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Katharina Fegebank

Zweite Bürgermeisterin 10:14 min Sitzungen 23/22

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren, aber vor allem auch liebe Hamburgerinnen und Hamburger! Ich hab hier heute so ein paar Mal vernommen – und das, obwohl die Argumente ja vielfach und auch sehr emotional schon ausgetauscht wurden in den letzten Wochen –, dass immer noch bei Teilen der Eindruck entsteht, wir bewerben uns und dann haben wir hinterher: außer Spesen nichts gewesen. Und ich würde mir einfach so sehr wünschen, und da frage ich mich, warum wir oft so verzagt sind, warum wir es nicht mal schaffen, ein bisschen mutiger zu sein, auch über uns hinauszuwachsen, um mal was Großes gemeinsam zu wagen, weil ich eine unglaubliche Chance – neben all den Vorteilen, die wir eben schon gehört haben – darin sehe, dass eine Hamburger Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele noch mal ganz neue Kräfte entfalten kann, ein ganz neues Wir-Gefühl und eine ganz neue Form der Zusammenarbeit, denn wir können alle dabei sein, egal woher wir kommen, wen wir lieben, an wen wir glauben: Das kann ein richtig großes Hamburger Ding werden! Und ich würde mir einfach wünschen, dass das auch aus diesem Haus und aus diesem Parlament jetzt die nächsten Tage und Wochen noch mal in die Stadt geht, meine Damen und Herren! Und ich habe diesen Satz gehört: "Unsere Zukunft, unser Ziel liegt in den Händen des IOC." Man, wovor haben wir denn Angst? Wir haben doch alles, alles, was es braucht, um diesen Weg voranzugehen. Wir haben eine jetzt schon sportbegeisterte Stadt, und ich kann Ihnen sagen, ich war am letzten Wochenende bei der Kinderolympiade. Und all diejenigen, die vielleicht mit kühlem Kopf gerade dabei sind und irgendwelche Tabellen und Zahlen hin- und herschieben und sich wundern, warum die Kosten für ein Sicherheitskonzept 2040 oder 2044 noch nicht vorliegen, sollten mal dahin gehen, wo Sport stattfindet, wo Gemeinschaft stattfindet, wo junge Menschen im Wettbewerb, und zwar im fairen Wettbewerb zueinanderstehen. Da ist gute Laune, da ist richtig viel Lärm am Start und da ist eine Hoffnung darin, dass Hamburg auch diesen Weg geht. Ich weiß nicht, wie viele kleine Kinder, aber auch deren Eltern mich angesprochen haben und gesagt haben: "Mega!" "Das ist genau das, was wir wollen, was wir brauchen," "was uns stark macht in den Quartieren mit einer Sportinfrastruktur." Wir stärken die Spitze, aber wir stärken doch vor allem auch die Breite, den Breitensport, und laden dort alle ein. Das ist eine unglaubliche Chance, meine Damen und Herren, die wir hier haben! Und dann will ich natürlich nicht nur werben, sondern ich will auch... - Frau Fegebank, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung? - Bitte, Herr Stoop! Damit Sie einmal heute am Mikrofon sich noch mal richtig austoben können. Ja, vielen Dank erst mal dafür, dass Sie die Zwischenfrage anders als Ihre etwas hasenfüßigen Kollegen aus dem Senat zulassen an dieser Stelle Das weise ich entscheiden zurück! Sie haben das in Ihrer Rede jetzt gerade ziemlich beiseite gewischt: "Ja, da soll man mal nicht so kleinkariert nachrechnen," "und wir haben halt die Zahlen noch nicht für das Sicherheitskonzept." Ich sage Ihnen: Das waren in Paris über 2 Milliarden! Und haben Sie mal nachgerechnet, was Sie mit diesen Geldern für den Breitensport in Hamburg erreichen