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Marco Hosemann

DIE LINKE 6:07 min Sitzungen 23/22

Ja, sehr geehrter Herr Präsident, liebe Hamburger:innen. Also auf den ersten Blick erscheint dieser Antrag eigentlich gar nicht so verkehrt. Wenn man konkret Infrastruktur und Anreize für nachhaltiges Reisen schafft, sind wir erst mal so dabei, ja. Freuen Sie sich noch nicht zu früh. Bei dem Müllsammeln bin ich da ganz bei Ihnen, Herr Platzbecker. Also, das kann ich mir tatsächlich auch nicht vorstellen, im Urlaub irgendwie irgendwo eine Mülltüte zu besorgen, um dann einfach einen Gratis-Kaffee oder irgendwo so was zu bekommen. Aber es ist vielleicht auch eine Kostenfrage. Und das ist vielleicht dann auch noch mal ein wichtiger Punkt. Also aus linker Perspektive ist Nachhaltigkeit ja auch nicht nur oft eine Bewusstseinsentscheidung, sondern auch eine Kostenfrage, ja. Und wenn letztlich die Anreise mit dem Zug aus Kostengründen nicht möglich ist oder weil man irgendwo wohnt, wo man nicht gut angebunden ist, dann, ja, halten wir es eigentlich nicht für den richtigen Weg, die Menschen, die eben dann das Privileg haben, sich eben solche teuren Bahnreisen oder sonst irgendwas zu leisten, dann auch noch zusätzlich belohnt werden mit Gratis-Leihrädern. Also, wer profitiert jetzt von diesem System – ist halt unsere Frage. Und das ist ja ein Prüfantrag, das werden Sie, ja, jetzt auch, ne, bezüglich verschiedener Punkte prüfen. Das werden wir uns dann auch gerne ansehen. Was wir halt auch kritisch sehen, ist, was kostet das? Auch das soll geprüft werden. Also, was würde es auch der Stadt kosten? Und das werden wir uns halt auch genau ansehen und dann auch schauen, in welchem Verhältnis steht es dann eigentlich auch zu dem Nutzen? Weil das... Ich habe es gesehen, da steht jemand, ich will jetzt nur kurz den Gedanken zu Ende führen. Also: Verhältnis Kosten/Nutzen in Kopenhagen, die Zahlen, die sind verfügbar, hat erstaunlicherweise jetzt keiner von Ihnen in der Rede irgendwie erwähnt. In diesem Pilotjahr 2024 haben 5.000 Personen eben diese App genutzt. 5.000 Personen klingt vielleicht erst mal viel, aber bei 12 Millionen Übernachtungen in dem Jahr... Das steht ja in dem Antrag, das wissen Sie, denke ich auch, aber bei 12 Millionen Übernachtungen insgesamt, glaube ich, ist das doch nur ein kleiner Teil der Menschen, die das dann auch genutzt haben dieses Angebot. Herr Hosemann, bevor Sie jetzt in den Dialog mit Herrn Platzbecker treten, - Nee, wollte ich nicht. - würde ich Sie fragen wollen, ob Sie eine Zwischenfrage - oder Zwischenbemerkung der Kollegin Barth-Dworzynski gestatten? - Ja. Ich habe es so verstanden, dass Sie sagen, dass gerade Menschen, die beispielsweise Bahnreisen sich leisten können, dass Sie die dann nicht dadurch belohnen wollen, dass sie eben an solchen Projekten teilnehmen. Jetzt frage ich Sie allerdings beispielsweise bei Interrail-Reisenden. Da sprechen wir größtenteils von jungen Menschen, von Jugendlichen, die sich ja auch günstiger diese Tickets leisten können und sich dann eben Europa angucken. Ich würde es super finden, wenn wir für diese Menschen, die ja oftmals nicht allzu viel Geld haben, durch solche Projekte beispielsweise ermöglichen könnten, dass sie sich auch das oft ja auch nicht