buergerschaft.de ↗

Kathrin Warnecke

GRÜNE 2:51 min Sitzungen 23/21

Verehrtes Präsidium, liebe Kolleg:innen. Über das Für und Wider Olympischer und Paralympischer Spiele in Hamburg wurde in dieser teils sehr emotional geführten Debatte schon vieles gesagt, dem ich mich anschließen kann. Sportliche Großereignisse werfen Fragen nach Kosten, Nachhaltigkeit, aber auch nach Zugänglichkeit auf, die diskutiert und abgewogen werden müssen. Es gibt unzweifelhaft viele Vorteile. Im besten Fall ist eine Olympiade ein Fest der internationalen Begegnungen und ein Booster für die Stadtentwicklung. Aber es gibt eben auch Herausforderungen. Die Entscheidung, ob Hamburg sich mit dem vorgelegten Konzept als Austragungsort bewerben soll, liegt nun bei den Bürger:innen. Und das ist gut und richtig so. Hamburg legt einen Schwerpunkt explizit auf die Paralympischen Spiele, und darin liegt eine echte Chance. Sportler:innen mit Behinderung werden als Leistungsträger:innen wahrgenommen. Im Vordergrund stehen ihre Stärken und Erfolge, nicht die Einschränkungen. Über diesen messbaren positiven Effekt – meine Fraktionskollegin Alske Freter hatte vor einigen Wochen schon einmal dazu berichtet hier in diesem Plenum – macht Hamburg sich außerdem zum Ziel, sich bis zu den Olympischen Spielen zur barriereärmsten Metropole Deutschlands zu entwickeln. Das würde die Spiele wirklich nachhaltig machen. Dieses Versprechen bedeutet aber auch Verantwortung. Es wird Bürger:innen geben, die sich genau aus diesem Grund entscheiden, beim Referendum mit Ja zu stimmen. Und nicht nur deswegen muss klar sein, dass die Interessen von Menschen mit Behinderung bei der Stadtentwicklung und dem Ausbau der Infrastruktur wirklich der Maßstab sein müssen, und zwar nicht nur bei den Sportstätten selbst und deren Erreichbarkeit, dem ÖPNV, den Bahnhöfen und Haltestellen, den Wegen, dem Flughafen, dem olympischen Dorf, sondern auch bei den Übernachtungsmöglichkeiten, dem Public Viewing, den gastronomischen Angeboten, den Einkaufsmöglichkeiten und so weiter. Zu echter Barrierefreiheit gehören ausreichend behindertengerechte Sanitäranlagen, Changing Places und Rückzugsmöglichkeiten. Barrierefreiheit darf sich nicht allein auf räumliche Hürden beziehen, es geht auch um Kommunikation, Autonomie und Mitbestimmung. Das Ziel einer barrierearmen Stadt kann nur erreicht werden, wenn Betroffene, Behindertenverbände und Arbeitsgemeinschaften frühzeitig beteiligt werden. Wenn das Ziel der Barrierefreiheit ernst gemeint ist, ist es ein wirklich hochgestecktes. Wenn wir in dieser Disziplin aufs Treppchen und Gold holen wollen, müssen wir uns quer über alle Ressorts hinweg wirklich anstrengen. Aber wenn es gelingt, dann sind Olympische und Paralympische Spiele tatsächlich ein Gewinn für Hamburg, und zwar für alle Menschen. Denn gelebte Inklusion bedeutet nicht nur Teilhabe für Menschen mit Behinderung, gelebte Inklusion bereichert die gesamte Gesellschaft.

Alle Reden von Kathrin Warnecke Rede ansehen ↗