könnten? Das wäre doch die Zukunftsfrage, die es zu beantworten gilt. Und dazu nehmen Sie überhaupt gar nicht Stellung, sondern Ihr Senat klebt in dem Kapitel einfach eine Null auf diese Kosten, sagt, "wir wissen es noch nicht," "aber so lange, wie wir es nicht wissen," "so lange tun wir so, als wäre es nix." Und das ist doch unehrlich! Also als ob das, entschuldigen Sie, Herr Stoop, als ob das irgendetwas ändern würde, wenn wir jetzt eine überschlägige Rechnung für Sicherheitskosten machen würden für Spiele, die 2036, 2040 oder 2044 stattfinden, dann würden Sie sagen: "Jetzt sind alle meine Fragen geklärt," "jetzt bin ich dabei, jetzt stimme ich für Ja"? Das können Sie mir doch nicht erzählen, lieber Herr Stoop. Also wirklich. Ach, das ist doch Quatsch! Das ist völliger Quatsch! Das ist alles so an den Haaren herbeigezogen. Also da schwillt mir – wie sagt man? –, der Kamm, wenn ich einen hätte. Also ganz im Ernst, das ist wirklich so an den Haaren herbeigezogen! Ich verstehe es: Ich verstehe es, dass man – und das haben wir getan – nach bestem Wissen und Gewissen, doppelt und dreifach überprüft, mit Stempel drauf, was wir Stand heute wissen bei einem so nachhaltigen Konzept, wie wir es vorgelegt haben, mit kurzen Wegen, mit nachhaltiger Sportstättennutzung, mit exzellenter Stadtentwicklung, ist eben auch schon angesprochen worden, ein völlig neues Quartier, mit einer Deadline! All diejenigen, die mit Deadlines arbeiten müssen, die sich auf Sportwettbewerbe vorbereiten, die Klausuren schreiben und sich darauf vorbereiten, die wissen doch: Mit einer Deadline geht alles besser. Wenn ich heute losgehe zum Joggen, aber nicht weiß, dass ich in einem halben Jahr bei einem Halbmarathon oder am Sonntag bei einem Halbmarathon mitmachen werde, man, dann mach ich doch nichts. Oder wenn es regnet, bleibe ich zu Hause. Oder ich sage, heut esse ich doch noch mal einen Burger mehr. Nein! Ich... Ich sage Ihnen was: Wir haben ein durch und durch solides Konzept vorgelegt. Und das Thema Klimaziele, was hier auch schon ein paar Mal angesprochen wurde – ich will dem Ganzen noch mal eine etwas ernstere Note geben: Wir wussten, dass es ehrgeizig ist, schon mit 2045. Wir haben jetzt die 2040. Alles, was jetzt kommt gerade von bundesgesetzlicher Regelung, Rahmen, die wir gerade bekommen, die machen es alle nicht leichter für uns, die 2040 zu erreichen. Das kann ich hier mal ganz offen sagen. Und zwar in allen Facetten und in allen Sektoren. Ich sehe, und das meine ich total ernst, ich sehe mit der Chance, Olympische und Paralympische Spiele auszurichten – vermutlich ja 2040 oder 2044 –, wirklich einen extremen Schub und einen extremen Beschleuniger, und nicht nur, was es angeht, Hamburg auf die Karte zu packen und vielmehr ins Sichtfeld auch aus Berlin zu rücken und Investitionen zu bekommen, die sonst alle schön mit dem Zug entweder nach NRW oder nach München fahren, und zwar buchstäblich, Infrastrukturausbau et cetera, sondern ich sehe, dass wir auch in unserem Mindset da noch mal ganz anders unterwegs sein werden. Denn wir haben ein Ziel, wir haben eine Deadline, wir haben etwas Gemeinsames, woran wir arbeiten, ein Projekt, das den Zusammenhalt vielleicht wie kein zweites fördern kann. Und da lade ich einfach alle ein, die ohnehin unterwegs sind in der Stadt, jetzt in die Sportvereine auch noch mal zu gehen, sich da auseinanderzusetzen mit den Trainerinnen und