Dietrich Wersich
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kollegen! Ich vertrete heute die Kollegin Christin Christ, die heute anderes zu tun hat, denn sie ist in der Nacht von vorgestern auf gestern Mutter geworden. Und deshalb... Deshalb möchte ich ihr von dieser Stelle aus einen herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die junge Familie wünschen. Und insofern ist es, glaube ich, auch nicht überraschend, dass Christin Christ die Gesundheit junger Menschen ganz besonders am Herzen liegt und sie sich deshalb sehr engagiert für den Schutz vor HPV-Viren. Frau Gündüz hat ja vieles Richtige dazu gesagt. Es ist das klare Ziel der WHO, dass wir 90 Prozent Durchimpfungsrate erreichen bei den 15-jährigen, um tatsächlich dann den Gebärmutterkrebs langfristig deutlich zu reduzieren. Doch wie sieht die Realität aus? Auch Sie haben die Zahlen genannt. Gerade mal 53,7 Prozent der 15-jährigen Mädchen sind vollständig geimpft, bei den Jungen nur ein gutes Drittel. Das ist nicht nur eine Zahl, sondern das ist eine Lücke im Gesundheitsschutz unserer Kinder und Jugendlicher. Und wir müssen alles tun, diese Lücke zu schließen. Deshalb unterstützen wir auch ausdrücklich die Zielrichtung Ihres Antrages, aber wir müssen ehrlich sein: Zeitlich befristete Kampagnen allein werden nicht ausreichen, um das Ziel einer Impfquote von 90 Prozent zu erreichen. Wenn wir ernsthaft nachhaltige Verbesserungen wollen, dann brauchen wir neben Information auch strukturelle Lösungen. Und genau hier setzt unser Antrag an. Erstens: Wir brauchen eine zielgruppenspezifische Ansprache. Eltern von 9- bis 14-jährigen Kindern brauchen eine andere Information als Jugendliche ab 15 Jahren oder junge Erwachsene, die eine Nachholimpfung erwägen. Zweitens: der richtige Zeitpunkt. Die erste Einladung sollte idealerweise noch vor dem neunten Geburtstag erfolgen. Und ebenso sind Erinnerungen verbindlich an die zweite Impfdosis, die sechs bis zwölf Monate nach der ersten erforderlich werden. Und wenn Termine versäumt werden, darf es nicht bei einem einmaligen Hinweis bleiben. Drittens: Barrierefreiheit und Inklusion. Einladungen müssen mehrsprachig sein und in leicht verständlicher Sprache formuliert werden. Sie müssen alle Familien erreichen, unabhängig von Herkunft, Bildung oder sozialer Lage. Und wir brauchen eine Integration in bestehende Strukturen wie zum Beispiel die J1- und J2-Untersuchung. Wir müssen also das Rad nicht neu erfinden, aber wir müssen die bestehenden Instrumente klug miteinander verzahnen. Und um das noch einmal deutlich zu sagen: Wir sprechen hier nicht von einer Impfpflicht, sondern wir sprechen über ein strukturiertes Angebot, das Familien unterstützt, erinnert und Orientierung gibt. Deshalb bitten wir um Zustimmung zu unserem Zusatzantrag. Und ich kann es tatsächlich nicht ganz verstehen nach Ihrer leidenschaftlichen, inhaltlichen Rede und dem eigentlich gemeinsamen Ziel aller, dass Sie so im pauschalen Bogen gesagt haben: "Wir lehnen mal alle Zusatzanträge ab." Und deswegen würde ich mich freuen, wenn Sie das Thema doch so ernst nehmen, und in den Ausschuss überweisen. Vielen Dank.
