Martin Wolter
Liebe Hamburger:innen! Wenn die Paralympics einen derart positiven Effekt gehabt haben, wie da im Bericht dargelegt ist, wie in der Studie, dann zeigt das doch vor allem, wie schlecht die Ausgangslage hinsichtlich von Inklusion im Sport sein muss. Wenn ein paar Fernsehbilder allein so einen Effekt haben können, was sollte dann die Konsequenz daraus sein? Olympische und Paralympische Spiele zu veranstalten? Nein, sicher nicht. Stattdessen sollte, wenn denn Geld über ist im Bereich Sport insbesondere, dann rein damit in Breiten- wie in Spitzensport für Menschen mit Beeinträchtigungen. Ja. Das vorweg zu dem Thema. Inklusion ist kein Nice-to-have, so von wegen "Wäre schön, wenn wir es hätten", sondern durch die Annahme der UN-Behindertenrechtskonvention ein einklagbares Recht. Es geht nicht um Wohltätigkeit, sondern um das Recht auf volle, wirksame, gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Die Probleme der Inklusion sind im Wesentlichen die Probleme der... Also die Probleme der Inklusion im Sport sind im Wesentlichen die Inklusionsprobleme der Gesellschaft. Wie im vorliegenden Bericht angemerkt ist, beginnen die Probleme nicht erst beim Sport selbst, sondern beispielsweise schon bei der Anreise. Außerdem ist das spezielle Equipment für Parasport oft teuer, für armutsbetroffene Menschen sogar unerschwinglich. Es gibt Mechanismen, die das abfedern sollen und teilweise auch können, aber es ändert nichts an der grundsätzlichen Ungleichverteilung von Wohlstand und damit auch von Chancen und Möglichkeiten in unserer Gesellschaft. Und ja, Inklusion ist ein Gradmesser dafür, wie ernst wir es mit Demokratie und Menschenrechten wirklich meinen. Oder anders gesagt: Teilhabe ist immer auch die Teilhabe der anderen. Es geht nicht darum, ob es für uns selber keine Barrieren gibt, sondern darum, dass, soweit es irgend möglich ist, niemand mit Barrieren konfrontiert ist. Barrieren, die Begegnungen, Vielfalt und Mehrwert für die Gemeinschaft verhindern. Für Die Linke bedeutet Sport für alle, Inklusion im Sport weiter voranzubringen. Neu zu errichtende Sportanlagen sollen grundsätzlich inklusiven Ansprüchen von Sporttreibenden gerecht werden. Bestehende Sportanlagen sollen im Rahmen von Sanierungen entsprechend nachgerüstet werden. Wir wollen Inklusion in jeder Form von Sport fördern und voranbringen. Also auch im... Also auch im Wassersport, im Klettersport, im Eissport oder im Rahmen des selbstorganisierten Sports in Parks und Grünanlagen. Im Sinne einer allumfassenden Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen sollte auch der Besuch von Sportveranstaltungen als Zuschauende beziehungsweise Zuhörende möglich sein, und zwar nicht nur im Spitzen-, sondern auch im Breitensport. Sportanlagen in der Hand der Stadt sollten, sofern nötig, entsprechend barrierefrei umgebaut werden. Große Anerkennung geht an dieser Stelle auch von uns raus an alle Akteur:innen zum Thema beim Hamburger Sportbund. Die Inklusionsarbeit ist dort ehrlich gemeint, wird hochengagiert vorangebracht, und die Ergebnisse können sich zeigen lassen, wie der vorliegende Bericht des Sportausschusses beweist, ne. Und die Appelle, sicher, da teile ich Ihre Meinung, Frau Müller-Möller, die Appelle des Hamburger Sportbunds im Bericht sind dringend weiterzuverfolgen und zu beachten. Eine Leerstelle in Hamburg sind die privaten Sportangebote: Fitnessstudios, Kampfsportschulen, Tanzschulen, Yogastudios. Die werden im vorliegenden Aktionsplan nicht mit betrachtet, sofern es sich nicht um Vereinssport handelt. Aber vor allem Fitnessstudios haben an Bedeutung gewonnen und sind grundsätzlich für viele Menschen niedrigschwellig zugänglich. Und es wäre gut, gerade wenn der Senat die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes zum Anlass nimmt, Maßnahmen zu entwickeln, um auch Barrieren im privaten Sport abzubauen. So, abschließend sei jetzt noch zur AfD gesagt: Im vorliegenden Bericht täuscht die AfD Interesse an der Thematik Inklusion im Sport vor. Im AfD-Wahlprogramm zur Bürgerschaftswahl zuletzt tauchte das Wort "Inklusion" nicht ein Mal auf, dafür allerdings der Begriff "Inklusionswahn". Also die Einstellung der AfD gegenüber Menschen mit Behinderungen oder mit anderen Einschränkungen, die basiert auf einem Menschenbild, das Individuen vorrangig nach ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Nutzen für die sogenannte "Volksgemeinschaft" bewertet. Und wir lehnen diese Diskriminierung, Abwertung und Benachteiligung von Menschen mit Beeinträchtigungen entschieden ab. Wir treten dafür ein, dass alle Menschen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen gleichberechtigt an der Gesellschaft beteiligt sind und mitbestimmen können.
