Dr. Kaja Steffens
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Auch ich habe die Ehre, für meine Kollegin Frau Christ zu sprechen, die natürlich viel prädestinierter wäre, zu diesem Thema, was vor uns liegt, zu Ihnen zu sprechen. Sie ist im Wochenbett, sie weiß zwischen U1 und U2 was gerade zu tun ist, denke ich. Ich verlese ihre Rede. Kleinkinder können nicht selbst sagen: "Bitte untersucht mich." Sie können keinen Termin vereinbaren. Sie können nicht einfordern, was sie für einen gesunden Start ins Leben brauchen. Sie sind darauf angewiesen, dass wir hinschauen, dass wir Verantwortung übernehmen, dass wir Strukturen schaffen, die kein Kind übersehen, egal in welche Lebensumstände es hineingeboren worden ist. Genau dafür stellen wir diesen Antrag, und dafür bitten wir Zustimmung. Die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen von der U1 bis zur U9 sind genau dafür da, um früh zu erkennen, früh zu unterstützen und früh zu schützen. Sie sind weit mehr als ein medizinisches Routineprogramm. Sie dienen der frühzeitigen Erkennung von Entwicklungsverzögerungen, chronischen Erkrankungen, Behinderungen, und sie sind ein wichtiges Instrument des präventiven Kinderschutzes. Sie geben Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, Warnsignale zu erkennen, Familien zu beraten und Hilfen frühzeitig einzuleiten – nicht nur im rein medizinischen Bereich. Sie sind kein bürokratischer Akt, sie sind ein Versprechen; ein Versprechen, dass wir jedes Kind sehen, dass wir nicht warten, bis Probleme groß werden, dass wir handeln, wenn Hilfe noch einfach und wirksam ist. Und genau deshalb sprechen wir uns heute dafür aus, diese Untersuchungen in Hamburg verbindlich zu machen, nicht aus Misstrauen gegenüber den Eltern, sondern aus Verantwortung gegenüber unseren Kindern in dieser Stadt. Das ist uns wichtig! Zwar gibt es für U6 und U7 ein verbindliches Einladungswesen, doch eine gesetzliche Pflicht zur Teilnahme an allen U1 bis U9 besteht in Hamburg bisher nicht. Und genau hier liegt das Problem: Wir erreichen eben nicht alle Kinder. Das belegen aktuelle Zahlen wie beispielsweise im Integrationskonzept. Wir haben das erst kürzlich im Gesundheitsausschuss uns angeschaut. Laut Koalitionsvertrag der Regierungsfraktionen für diese Legislaturperiode haben Sie sich vorgenommen, die Untersuchungsquote zu erhöhen und die Verbindlichkeit des Einladungs- und Rückmeldewesens zu prüfen. Das ist gut. Dann machen Sie mal los jetzt: Stimmen Sie unserem Antrag zu! Es reicht nicht aus, auf Vorhaben in weiter Ferne zu verweisen. Die betroffenen Kinder brauchen zeitnahe Lösungen – je früher, desto besser. Andere Bundesländer machen es längst vor: Bayern, Hessen, Baden-Württemberg haben die Teilnahme U1 bis U9 gesetzlich verpflichtend gemacht. Und eine wissenschaftliche Studie aus Hessen zeigt die positiven Effekte deutlich: Über 96 Prozent der befragten Eltern haben keine Untersuchung versäumt. Und was noch viel bedeutsamer ist: Bei rund 8,94 Prozent der untersuchten Kinder, also fast jedes zehnte Kind, wurden gesundheitliche Probleme festgestellt. Das heißt, jedes zehnte Kind profitiert massiv von solchen Untersuchungsmöglichkeiten, wenn sie verbindlich sind. Unser Ziel ist klar: Jedes Kind in Hamburg soll unabhängig von sozialer Herkunft oder dem Bildungsstand der Eltern die gleichen gesundheitlichen Startchancen erhalten. Kinderschutz beginnt nicht erst, wenn etwas passiert ist, sondern indem wir rechtzeitig hinschauen. Deshalb: Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass kein Kind mehr übersehen wird! Lassen Sie uns die U1 bis U9 in Hamburg verbindlich machen! Lassen Sie uns damit ein klares Signal setzen: Das Wohl Hamburgs Kinder steht für uns ganz weit oben! Wir bitten Sie daher um Zustimmung zu diesem Antrag. Und wir wissen, dass sowohl die GRÜNE Partei als auch die SPD-Fraktion in der Vergangenheit sich genau für dieses Ziel längst ausgesprochen hat. Danke!
