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Jennifer Jasberg

GRÜNE 2:23 min Sitzungen 23/19

Werte Präsidentin, liebe Hamburger:innen. 2017 nahmen an der Einweihung des Gedenkortes Hannoverscher Bahnhof Zeitzeugen teil, darunter auch Else Baker. Else Baker, heute 90 Jahre alt, Tochter einer als Halbzigeunerin eingestuften Mutter, wurde als Achtjährige im April 1944 vom Hannoverschen Bahnhof aus deportiert, überlebte als eine der wenigen. Sie brach erst in den Neunzigerjahren ihr Schweigen über das Erlebte, die entwürdigende Behandlung, das Entsetzen über das Verhalten Erwachsener. Viel zu lange hat es gedauert, bis ihre Geschichte erzählt wurde, bis das Leid insbesondere der Roma und Sinti in den Fokus rückte. Der Schauplatz dieser Verbrechen verschwand nach 1945 aus dem Stadtbild und fast aus dem öffentlichen Bewusstsein. Er liegt nun mitten in der HafenCity. Seit 2017 gedenken wir im Lohsepark der Deportierten, doch auf das Dokumentationszentrum warten nicht nur die Zeitzeug:innen weiterhin. Es ist quälend, dass wir so kurz vor dem 83. Jahrestag der Deportation von über 300 Sinti und Roma am 11. März 1943 verärgert vor dem schleppenden Prozess stehen. Aber alle vorliegenden Anträge zeigen doch grundsätzlich deutlich, dass wir fraktionsübergreifend die Sorge jener teilen, die sich mit dem Appell an die Stadt wandten. Wir halten heute gemeinsam fest, dass die Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs zu Hamburg gehört. Und dass der Investor seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt, obgleich Entwurf und Planung weit fortgeschritten sind, zeichnet ihn wahrlich nicht als ehrbaren Kaufmann unserer Stadt aus. Die Kulturbehörde hat bereits deutlich gemacht, hier in einem steten Austausch zu sein. Ich habe Vertrauen, dass dieser Druck auch beibehalten wird und die Maßnahmen, die ergriffen worden sind, auch fortgesetzt werden. Denn Hamburg muss seiner Verantwortung im Kampf gegen Antiziganismus gerecht werden. Die Diskriminierungen von Roma und Sinti begannen in unserer Stadt deutlich vor der systematischen Tötung während der Kriegsjahre, und sie gingen deutlich darüber hinaus. Die Entrechtungen haben die kollektive Identität vieler Überlebender tief geprägt. Die Polizei setzte auf Grundlage der NS-Zigeunerdienststelle ihre Registrierung bis in die Siebzigerjahre fort, und Diskriminierungen haben bis heute Bestand. Die Meldestelle Antiziganismus dokumentiert beispielsweise für 2024 über 1.600 Fälle in Deutschland. Der Rassismus, der Nährboden dafür ist, ist Adressat von unserem "Nie wieder", und dafür treten wir alle hier in diesem Parlament hoffentlich weiterhin geschlossen ein.

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