gerade günstige Leben hier in Hamburg ja für diese Zeit eben leisten können und vielleicht sich direkt nachhaltig engagieren können. Ich frage mich, inwiefern... ob Sie an diesem Punkt vielleicht nicht gedacht haben oder inwiefern das dann konträr zu Ihrer Aussage steht. Also ich habe nicht an diese Fälle gedacht, also das würden wir auch begrüßen. Ich habe es ja konkret benannt, also, wo wir das Problem sehen bei teuren Bahnreisen in Gebieten, wo man nicht gut angebunden ist. Und um das vielleicht noch ein bisschen plastischer für Sie auch noch mal zu beschreiben: Also, ne, wenn man vielleicht jetzt auch nicht ein halbes Jahr vorher sein Bahnticket bucht, aber gerne irgendwie nach Hamburg in den Urlaub fahren möchte... Sie alle haben schon mal Bahnreisen vielleicht auch kurzfristig gebucht. Gerade in der Saison werden da doch sehr horrende Preise teilweise aufgerufen. Und das ist, sage ich mal, dann auch für Menschen, die über nicht viel Einkommen verfügen, eine Kostenfrage. Und wenn man über einen eigenen PKW verfügt, kann man mit dem Auto günstiger dann nach Hamburg reisen als letztlich mit der Bahn. Also da sollten wir vielleicht auch noch mal ein bisschen an den strukturellen Problemen arbeiten, also was letztlich die Kosten von ÖPNV et cetera angeht. Genau, und das ist nämlich auch letztlich der Grund, also an den strukturellen Problemen ändert sich nichts. Also zum Beispiel, um auch das vielleicht jetzt noch mal ein bisschen genauer zu beschreiben, also zu viele Hotels und Attraktionen in schon ohnehin belasteten Quartieren wie der Schanze, St. Pauli et cetera... Also, wenn es da, ne, irgendwelche Neubauvorhaben gibt, dann muss man gar nicht... also sind es oft Hotels statt, sage ich mal, dringend benötigte bezahlbare Wohnungen. Oder wenn es um Attraktionen geht, ja, da muss man natürlich die mit dem Bunker zum Beispiel, mit der Aufstockung da noch eine Attraktion in ein Viertel knallen, was ohnehin schon, sage ich mal, überfordert ist mit den vielen Touristen. Und das sind die strukturellen Probleme. Oder auch Kreuzfahrtdreck, den die Kreuzfahrtindustrie produziert, statt dort eine Landstrompflicht, sage ich mal, einzufordern. Nein, das tun Sie nicht. Nein, im Gegenteil, Sie wollen auch die Kreuzfahrtindustrie mit Flusskreuzfahrtschiffen, sage ich mal, weiter fördern, statt vielleicht Fahrradinfrastruktur zu fördern. Da ist Kopenhagen ja ein wunderbares Beispiel. Wer schon mal in Kopenhagen Urlaub gemacht hat und auch mit dem Fahrrad unterwegs war... Da ist Hamburg meilenweit von entfernt. Und auch das ist für Touristen, sage ich mal, wäre es, sage ich mal, attraktiv. Ja, Herr Platzbecker, entschuldigen Sie, dass ich rhetorisch noch nicht so bewandt bin wie Sie, ja. Und dass Sie sich an solchen ästhetischen Dingen stören, ist ziemlich peinlich. Also, wir sehen lieber Geld in nachhaltige Infrastruktur, in nachhaltigen Tourismus investiert. Wir fordern nach wie vor ein Konzept für die nachhaltige Entwicklung des Tourismus in Hamburg und nicht solche, ja, Modelle, wo man ja auch, sage ich mal, den Eindruck gewinnen kann, dass es eher Greenwashing ist, dass es Tourismus in Hamburg ist und nicht wirklich was an den strukturellen Problemen ändert. Vielen Dank.

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