Dr. Gudrun Schittek
Ja, Herr Präsident, liebe Kolleg:innen. Worauf achten Sie, wenn Sie einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine kaufen? Seit es die Energieeffizienzklassen A bis G gibt, von grün bis rot, ist der Energieverbrauch für die allermeisten Menschen das wichtigste Kriterium geworden. Es liegt auf der Hand, dass diese Information für Verbraucher:innen schon immer relevant war. Aber erst seit die Produkte klar gekennzeichnet werden, können wir uns bei unserer Kaufentscheidung auch nach dem Energieverbrauch richten. Aber es gibt ja noch andere Kriterien. Wissen Sie, was "geplante Obsoleszenz" ist? Geplante Obsoleszenz bezeichnet die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer von Produkten durch Hersteller, um den Absatz neuer Waren anzukurbeln. Und dies geschieht durch bewussten Verschleiß, minderwertige Materialien, erschwerte Reparaturen oder technisches Veralten, wodurch Produkte schneller defekt oder nutzlos werden als technisch notwendig, oder beziehungsweise Software-Updates, die ältere Geräte sogar verlangsamen. Dem soll der Reparatur-Score entgegenwirken. Was ist, wenn das teure Smartphone runterfällt und auf Stein aufprallt oder ins Wasser fällt? Die Reparierbarkeit spielt eine wichtige Rolle neben der Lebensdauer, der Wiederverwendbarkeit oder dem CO2-Fußabdruck. Diese Informationen werden in den kommenden Jahren für immer mehr Produkte im digitalen Produktpass zusammengeführt. Er umfasst Informationen über Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeit, Reparierbarkeit und Recycling-Fähigkeit von Produkten über deren gesamten Lebenszyklus. Zusätzlich gibt es den schnell und einfach lesbaren Reparaturindex. Genau wie die Energieeffizienzklassen soll der Reparaturindex gut sichtbar auf den Produkten zu finden sein. So erhalten wir als Verbraucher:innen ohne Mühe und zusätzliche Klicks die relevante Information, wie gut ein Produkt sich reparieren lässt, bevor wir es kaufen. Für Smartphones und Tablets wurde diese Idee bereits umgesetzt, wie eben schon gesagt wurde. Hier werden seit Juni 2025 Reparierbarkeitsklassen von A bis E auf dem EU-Energielabel ausgewiesen. Es fällt auf: Teure Geräte schneiden nicht unbedingt gut ab. Apple ist sowohl in der Kategorie Smartphones als auch bei den Laptops offenbar die Marke mit den am schlechtesten reparierbaren Geräten. Aber auch Samsung ist bei den Smartphones nicht viel besser. Reparierbarkeit muss bei jedem Produkt unterschiedlich definiert werden, und hier steckt viel Arbeit im Detail. Bei Smartphones und Tablets gilt: Wie ist die Zerlegungstiefe des Produkts? Wie ist das Material im und am Produkt befestigt? Welches Werkzeug wird bei einer Reparatur benötigt? Sind Ersatzteile verfügbar? Wie lange stehen Updates zur Verfügung? Das neue EU-Label für Smartphones und Tablets enthält außerdem noch einen Score zur Haltbarkeit nach einem Aufprall sowie Informationen zur Batterielaufzeit und zur Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Schmutzpartikel. Über das EU-Label werden also viele relevante Informationen für die Kaufentscheidung auf einen Blick transparent gemacht. Die Energieeffizienz bleibt das optisch am stärksten hervorgehobene Kriterium. Es gibt allerdings auch Kritik am Reparaturindex der EU. Beispielsweise werden die Reparaturkosten und Kosten für Ersatzteile nicht in die Bewertung einbezogen. Und die Kosten sind im Fall einer möglichen Reparatur natürlich der entscheidende Faktor. Neben der Verbraucherinformation geht es aber auch um den Anreiz für Unternehmen, die Reparierbarkeit ihrer Produkte überhaupt in den Blick zu nehmen. Denn der schnelle Neukauf ist ja oft gerade Teil des Geschäftsmodells und damit auch Verschleuderung wertvoller Ressourcen. Mit dem Reparaturindex erhalten wir als Verbraucher:innen die Chance, dem Geschäftsmodell des schnellen Wegwerfens schon beim Kauf der Produkte etwas entgegenzusetzen. Und deswegen danke ich unserer Senatorin Gallina, dass sie das Thema auf der Konferenz der Verbraucherschutzminister:innen platziert hat und sich für den EU-weiten Reparaturindex weiter einsetzt. Und Frau Blaschka, ich fordere Sie auf, dass die schwarz-rote Bundesregierung das genauso tut. Das wäre im Sinne der Verbraucher:innnen. Danke schön.
