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Simone Gündüz

SPD 4:54 min Sitzungen 23/19

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Hippokrates, der Urvater der Medizin, hat bereits vor mehr als 2.400 Jahren erkannt, dass vorbeugen besser ist als heilen. Und eine der effektivsten Möglichkeiten, Menschen vor gewissen Krankheiten vorbeugend zu schützen, ist das Impfen. Durch weltweite Impfkampagnen gelten heute zum Beispiel die Pocken als ausgerottet. Nicht erst seit der Coronapandemie wissen wir, wie wichtig es dabei ist, die Menschen über die Vorteile des Impfens für die Vermeidung von Krankheiten aufzuklären. Daher sind bereits viele Menschen, auch aufgrund intensiver Impfkampagnen, gegen eine Reihe von gefährlichen Krankheiten geimpft und somit geschützt. Das gilt leider nicht für die humanen Papillomviren, kurz HPV, die Genitalwarzen und Krebs verursachen können. Das ist durchaus überraschend, weil sich schätzungsweise mehr als 80 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV infizieren, insbesondere durch Geschlechtsverkehr. HPV ist damit eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. 2 Prozent aller Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland sind auf HPV-Viren zurückzuführen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs. Wir reden hier von mehr als 4.000 neuen Erkrankungen in Deutschland jährlich. Aber auch Krebserkrankungen von Vulva, Vagina, After und Penis sowie im Mund- und Rachenbereich können von HPV-Viren ausgelöst werden und damit auch Jungen und Männer betreffen. Doch es gibt einen wirksamen Schutz vor einer HPV-Infektion: Die Impfung von Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren, die von der Ständigen Impfkommission seit 2007 für Mädchen und seit 2018 auch für Jungen empfohlen wird. Wichtig ist es dabei, die Impfungen nach Möglichkeit schon vor dem ersten Sexualkontakt durchzuführen, weil bereits da eine Infektion erfolgen kann. Dann reichen zwei Impfungen. Ab dem 15. Lebensjahr sind drei Impfungen erforderlich. Aber auch im Erwachsenenalter kann eine Impfung gegen HPV sinnvoll sein. Tatsächlich senkt eine HPV-Impfung das Krebsrisiko durch HPV-Viren um bis zu 90 Prozent. Dies wurde durch zwei große Studien aus Schweden und Großbritannien für Gebärmutterhalskrebs überzeugend nachgewiesen. Für andere HPV-bedingte Tumore fehlen aufgrund der langen Zeiträume bis zur Krebsentwicklung noch vergleichbare Studien. Dennoch ist unstrittig, dass eine HPV-Impfung in jungen Jahren vor einer potenziell tödlichen Krankheit im späteren Leben schützen kann. Trotz der erwiesenen Wirksamkeit der HPV-Impfungen sind in Hamburg nur etwas mehr als 50 Prozent der 15-jährigen Mädchen und sogar nur rund 35 Prozent der 15-jährigen Jungen vollständig geimpft. Dabei ist die Impfung gut verträglich, schwere Nebenwirkungen der HPV-Impfungen sind trotz mehr als weltweit 300 Millionen verabreichter Impfdosen nicht bekannt. Lediglich lokale Impfreaktionen wie Schwellungen, Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle am Oberarm treten wie auch bei anderen Impfungen auf. Die Impfung ist übrigens für gesetzlich Versicherte bis 18 Jahre kostenfrei. Die Faktenlage ist also klar, es ist daher dringend geboten, dass wir mit Impfkampagnen auf die Gefahren von HPV und die Notwendigkeit der Impfung dagegen hinweisen. Schon im letzten Jahr hat der Senat eine städtische HPV-Impfkampagne gestartet. Der Internationale HPV-Awareness-Tag am 4. März ist ein guter Anlass, unsere Anstrengungen in diesem Bereich weiter zu verbessern, um die Impfquote zu erhöhen. Dazu fordern wir den Senat mit unserem Antrag auf. Weitere und intensivere Aufklärungskampagnen sowie niedrigschwellige Impfangebote, zum Beispiel in Schulen und Sportvereinen, aber auch die Einbindung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können hierbei helfen. Wir lehnen die beiden Zusatzanträge und die Überweisung ab und bitten um Zustimmung zu unserem Antrag und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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