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Krzysztof Walczak

AfD 2:12 min Sitzungen 23/22

Ja, Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Im Mittelalter durfte ja niemand ein Handwerk ausüben, ohne Mitglied einer Zunft zu sein. Und ich muss mich doch sehr wundern, dass wir jetzt von sozialistisch über grün bis sozialdemokratisch und christdemokratisch jetzt hier eine Anlobung, ja, feudaler Strukturen sozusagen hier anhören müssen. Da sollten Sie sich noch mal gründlich überlegen, wie rückwärtsgewandt eigentlich Ihre Vorstellung von Wirtschaft heutzutage ist. Halten wir fest, halten wir nur mal fest, weil hier wurde ja ganz viel darüber geredet, wie viel Akzeptanz das ja auch erfährt: 6,43 Prozent. 6,43 Prozent, das war die Wahlbeteiligung bei der Handelskammerwahl 2024 hier in Hamburg. Mehr als 93 Prozent der Hamburger Unternehmen haben dieser Kammer schlicht die kalte Schulter gezeigt. Jede Schülervertretung in Hamburg hat eine höhere demokratische Legitimation. Und so zu tun, als ob diese Kammern die Gesamtinteressen der Hamburger Wirtschaft vertreten, ist doch vor diesem Hintergrund ein völliger Witz, meine Damen und Herren. Das einzige Interesse, was hier zuverlässig vertreten wird – und ich rede nicht über die Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, die könnten sich auch bei einer freiwilligen Mitgliedschaft ehrenamtlich engagieren – nein, das einzige Interesse, was hier zuverlässig vertreten wird, ist das Interesse exorbitant hochbezahlter Kammerfunktionäre. Hauptgeschäftsführer Schmidt-Trenz erhielt zu Hochzeiten fast eine halbe Million Euro Jahresgehalt, der amtierende Geschäftsführer der Handelskammer gab im "Hamburger Abendblatt"-Interview 2020 ein Gehalt von immerhin immer noch circa 200.000 Euro an. Wofür eigentlich? Unternehmerisches Risiko trägt die Kammeraristokratie ja keines. Im Gegenteil: Die Kammern sind faktisch Teil der Staatsverwaltung. Wir haben es gehört: So mancher Kammerfunktionär verdient aber trotzdem mehr als beispielsweise die Wirtschaftssenatorin. Finanziert wird das alles aus Zwangsbeiträgen, von der Änderungsschneiderin in Barmbek, vom Kiosk in Wilhelmsburg, vom Onlinehändler in Bergedorf. Und damit, meine Damen und Herren, sollte doch endlich im 21. Jahrhundert Schluss sein. Wir brauchen nicht einen wiederauferstandenen Zunftzwang, verkleidet als Kammerzwang. Wir brauchen Freiheit. Der Kammerzwang gehört ins Museum.

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