Anja Quast
Ja, ich möchte nur auf zwei Wortbeiträge eingehen. Einmal natürlich auf Herrn Schulz. Herr Schulz, ich glaube, Sie haben die ganze UN-Kinderrechtskonvention nicht verstanden. Und tatsächlich fangen wir in Hamburg nicht erst im Alter von zehn Jahren an, sondern tatsächlich ist der Kinderperspektivenansatz auch in Kita, ab Eintritt des Kindes in die Kita fest verankert. Da geht es um Beteiligung und da geht es darum, das Kind und seine Bedarfe zu sehen. Und das ist auch richtig so. Und es wäre schön, wenn Sie sich versuchen, dem ein bisschen anzunehmen, indem Sie vielleicht sich mit der UN-Kinderrechtskonvention einmal auseinandersetzen. Das andere Thema, was mich wirklich ein bisschen betroffen macht, Herr Libbertz, ist, dass Sie hier tatsächlich einen Gegensatz zwischen dem Thema Jugendbeteiligung und der Frage, brauchen wir ein Jugendparlament, brauchen wir ein Jugendmitwirkungsgesetz, und der offenen Kinder- und Jugendarbeit aufmachen. Das finde ich sehr, sehr schade, weil... Doch, genau das haben Sie gemacht. Sie haben am Ende gesagt, wir sollten das Geld, was wir hier investieren wollen, lieber in die offene Kinder- und Jugendarbeit stecken, dann bräuchten wir diese Beteiligung nicht. So ist es angekommen. Und wenn Sie vielleicht, wenn Sie vielleicht... Lassen Sie mich diesen Gedanken noch ausführen, bevor Sie eine Zwischenfrage stellen können. Wenn Sie sich die Konzepte mal ansehen, zum Beispiel in Wandsbek ist es angedacht, dass dann die Benennung der einzelnen Mitglieder dieser Beiräte selbstverständlich auch über die offene Kinder- und Jugendarbeit geht. Da muss es eine Verzahnung geben. Dort werden die Kinder abgeholt und hier werden sie am Ende hingebracht in die bezirklichen Gremien, damit sie die auch kennenlernen. Denn so wachsen sie in die Demokratie hinein. Aber gern stellen Sie Ihre Zwischenfrage. - Ist das Mikrophon überhaupt an? - Bitte. - Ja, jetzt. Also in meinem fachlichen Verständnis aus der sozialen Arbeit und Sozialpädagogik und der Demokratiebildung entstehen Jugendparlamente im Jugendbereich aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit heraus. So geschehen zum Beispiel in Horn vor jetzt leider vielen Jahren. Und das ist für mich überhaupt gar kein Gegensatz. Ich habe das nie als Gegensatz dargestellt. Nur jetzt macht es eine private Firma, ich glaube, die heißt PLING Kollektiv, gar nichts gegen die, aber die gehen los, machen Workshops, und dann wird daraus ein Jugendparlament gemacht. Das ist von Erwachsenen von oben aufoktroyiert. Und der Unterschied wäre, wenn in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, dort, wo die Kinder tatsächlich sind, wenn dort ein Jugendparlament entsteht, weil die Kinder sehen, "alles klar, hier gibt es jetzt Geld," "das Geld, das gilt es zu verwalten, da können wir was machen", das wäre das Modell, wie ich mir das vorgestellt hab. Da hab ich nie einen Gegensatz aufgemacht. Und ich würde Sie wirklich bitten, mir noch mal darzustellen, wo genau da jetzt der Gegensatz war in meiner Rede. Ich glaub, das wollten Sie einfach nur als rhetorische Figur aufbauen. - Stimmt das? - Nein, bei mir ist das genau so angekommen. Sie haben das vorhin – das müsste ich jetzt nachlesen dann im Protokoll – so gesagt, dass es das nahegelegt hat. Aber wir geben hier keine Organisationsform vor. Und ob wir das am Ende im Rahmen eines Jugendmitwirkungsgesetzes machen, das ist eine Frage, die wird sich jetzt in den nächsten Jahren zeigen in dieser Pilotphase. Wir haben diese Piloten nach Wandsbek und nach Altona gegeben, weil es dort bestehende Konzepte gab, die durch die Bezirksversammlung beschlossen waren. Denn das ist der Ort, wo entschieden werden muss, da gibt es auch Jugendhilfeausschüsse, Sie wissen, die werden nach dem SGB VIII besetzt, die werden nicht durch Politik mehrheitlich besetzt, sondern durch erfahrene Bürgerinnen und Bürger, die sich in diesem Bereich auskennen, also das hat schon Hand und Fuß, wie es organisiert wird. Und da sammeln wir jetzt Erfahrungen. Und wenn wir dann am Ende finden, es gibt eine Organisationsform, die möchten wir für ganz Hamburg festschreiben, dann machen wir das. Ich hab Zweifel, weil unsere Bezirke sehr unterschiedlich sind, weil ich mir vorstellen kann, dass Eimsbüttel was anderes braucht als Bergedorf mit dieser komplett anderen Struktur. Aber das sind Dinge, die wir jetzt gemeinsam ansehen, und dafür lassen Sie uns doch diese Piloten erst mal starten. Die haben ja noch nicht mal gestartet. Deshalb wundert mich auch, warum Sie so viel Negatives schon hier verbreiten können. Die werden jetzt starten, und dann werden wir Erfahrungen sammeln. Und am Ende wird das in ein gemeinsames Jugendmitwirkungsgesetz einfließen. Vielen Dank.
