Thomas Reich
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren. Hamburg diskutiert erneut über die Möglichkeit, sich um Olympische Spiele zu bewerben. Diese Perspektive weckt berechtigterweise große Erwartungen und ebenso berechtigte Fragen. Unsere Entscheidung verfolgt ein klares Ziel: Wir wollen eine tragfähige, unabhängige und differenzierte Entscheidungsgrundlage, bevor politische Vorfestlegungen getroffen werden, die die Stadt über Jahre binden könnten. Sport fördern, Investitionen anregen und globale Sichtbarkeit schaffen – solche Potenziale verdienen eine nüchterne Abwägung. Zugleich sind die Risiken erheblich und strukturell: hohe direkte Kosten und indirekte Kosten, langfristige Folgekosten, zum Beispiel Betrieb und Unterhalt. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Wer diese Chancen nutzen will, muss diese Risiken beherrschen. Und wer über eine Olympiabewerbung spricht, muss zuallererst über Finanzen sprechen, und zwar über die Einhaltung der Schuldenbremse. Wir fordern eine gutachtliche Bewertung durch den Rechnungshof, ob und unter welcher Voraussetzung eine Bewerbung Hamburgs mit einer nachhaltigen Finanzwirtschaft vereinbar wäre. Diese Prüfung ist zum jetzigen Zeitpunkt notwendig, gerade weil eine wesentliche Grundlage noch fehlt: Es gibt keinen verbindlichen Kostenrahmen, keine belastbare Nutzen-Kosten-Analyse. Ein neutrales und unabhängiges Gutachten des Rechnungshofs schafft die notwendige Klarheit zum Nutzen der gesamten Bürgerschaft. Es ist ein Votum für solide Verfahren, klare Entscheidungsgrundlage und verlässliche Finanzen. Wir kennen alle die Beispiele in den Großprojekten, die daran gescheitert sind, dass die Kosten überstiegen sind. Was kostet wirklich Olympia? Der Hamburger Senat hat schon jetzt versagt, da er kein zeitnahes Finanzierungskonzept vorgelegt hat. Diesen Weg sollten wir in Hamburg nicht gehen. Wir unterstützen den Antrag. Vielen Dank.
