Mechthild Weber
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich war beim Thema Olympia lange skeptisch. Ich sah Wettkämpfe und Medaillen, ja, aber auch Bauruinen, Prestigeprojekte, Städte, die sich übernommen haben. Deshalb hab ich mir dieses neue Konzept angeguckt mit der einfachen Frage als senior:innenpolitische Sprecherin: Hilft das älteren Menschen im Alltag, denen, die nicht im Sprint unterwegs sind, sondern im normalen Tempo? Und meine Antwort ist: Ja, wenn wir es richtig machen. Der entscheidende Punkt sind die kurzen Wege. 85 Prozent der Wettkampfstätten liegen nah beieinander, vieles ist zu Fuß erreichbar. Das klingt unspektakulär, macht aber einen echten Unterschied. Denn wer auf Aufzüge angewiesen ist oder nicht mehr gut zu Fuß, weiß genau, wovon ich rede. Jeder unnötige Weg ist eine Hürde. Und genau da wird aus einem Sportkonzept gute Stadtpolitik. Und die zeigt sich dann auch im Kleinen: Bänke zum Ausruhen und Klönen, wenn die Wege zu lang werden, oder erreichbare öffentliche Toiletten ohne langes Suchen. Das ist keine Nebensache, das ist Lebensqualität. Das... Das das ist dann "age-friendly city goes Olympia" – gelebte altersfreundliche Stadt. Genauso ist das bei der Barrierefreiheit. Die Paralympischen Spiele werden ernst genommen: gleiche Orte, gleiche Aufmerksamkeit, gleiche Bedingungen. Und das endet ja dann nicht mit dem Schlussfeuerwerk. Denn wenn Bahnhöfe funktionieren, Wege gut zu gehen sind und wir uns sicher durch die Stadt bewegen können, dann hilft uns das jeden Tag, jung und alt. Deshalb ist der Anspruch so richtig, Hamburg zur barriereärmsten Metropole Deutschlands zu machen. Und ein weiterer Punkt ist das Tempo beim Ausbau der Infrastruktur. Wir wissen doch längst, wo es hingehen soll: der Ausbau des Nahverkehrs, die U5 von Bramfeld bis zum Osdorfer Born, die U6, selbstfahrende On-Demand-Angebote und so weiter, ein leistungsfähiger Hauptbahnhof. Was fehlt, sind die Gelder und die Geschwindigkeit bei der Umsetzung. Eine Deadline Olympia kann hier genau diesen Druck erzeugen. Und es bringt Bundesmittel in die Stadt. Diesen Impuls wollen wir nutzen für die Menschen hier. Und schließlich: Es geht doch um viel mehr als Infrastruktur. Es geht um das Gefühl, dazuzugehören. Diese Spiele können ein Moment sein, in dem die Menschen sagen: "Ich bin Teil dieser Stadt." "Ich bin hier zu Hause und ich kann dabei sein, egal wo ich herkomme," "welche Geschichte ich mitbringe und wen ich liebe." Dann gewinnen wir alle. Gerade für ältere Menschen ist das wichtiger, als wir denken. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komm zum Schluss. Ich sehe hier eine echte Chance für Hamburg – nicht für große Bilder, sondern für einen besseren Alltag. Vielen Dank.
