Melanie Nerlich
Ja, sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren. Hamburg steigt aus der Kohleverbrennung aus und kommt dabei von der Planungs- in die Umsetzungsphase. Der Senat hat uns den Prüfbericht zum Kohleausstieg vorgelegt, und die ganz kurze Zusammenfassung ist: Es geht voran. Es geht voran bei der Dekarbonisierung unserer Fernwärme. Denn die beiden Kohlekraftwerke, die wir hier in Hamburg haben, Tiefstack und Wedel, gehören den Hamburger Energiewerken und speisen Wärme ins Fernwärmenetz ein. Den Großteil der Wärme tatsächlich, die Kohle macht momentan noch 63 Prozent im Fernwärmemix aus. Dieser Anteil wird bis 2030 auf 0 Prozent sinken, und das spart ganze 500.000 Tonnen CO2 gegenüber dem Vergleichsjahr 2020 ein. Das ist ein großer und wichtiger Meilenstein auf unserem Weg hin zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung. Der Kohleausstieg ist wichtig für den Klimaschutz, für unsere geopolitische Unabhängigkeit von problematischen Lieferländern, vor allem Russland bei der Steinkohle, für die Umwelt und für die Anwohnenden vor Ort. Die Volksinitiative "Tschüss Kohle!" hat mit ihrem jahrelangen Einsatz hierzu einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet. Das Heizkraftwerk Wedel soll zuerst vom Netz gehen, noch in diesem Jahr. Es ist mittlerweile über 60 Jahre alt und verfeuert Steinkohle. Es wird künftig ersetzt durch den Energiepark Hafen auf der Elbinsel Dradenau. Dort werden verschiedene Komponenten von Abwasserwärmepumpen, Müllverbrennung und Industrieabwärme bis hin zu einer Gas- und Dampfturbinenanlage zukünftig die Wärme bereitstellen. Außerdem ist seit 2023 dort auch schon eine Power-to-Heat-Anlage, also Strom zu Wärme, im Einsatz, die bereits heute real dazu beiträgt, dass wir in Hamburg Kohle durch erneuerbare Energien ersetzen. Es ist auch wichtig, dass Wedel in diesem Jahr tatsächlich vom Netz geht, denn die Situation ist für die Anwohnenden vor Ort aufgrund der Partikel, die das Kraftwerk emittiert, die in die Vorgärten und auf die Autos schneien, belastend. Das Kraftwerk Tiefstack wird zum Energiepark Tiefstack umgebaut. Auch dort wird neben Müllverbrennung und industrieller Wärme eine Flusswasserwärmepumpe künftig Wärme bereitstellen. Es gibt dort bereits ein Gaskraftwerk, und das bestehende Kohlekraftwerk wird auch dort schrittweise auf Gas umgerüstet. Und damit, meine Damen und Herren, komme ich auch zu den Herausforderungen, die noch vor uns liegen. Der Prüfbericht zeigt uns: Wir kommen hier in Hamburg mit dem Kohleausstieg bis 2030 richtig gut voran. Wir sehen in dem Kontext aber einen steigenden Anteil an fossilem Erdgas im Fernwärmemix, von momentan 10 Prozent auf dann 45 Prozent in 2030. Ich hab es vorhin schon gesagt: Die Bürger in dieser Stadt haben uns den Auftrag gegeben, Hamburg bis 2040 zur Klimaneutralität zu bringen. Das bedeutet, dass wir vielleicht mit Ausnahme von Spitzenlastkraftwerken als Backup in der Fernwärme bis 2040 aus dem Erdgas wieder raus müssen. Denn Erdgas ist eben fossil und nicht klimaneutral. So, im Anlagenbau von Großprojekten ist 2040 quasi übermorgen. Auch 2045 wäre das ehrlicherweise. Den Hamburger Energiewerken als Kraftwerksbetreiber und Fernwärmeanbieter steht hier noch eine große Kraftanstrengung bevor. Wir als Abgeordnete sollten diesen Prozess eng begleiten und unterstützen. Wir haben vorhin, vor einer Stunde mit unserem Antrag eine Geothermiestrategie auf den Weg gebracht. Das ist ein erster Anstoß. Geothermie als grundlastfähige erneuerbare Wärmequelle hat ein riesengroßes Potenzial für die Dekarbonisierung unserer Fernwärme. Hier müssen wir weitere Standorte für große Anlagen identifizieren und die Planung anstoßen. Dasselbe gilt aber auch für Fluss- und Abwasserwärmepumpen, für weitere Power-to-Heat-Anlagen und für die Erschließung weiterer Abwärmequellen. Also, es bleibt noch einiges zu tun, um den Erdgasausstieg in der Fernwärme auf den Weg zu bringen. Beim Kohleausstieg in der Fernwärme ist Hamburg bereits auf dem richtigen Weg. Vielen Dank.
