Heike Sudmann
Liebe Hamburgerinnen, liebe Hamburger, diese Debatte hat mehreres Einmaliges. Zum einen: Der Bürgermeister hat immer noch nicht das Wort ergriffen. Zum anderen: Es ist mir bisher noch nie passiert, dass mir jemand schlechte Laune unterstellt hat. Ich glaube, da bin ich die Letzte, die schlechte Laune verbreitet. Aber es mag ja sein, dass Sie auf dieses Niveau heruntergehen müssen. Das mag Ihr Problem sein. Und wenn Sie sagen, Die Linke oder die Gegner:innen von Olympia hätten keine Vorstellung von der Zukunft, ich glaube, da haben Sie viele Sachen nicht gehört. Wir haben eine sehr klare Vorstellung, wie die Zukunft für Hamburg sozialer und gerechter werden kann. Und da haben wir auch viele Einnahmevorschläge gemacht, die Sie aber lieber ignorieren. Und Herr Senator, einerseits ehrt es mich, dass Sie Angst vor meinen Zwischenfragen haben, andererseits finde ich es echt schade, dass Sie es nicht zulassen. Deswegen antworte ich jetzt. Also, ich sage es Ihnen noch mal, Sie haben es in Ihrem eigenen Finanzkonzept stehen: Es gibt keine verbindliche Zusage des Bundes. Dann sagen Sie: "Wir kriegen ja ganz viel Geld für die Projekte". Oh ja, auch das steht in Ihrem Finanzkonzept. Da steht nämlich ganz klar drinne, für die Verkehrsprojekte: "Es werden die Fördermittel, die der Bund zur Verfügung stellt, in Anspruch genommen." Diese Fördermittel gibt es auch heute schon. Das sind keine Extramittel. Und Sie wissen nicht, das ist nur Ihr Prinzip Hoffnung, Sie wissen nicht, dass der Bund dann wirklich sagt: "Dann kriegt Hamburg das Geld." Sie haben doch jahrzehntelang geklagt: "CSU-Verkehrsminister lassen das Geld nicht hierherkommen." Also ob's ein CDUler macht, wissen wir nicht. Dann kommen wir weiter zum Thema Wirtschaftswachstum. Alle deutschen Wirtschaftsinstitute sagen Ihnen: "Es ist eine Mär, dass Olympia zu einem Wirtschaftswachstum führt." Und da Sie schon wieder ja gerne nach Paris gucken: Der französische Rechnungshof hat festgestellt, das Wirtschaftswachstum in Paris lag bei 0,07 Prozent. Und das war kurzfristig, das ist doch auch nichts. Und Frau Möller, Sie haben ja gerade von der Allianz gesprochen. Die Allianz gehört zu den Topsponsoren. Die Topsponsoren des IOCs sind genau wie das IOC diejenigen, die die größten Gewinne einstreichen. Anders als die Gastgeber:innen, steht hier; die bleiben immer auf den Schulden sitzen. Und zum Thema Sicherheitskonzept: Herr Senator, 2015 waren Sie in der Lage, ein Sicherheitskonzept für zehn Jahre später zu machen. Jetzt sagen Sie auf unsere letzte aktuelle Anfrage: "Wir werden das Sicherheitskonzept beziffern, wenn die Spiele vergeben sind." Die sollen 2027 vergeben werden. Also in einem Jahr haben Sie all diese Bedenken nicht. In einem Jahr können Sie sagen, wie teuer das ist. Warum sagen Sie's den Hamburger:innen nicht jetzt? Frau Timmermann mit einer Zwischenfrage. Ich würde gerne auf einen Punkt kommen: Ist Ihnen klar, dass das IOC mit seinen Einnahmen viele Sportmöglichkeiten in der Welt, in vielen Ländern, in denen der Sport es wirklich schwer hat und nicht so wie im europäischen Umland gefördert wird, dass dieses nur durch die Einnahmen, die das IOC macht, überhaupt ermöglicht ist? - Denn ich möchte eins sagen: Ich teile ganz viel Kritik am IOC. - Ach. Und ich trage auch ganz... Und wir wissen auch, dass alle, die dort sitzen, nicht aus den demokratischen Staaten kommen, wie wir uns das vielleicht vorstellen. Trotz all dem muss man vielleicht, um das Bild auch nicht nur verzerrt, wie es die Linke gerne darstellt, vom IOC darzustellen: Das, was in vielen Ländern dieser Welt überhaupt möglich ist an Talentförderung, an Förderung an Kinder-, Jugend- und Breitensport nur möglich ist, weil das IOC in den Ländern entsprechend unterstützt. Ist Ihnen das bekannt? Liebe Frau Timmermann, vielen Dank... Sie können... Ich habe Sie im Auge. Vielen Dank für die Frage. Weil was Sie jetzt nicht gesagt haben, ist, dass das IOC nur einen kleinen Teil seiner Gewinne für die Sportförderung zur Verfügung stellt. Das Hauptproblem beim IOC ist, dass die zig Milliarden Euro Gewinne eben nicht dahin fließen, was Sie gerade beschrieben haben. Es könnte wesentlich mehr sein. Und ich finde es schön, dass Sie gesagt haben, Sie teilen unsere Kritik am IOC, weil die Begeisterung, die hier für die Fußball-WM 2006 war: Sie wissen, das beruhte auf Korruptionsskandalen, auf Bestechung, auf einer FIFA, die nicht sauber ist. Und beim IOC hat es sich bis heute ja auch nicht geändert. Oder hat irgendjemand von Ihnen mal gehört, das IOC hat gar keine Korruptionsprobleme mehr? Nein, es ist immer noch so. Insofern kann ich nicht verstehen, dass Sie den Mut aufbringen, mit einem korrupten IOC Olympische Spiele ausrichten zu wollen. Das ist doch das Problem. Und ich kann... Also ich find es... Ich finde ja, in einem Punkt sind wir uns einig, obwohl Sie das ja nie glauben wollen. Wir wollen, dass der Sport in Hamburg gefördert wird. Und Sie haben es ja 2015 bewiesen, als Sie die Abstimmung verloren haben. Da haben Sie bewiesen, was möglich ist, wenn das Geld nicht zum IOC geht, sondern in der Stadt bleibt. Sie haben dann Programme aufgelegt. Sie haben ja, wie Sie selbst sagen, 1 Milliarde Euro investiert. Und das wäre auch nötig dafür, dass wir es später machen können. Und ich bin mir sicher – letztes Wort: Sie sagen immer, es wird nichts gekürzt. Sie kürzen jetzt schon im Jugendbereich. Mein Kollege wird das gleich noch mal sagen. Sie kürzen jetzt schon. Und Sie haben zum Beispiel, letzter Satz, zu den Obdachlosen, mein lieber Herr Grote, Sie wollen jährlich 100 Millionen Euro investieren. Warum investieren Sie dann nicht für feste Unterkünfte für Obdachlose? Das machen Sie nicht.
