Linus Görg
Ja, Herr Präsident, liebe Kolleg:innen! Gesundheit zu schützen und zu erhalten, das ist eine unserer zentralen Aufgaben. Prävention ist dabei kein abstrakter Begriff, sondern es sind ganz konkrete Maßnahmen. Ein gutes Beispiel, das wurde schon genannt, ist dafür die HPV-Impfung. Das humane Papillomvirus kann Krebs auslösen – die unterschiedlichen Arten wurden hier schon genannt. Diese Krankheiten sind keineswegs selten, aber sie sind in vielen Fällen vermeidbar. Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Die HPV-Impfung schützt wirksam vor den relevanten Virusinfektionen und damit vor Krebs, der Menschen ein Leben lang belastet oder im schlimmsten Fall sogar tödlich verlaufen kann. Wichtig ist: Die Notwendigkeit einer Impfung betrifft nicht nur Mädchen oder auch andere Menschen mit Gebärmutter. Auch Jungen können später an HPV-bedingten Krebserkrankungen erkranken und sie können das Virus weitergeben. Wirksamer Schutz gelingt nur, wenn wir alle einbeziehen. Wenn alle Kinder gleichermaßen geimpft sind, senken wir die Verbreitung des Virus nachhaltig. Jedes Kind in unserer Stadt hat ein Recht auf diesen Schutz unabhängig vom Geschlecht. Herr Görg, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung des Kollegen Mennerich? Nein, danke! Von einem... Also einem Mann, der nach Medienberichten den Holocaust leugnet... Ein Nein reicht! ...möchte ich hier keine weitere Aufmerksamkeit geben. Impfen heißt Prävention statt Therapie. Es heißt Leid verhindern, bevor es entsteht. Und vor allem heißt es, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Impfungen haben in der Geschichte der Medizin einige der größten Erfolge erzielt: Kinderlähmung, Diphtherie, Tetanus – diese Krankheiten sind in weiten Teilen der Welt dank Impfprogrammen selten oder verschwunden. Sie sind nicht verschwunden, weil sie so ungefährlich wären, sondern weil wir sie gemeinschaftlich ausgerottet haben. Doch dieser Erfolg ist nicht selbstverständlich. Besonders ein Blick in die USA zeigt uns, wie schnell Fortschritt verloren gehen kann, wenn gezielt Zweifel an Impfungen gesät werden und Impfraten sinken. Dort warnen Gesundheitsbehörden, dass Masern – eine Krankheit, die dort seit Jahrzehnten als nahezu ausgerottet galt – wieder zurückkehrt, weil immer weniger Kinder geimpft werden. Schon heute prognostizieren Forscher hohe Fallzahlen von Masern und anderen vermeidbaren Krankheiten über die kommenden Jahre, wenn die jetzige Entwicklung anhält – trotz sicherer, wirksamer Impfstoffe. In Texas und anderen Bundesstaaten starben bereits Kinder an Masern, weil sie keinen ausreichenden Impfschutz hatten. Die Zahl der Masernfälle hat wieder ein Niveau erreicht, das seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurde – eine direkte Folge sinkender Impfquoten und eines wachsenden Misstrauens gegenüber Impfungen. Wir sehen also: Wo Impfen prinzipiell infrage gestellt wird, steigt das Risiko für alle. Nicht nur für die freiwillig Ungeimpften, sondern für die ganze Gesellschaft. Und deshalb müssen wir auch hier wachsam bleiben. Wir erleben, dass Impfungen zunehmend politisch infrage gestellt werden. Besonders auch die AfD trägt immer wieder Zweifel an wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen in die Öffentlichkeit. Es werden Halbwahrheiten verbreitet, Ängste geschürt und Misstrauen gesät – auch in diesem Haus. Das mag politisch kalkuliert sein, gesundheitspolitisch ist es gefährlich. Denn sinkende Impfquoten bedeuten mehr Krankheitsfälle, mehr Leid und höhere Belastungen für unser Gesundheitssystem. Unsere Antwort darauf kann nur eine sein: klare Orientierung an Wissenschaft und Fakten. Wir dürfen Prävention nicht relativieren, sondern wir müssen sie stärken. Und darum appelliere ich an Sie alle: Lassen Sie uns niedrigschwellige Impfangebote schaffen! Lassen Sie uns in Aufklärung investieren! Und lassen Sie uns deutlich machen, dass Solidarität auch bedeutet, Verantwortung für den Schutz anderer zu übernehmen! Und dann möchte ich gerne noch auf einige Aussagen von Herrn Wersich eingehen. Ich glaube, Sie hatten schon gesagt, wir sind an vielen Stellen nicht weit auseinander. Auch wir... Und das können Sie unserem Antrag ja auch entnehmen, uns schwebt vor, dass Eltern gezielt und direkt angeschrieben werden mit entsprechenden Informationsschreiben. Von daher weiß ich nicht, was tatsächlich am Ende der Mehrwert Ihres Antrages ist, und wir bleiben bei unserem. Aber ich finde es gut, dass Sie das hier auch unterstützen. Denn Gesundheit ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen, kluger Politik und gesellschaftlichen Zusammenhalts. Lassen Sie uns diesen Weg konsequent weitergehen! Vielen Dank!
