Dr. Gudrun Schittek
Ja, vielen Dank an die CDU für diesen Antrag. Jetzt geht es außer um die U5 auch mal um Kindergesundheit, U6, U7, U9. Das ist richtig gut. Vielen Dank. Wir haben im Koalitionsvertrag beschlossen, dass das Einladewesen zu den U-Untersuchungen ausgebaut wird. Und im ersten Schritt wird das Einlade- und Meldewesen für die U6 und U7 modernisiert und digitalisiert. Das ist gut und dringend notwendig, damit das System für alle Beteiligten besser funktioniert. Und dafür nutzen wir die Telematikinfrastruktur in den Kinderarztpraxen und im öffentlichen Gesundheitsdienst, also in den Gesundheitsämtern. Die Technik ist nun einsatzbereit. Und wir werden die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, damit das neue Verfahren Anfang 2027 starten kann. Unser gemeinsames Ziel ist es, das Einladewesen nach der erfolgreichen Einführung für die U6 und U7 auch auf weitere U-Untersuchungen auszuweiten. Die Teilnahmequote bei der U6 und U7, also im Alter der Kinder von ein und zwei Jahren, ist laut AOK-Gesundheitsreport in Hamburg stabil bei 90 Prozent, sinkt dann aber auf rund 41 Prozent bei der U9 im Alter von fünf Jahren ab. Laut Berichtsdrucksache des Senats zum Integrationskonzept, das wir gerade im Gesundheitsausschuss, im Ausschuss Kinder, Jugend und Familie besprochen haben, war die Teilnahme an den U-Untersuchungen von U7 bis U9, also im Alter von zwei bis fünf Jahren, im Jahr 2023 bei 72 Prozent, 2024 nur noch bei 67 Prozent. Also ein Drittel aller Kinder wurde im Alter von zwei bis fünf Jahren nicht bei einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt zur Vorsorge vorgestellt. Das liegt zum Teil daran, dass Kinder eingewandert sind und in ihren Heimatländern keine Vorsorge bekannt ist und ihre Eltern sich nicht in unserem Gesundheitssystem zurechtfinden. Und wir sehen auch eine rückläufige Tendenz in den AOK-Daten der letzten Jahre. Und deshalb ist es so wichtig, jetzt gegenzusteuern. Es geht darum, dass wir Familien nicht nur rechtzeitig erreichen, sondern auch darum, dass sie in den Praxen auch aufgenommen werden. Und wir wissen, dass es Stadtteile wie beispielsweise Steilshoop oder auch andere gibt, wo ein großer Teil der Kinder gar keine ärztliche Versorgung hat. Es gibt darunter Kinder, die behindert sind, Gewalt und Missbrauch erleben, Kinder, die mangelernährt sind. Gerade in solchen Stadtteilen müssen wir dringend dafür sorgen, dass wir eine sozial gerechte Gesundheitsversorgung für alle Kinder und Jugendlichen bekommen. Das wird aber nur gemeinsam gehen mit der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Verband der Kinder- und Jugendärzte. Wir werden eine gesetzliche Verpflichtung brauchen, aber wir können nur dann die Familien gesetzlich verpflichten, wenn auch das Versorgungsangebot gesichert ist. Es geht darum, wichtige Zeitfenster für die Entwicklung der Kinder nicht zu verpassen. Es geht um die rechtzeitige Versorgung mit Hilfsmitteln, zum Beispiel Hörgeräte oder Brillen, wenn das Hören oder Sehen beeinträchtigt ist. Und es geht um frühzeitige Förderung der Motorik, der Wahrnehmung und der Sprache, wenn dort Auffälligkeiten oder Verzögerungen gesehen werden. Es gibt Zeitfenster der Entwicklung, die entscheidend sind für das gesamte spätere Leben. Ein Kind, das nicht gut hört, lernt nicht richtig sprechen. Ein Kind, das nicht gut sehen kann, ist in seiner Entwicklung beeinträchtigt. Und es geht um Kinderschutz, den Schutz vor Vernachlässigung und den Schutz vor Gewalt. Mit einer verpflichtenden Teilnahme stehen Kindergesundheit und Kinderschutz an erster Stelle. Gesundheitsämter und Jugendämter haben dabei eine wichtige Rolle. Die Modernisierung und geplante Ausweitung des Einladewesens sind wichtige Voraussetzungen, die am Ende auch eine Verpflichtung zur Teilnahme einführen kann. Daher sind die jetzt angeschobenen Maßnahmen auf jeden Fall sehr wichtig und gut. Moment. Liebe Kollegen, das neue Einlade- und Meldewesen braucht aber auch eine neue Rechtsgrundlage. Und es wird damit noch mal wieder die Gelegenheit geben, erneut im Gesundheitsausschuss über das Thema ausführlich zu sprechen. Und ich setze dabei auf die konstruktive Zusammenarbeit aller Fraktionen. Denn wir sind im Ziel uns ganz einig: Alle Hamburger Kinder sollten regelmäßig in kinderärztlichen Praxen gesehen werden, damit sie gesund in dieser Stadt aufwachsen können. Was die AfD allerdings fordert, die Eltern zu bestrafen, das finden wir völlig abwegig. Danke schön.