Trainern, mit denjenigen, die Sport machen, Kinder, die Jugendlichen. Für die ist das richtiges Ziel, für die ist das teilweise ein Lebenstraum, den sie haben. Und es werden nicht alle dabei sein, natürlich nicht. Aber alleine die Chance, die es vielleicht geben könnte, in der Heimatstadt Spiele zu haben, die lassen bei einigen Flügel wachsen. Und das ist, glaube ich, auch die Emotion und das ist das heiße Herz, das wir brauchen, wenn es jetzt in den nächsten Wochen und Monaten noch mal darum geht, Menschen davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, Ja zu Olympia und damit auch Ja zu Hamburg zu sagen. Ich war am Montag – ich will mich ja auch schlau machen und kundig machen – beim Goalball-Training des 1. FC St. Pauli. Goalball ist eine rein paralympische Sportart, die von sehbeeinträchtigten und blinden Menschen, aber eben auch inklusiv, auch für Menschen ohne Beeinträchtigung gemacht wird. Und das war ganz interessant, wie emotional mir gesagt wurde: "Das wäre so wichtig für uns!" Nicht nur diesen Sport, sondern paralympischen Sport auf die Karte zu packen, in der Stadt noch mal ein ganz neues Bewusstsein, ein ganz neues Selbstverständnis auch tatsächlich zu schaffen dafür. Und ich muss sagen, das hat mich tief berührt. Und das ist ein weiterer Grund, weshalb ich sage: Das ist nicht "außer Spesen nichts gewesen", sondern Olympische und Paralympische Spiele können das Selbstbewusstsein und auch wirklich das Lebensgefühl in einer ganzen Stadt verändern, meine Damen und Herren. Ja, und ich will zum Schluss jetzt nicht noch mal darauf eingehen, weil es jetzt schon einige auch erwähnt haben, aber es ist schon bemerkenswert: Ich meine, 19 Städte haben jetzt abgestimmt, teilweise mit weit über 70 Prozent Zustimmung. Eben schon erwähnt: darunter auch Duisburg und Gelsenkirchen. Die stimmen nicht ab irgendwie, weil sie geistig umnachtet sind und sagen: "Weiß gar nicht, was ich hier mache." Sondern da hat doch jemand noch eine Hoffnung auf ein besseres Morgen, auf eine bessere Zukunft in einer wirklich, also wirklich, wirklich schwierigen, auch sozialpolitisch schwierigen Lage, in denen sich diese Städte bewegen. Und die sind sportbegeistert, aber die sagen auch "Ja zu Olympischen und Paralympischen Spielen bei uns in der Stadt" "und bei uns in der Region, weil es uns voranbringt," "weil es uns noch mal einen anderen Wert, eine andere Sichtbarkeit gibt" "und weil es vor allem die Investitionen in Infrastrukturen," "in Mobilitätswende, in Sportstätten so nach vorne bringen wird," "dass wir doch darauf nicht verzichten wollen, dabei zu sein." Und all diesen sagen Sie jetzt: "Habt Ihr wohl irgendwie die Statuten des IOCs nicht richtig gelesen." Übrigens in München weiß ich gar nicht, ob da überhaupt ein Finanzkonzept vorliegt aktuell. Da weiß man, dass das toll war, dass man die Spiele 1972 hatte. Und ich würde mir einfach wünschen, dass wir zum einen die Kraft des Sports, aber vor allem Olympische und Paralympische Spiele als ein großes Hamburger Ding, also als ein großes Gemeinschaftsprojekt begreifen, das uns voranbringt, das die Stadt voranbringt, das den Zusammenhalt in der Stadt noch mal richtig voranbringt. Und deshalb hoffe ich sehr, dass die Hamburgerinnen und Hamburger sich am 31. Mai auch für Olympische und Paralympische Spiele in unserer Stadt entscheiden werden. Vielen Dank!

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