtung stattfinden. Sind Ihnen denn noch andere Formen bekannt? Sind Ihnen Projekte institutioneller Jugendbeteiligung bekannt? Vielleicht kennen Sie das, in Charlottenburg zum Beispiel gibt es ein wunderbares Projekt, das institutionell gefördert wird. Sie stellen so dar, dass Jugendbeteiligung nur auf der Einrichtungsebene stattfinden kann. Können Sie das empirisch hinterlegen, - dass es sozusagen die einzige effektive Form ist? - Ja, das kann ich. Das kann ich tatsächlich, Herr Hinzmann, das können wir gerne bilateral machen oder auch im Ausschuss. Das kann ich gerne... Ja, ich kann... Ich bin gerne bereit, das im Ausschuss auch auch zu belegen, ja. Ich hab das nämlich tatsächlich studiert und kenn mich da ganz gut aus. Aber danke für die Frage. Ja, ja. Danke für die Frage. Also, wir waren bei der Spanischen Furt. Ich entschuldige mich dafür, dass ich angenommen hab, Sie wären da noch nie gewesen. Das war blöd von mir. Aber ich hatte ja dazu eingeladen, dass wir vielleicht als Familienausschuss mal in diesen Jugendclub gehen und uns mal angucken, wie da auf institutioneller Ebene Jugendbeteiligung stattfindet. Mir ist gar nicht so wichtig, dass es die Institution ist, dieses Haus der Jugend. Das ist gar nicht das Wichtige. Wichtig ist mir, dass es lebensweltorientiert ist und dass es sozialraumorientiert ist. Und das findet nämlich genau dort statt, wo die Kinder und Jugendlichen bereits sind. Dafür müssen wir die nicht erst ins Bezirksamt schleppen. Das ist das, worum es mir geht. Ja. - Herr Libbertz, auch Frau Barth-Dworzynski hätte eine Zwischenfrage. - Natürlich. - Bitte schön. - Ja. - Ja, vielen Dank. Das ist schön, dass Sie das studiert haben. Ich habe Lehramt studiert, habe tatsächlich meine Masterarbeit zu Kinder- und Jugendpartizipation geschrieben, habe an meiner alten Grundschule ein groß aufgesetztes Partizipationsprojekt im Schanzenpark durchgeführt, hatte damals einige Kolleginnen und Kollegen übrigens von allen Fraktionen aus der Bezirksversammlung eingeladen. - Einige aus Ihrer Fraktion waren auch anwesend. - Ja. Wir haben von der Bezirksfraktion damals Mittel zur Verfügung gestellt und haben ein wirklich sehr, sehr gutes, groß angelegtes Projekt gehabt, was am Ende auch wirklich Erfolge erzielt hat. Solche Projekte sind in unterschiedlichsten Stellen, übrigens auch in Schulen umgesetzt. Das, was Sie hier deklarieren, dass solche Projekte nur in offenen Jugendeinrichtungen stattfinden können, redet all das schlecht, was an vielen Orten schon stattfindet. Das hat Herr Hinzmann eben gerade sehr gut dargeführt. Und ich möchte das klar zurückweisen im Namen meiner Fraktion, weil Sie das eindeutig hier an dieser Stelle schlechtreden und nur hervorheben, was in offener Kinder- und Jugendarbeit stattfindet. Das sind sicherlich gute Sachen, aber es gibt auch noch andere gute Sachen. Danke. Habe die Frage jetzt nicht verstanden. Aber ich versuch trotzdem, inhaltlich drauf einzugehen. Also ich hab ja gesagt, Schule ist ein Zwangskontext, offene Kinder- Jugendarbeit ist eben offen, sie ist freiwillig, sie ist lebensweltorientiert. Und deswegen funktioniert das sehr gut. Und das stimmt, es sind mehr Kinder in der Schule. Und das liegt an der Schulpflicht. Da ist der Beweis für den Zwangskontext. Danke schön. Das heißt aber nicht, dass ich sage, dass Partizipation an der Schule per se nicht funktionieren kann. Tolles Projekt, das ist super. Mir war das nicht bewusst. Ich kenn die Ergebnisse dieses Projekts nicht. Vielleicht erzählen Sie mir die mal, wo ich das bewundern kann im Schanzenpark. Super! Superklasse! Ich glaub, Sie wollen mich einfach auch nicht so richtig verstehen. Ich hab nie gesagt, dass das nur in der OKJA stattfindet. Was ich sage, ist, das braucht Geld, und das Geld ist in der OKJA besser angelegt, weil dort sind die Kinder, das wäre lebensweltorientiert. Das wäre tatsächliche Partizipation, an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen in dieser Stadt orientiert. Nur weil Sie das dann nicht als Gesetz geschrieben haben und dann hier nicht so einen schönen Antrag schreiben können, wollen Sie mir jetzt in die Schuhe schieben, dass ich sagen würde, das ginge nur in der OKJA. Das habe ich aber an keiner Stelle gesagt. Danke schön. Und jetzt reicht das auch für heute.
