Jan Libbertz
Ja, liebe Hamburger:innen! Wir müssen über Olympia sprechen. Wenn eine Stadt olympiatauglich gemacht wird, dann wird sie für viele Menschen, die darin wohnen, unzugänglicher. Dann geht es nicht um eine Stadt für alle, sondern um eine, die herausgeputzt und vermarktet werden soll. Erwünscht ist, was repräsentativ ist, aber verdrängt wird, was nicht ins Bild passt. Großereignisse produzieren enormen Druck auf den öffentlichen Raum. Sicherheitszonen, Polizeikontrollen und das politische Bedürfnis, Armut und anderes Unerwünschtes unsichtbar zu machen. Notfalls mithilfe von ungehemmter Staatsgewalt. Und Paris hat genau das gezeigt. Das Bündnis "Le revers de la médaille" spricht von 20.000 verdrängten Personen im Großraum Paris, darunter mehr als 4.500 Minderjährige. Und das können wir nicht zulassen. Wir brauchen keine Stadt, die 30 Tage die Jugend der Welt zu Gast haben möchte, aber es 365 Tage im Jahr nicht schafft, ihre eigenen Kinder und Jugendlichen mit dem zu versorgen, was ihnen gesetzlich zusteht. Kinder und Jugendliche bekommen auch so schon viel zu wenig Raum. Wo sind die Investitionen in geschützte Orte für Kinder und Jugendliche? In frei nutzbare Räume, in denen sie sein können, ohne konsumieren zu müssen? In eine Stadtplanung, die Kinder und Jugendliche nicht als Problem behandelt, sondern als Teil dieser Stadt? In Kinder- und Jugendarbeit, die auffängt, begleitet und Perspektiven schafft? Da gibt es bisher nur Kürzungen. Die hat Herr Dressel ja jetzt gerade zurückgenommen, zum Glück, aber ich glaube da noch nicht so richtig dran. Das Geld ist da für ein protziges Prestigeprojekt, mit dem man als Innensenator bei den Wirtschaftsbuddies glänzen kann. Aber das Geld fehlt, damit die Häuser der offenen Kinder- und Jugendarbeit ihrem Namen gerecht werden können. Denn dafür braucht es jemand, der das Haus tatsächlich öffnet! Hören Sie mal zu, Herr Kienscherf! Wenn in einem Haus nicht mindestens zwei Menschen arbeiten, Herr Kienscherf, bedeutet das bei Krankheit, bei Urlaub, Fortbildung, Demonstrationen vor der Finanzbehörde: Das Haus ist nicht auf, und die Jugendlichen bleiben draußen. Und das ist Realität in Hamburg! 6.000 Millionen Euro wird Olympia mindestens kosten, und Herr Kienscherf fragt mich jetzt: Was würde Die Linke damit anfangen? Und ich kann Ihnen sagen: Was Besseres. Ja. Mit 6.000 Millionen könnte man die Jugendclubs und Häuser der Jugend personell massiv aufstocken, Herr Kienscherf, und 1.000 Fachkräften 100 Jahre lang ein gutes Gehalt zahlen. Ist doch ziemlich sozialdemokratisch, oder? Ist das Finanzsenator Dressel zu konsumtiv? Ja, dann investieren wir auch! Selbst 500 neue Fachkräfte wären eine enorme personelle Verbesserung, und den riesigen Rest investieren wir dann in die Häuser selbst. Dann sollte es doch kein Problem mehr sein, die vorhandenen Häuser der Kinder- und Jugendarbeit endlich barrierefrei zu modernisieren. Und jedem der 104 Hamburger Stadtteile können wir dann noch mindestens ein weiteres Haus hinstellen! Ja, ja, das wäre gut, Herr Kienscherf! Das finden Sie auch super. Was wir nicht wollen: Keine 6.000 Millionen für ein Event, solange bei den Basics gespart wird. Keine Prestigeprojekte, solange Teilhabe auf dem Papier steht, aber leider nicht im Haushalt. Und keine Stadt der schönen Bilder, solange junge Menschen in dieser Stadt nicht das bekommen, was sie brauchen. Für die Jugend, für die Zukunft, für den Sport – Nein zu Olympia.
