Alske Freter
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleg:innen! Letzte Woche hat in der Handelskammer die 20. Hamburger Sportgala stattgefunden. Bestes Team wurden die Frauen und Männer des HSV. Ja, da freut sich jetzt die Hälfte hier im Saal. Und die andere Hälfte freut sich natürlich auch, aber vielleicht ein bisschen leiser. Die beste Sportlerin wurde Jasmina Bier von der Ruder-Gesellschaft HANSA. Jasmina Bier hat 2025 den 2. Platz bei den Weltmeisterschaften im Mixed-Doppelzweier und bei den Europameisterschaften den 1. Platz geholt. Jetzt fragen sich vielleicht einige: Was hat das jetzt mit dem Thema hier der Debatte zu tun? Nun ja, Jasmina Bier ist Para-Ruderin. In einigen Städten gibt es bei der Ehrung von Sportler:innen getrennte Kategorien. Da werden Para-Sportler:innen in anderen Kategorien geehrt. Und in Hamburg gibt es eben die Kategorie "Beste Sportlerin/Bester Sportler". Punkt. Und das ist genau richtig, meine Damen und Herren, denn genau diese Wertschätzung braucht der Parasport, und genau das ist Inklusion. Wenn wir heute über die Umsetzung des Hamburger Aktionsplans "Inklusion und Sport 2020-2024" sprechen, dann sprechen wir über Teilhabe, dann sprechen wir über Selbstbestimmung, und dann sprechen wir über die Frage, wie ernst wir es als Stadt meinen mit der UN-Behindertenrechtskonvention. Das Motto des Aktionsplans war übrigens: "Nicht gleich perfekt sein, sich auf den Weg machen." Ich finde, das sollte in der Politik öfter mal das Motto sein. Gehen wir nun auf die Umsetzung in Hamburg ein. Zunächst gilt unser ausdrücklicher Dank dem Hamburger Sportbund und den vielen Sportvereinen, ohne die der Fortschritt im Bereich Inklusion nicht möglich gewesen wäre. Im Rahmen des Sportfördervertrags unterstützen wir als Koalition außerdem die Umsetzung des Aktionsplans finanziell. Besonders hervorzuheben sind die "Inklusiven Bewegungsinseln", die bundesweit Vorreiter in diesem Bereich sind. Ebenso unterstützen wir den inklusiven Teil des Helga Cups, der größten Frauen-Segelregatta der Welt. Im Ausschuss haben wir außerdem gehört, wie wichtig Veranstaltungen für die Inklusion sind, denn sie sind oft der erste Kontaktpunkt mit dem Sport. Auch die Entwicklung der geförderten Sportgruppen zeigt einen großen Fortschritt, denn zu Beginn des Aktionsplans waren das rund 80 Sportgruppen in der Förderung, heute sind es 180. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Qualifizierung. In allen Ausbildungsformaten für Trainer:innen sind inzwischen Lerneinheiten für Inklusion verankert. Das Thema Inklusion ist außerdem verbindlich in die "Active City"-Strategie aufgenommen worden. Das alles zeigt: Inklusion ist kein Projekt auf Zeit, sondern struktureller Bestandteil unserer Sportpolitik. Gleichzeitig verschließen wir aber nicht unsere Augen vor den Herausforderungen, die es natürlich auch gibt. Die größte Hürde bleibt dabei die Mobilität. Vor allem der Weg zur Sporthalle hin ist häufig das Problem. Persönliche Assistenz ist für Freizeitaktivitäten oft nicht vorgesehen. Die Beantragung ist komplex und die Zuständigkeiten sind vielfältig. Da gibt es noch, ja, Verbesserungsbedarf, aber das ist auch alles nicht nur auf Hamburger Ebene lösbar aus meiner Sicht. Auch die Barrierefreiheit von Sportstätten bleibt ein zentrales Thema. Bei Neubauten ist das bereits Standard. Bei Modernisierungen wird sie konsequent mitgedacht, wie zuletzt beim Umbau des Volksparkstadions zur Fußball-EM 2024. Apropos Veranstaltungen, apropos Sportereignisse: Es wird sich ja auch oft gefragt, ob solche großen Sportveranstaltungen wie zum Beispiel auch die Olympischen und Paralympischen Spiele den Inklusionsgedanken wirklich stärken. Und eine Umfrage der OECD nach den Paralympischen Spielen 2024 in Paris unter 15.000 Menschen in 11 Ländern zeigte: 73 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihre Einstellung gegenüber Menschen mit Einschränkungen positiv verändert hat. 70 Prozent bewerteten das Thema Inklusion für wichtiger als zuvor. Das zeigt: Das ist keine Symbolpolitik, das ist Bewusstseinsbildung mit messbarer Wirkung. Noch einmal zurück zu Jasmina Bier. Ihre Geschichte zeigt uns, dass wir uns Folgendes bewusst machen sollten: Die Fähigkeit, ohne Beeinträchtigung Sport zu machen, das ist kein Verdienst, sondern das ist oft nur Glück. Ein Unfall, eine Krankheit – und plötzlich ist man selbst auf barrierefreie Angebote angewiesen. Unser gemeinsames Ziel muss es deshalb sein, die begonnenen Maßnahmen zu verstärken, bestehende Hürden zu überwinden, Inklusion im Sport als selbstverständlichen Bestandteil unserer "Active City" fortzuführen. Hamburg ist da auf einem guten Weg, und diesen Weg gehen wir jetzt auch weiter, nämlich mit dem Aktionsplan 2025 bis 2030. Vielen Dank.
