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Melanie Nerlich

GRÜNE 3:32 min Sitzungen 23/17

Sehr geehrtes Präsidium! Sehr geehrte Damen und Herren! Meine Vorredner haben es schon angesprochen: In Wilhelmsburg werden die Hamburger Energiewerke noch in diesem Jahr zum ersten Mal in Hamburg erneuerbare Wärme aus Geothermie im großen Stil an ihre Kunden liefern. Mehr als 6.000 Haushalte werden dort künftig mit Erdwärme aus 1.300 Meter Tiefe versorgt, die in das Wilhelmsburger Wärmenetz eingespeist wird. Die Geothermie birgt wirklich ein sehr großes Potenzial für die Dekarbonisierung unserer Fernwärme. Der große Vorteil ist, dass es so tief unter der Erde das ganze Jahr über konstant warm ist. Das heißt, wir können diese Wärme immer anzapfen. Das ganze Jahr, ohne tages- und jahreszeitliche Schwankungen, kann auf diese Art und Weise Energie erzeugt werden. Was noch nicht angesprochen wurde: Hamburg liegt im norddeutschen Becken. Das ist eine von drei Regionen in Deutschland, die ein besonders hohes hydrothermales Potenzial haben. Also noch mal im Klartext: Gerade hier in Hamburg können und sollten wir die tiefe Geothermie nutzen, um unsere Wohnungen warm zu kriegen, denn unsere Lage dafür ist sehr günstig. Nicht zuletzt ist Geothermie eine erneuerbare Energiequelle. Das heißt, wir reduzieren unsere CO2-Emissionen und machen uns unabhängig von problematischen Lieferländern fossiler Rohstoffe. Die Bürger:innen dieser Stadt haben uns den Auftrag gegeben, Hamburg bis 2040 zur Klimaneutralität zu bringen. Das ist eine große Herausforderung. Und dafür wird ein Projekt, auch wenn es ein klasse Projekt ist, nicht ausreichen. Wir müssen jetzt schnell wegkommen von Pilotprojekten und Machbarkeitsstudien, hin zu vielen Projekten, die zügig und in der Breite umgesetzt werden. Wir müssen ganzheitlich auf unsere Stadt schauen. Wo geht noch was? Wo sind Potenziale? Und vor allem: Wo sind weitere mögliche Standorte für große Anlagen zur Nutzung der Geothermie? Das wollen wir mit unserem Antrag zumindest anstoßen. Meine Damen und Herren, wir haben heute auch noch den Prüfbericht zum Kohleausstieg auf der Tagesordnung. Auch dabei geht es um die Dekarbonisierung unserer Fernwärme. Und auch, wenn wir mit dem Kohleausstieg hier in Hamburg wirklich gut vorankommen, liegen in der Dekarbonisierung der Fernwärme insgesamt noch einige Herausforderungen auf dem Weg vor uns. Wir werden bis 2030 einen steigenden Anteil an Erdgas im Fernwärmemix sehen, von zurzeit 10 Prozent auf 45 Prozent in 2030. Den müssen wir dann bis 2040, vielleicht mit Ausnahme von Backup-Spitzenlastkraftwerken, direkt wieder runterdrücken. Und hierbei kann die Geothermie als grundlastfähige, erneuerbare Wärmequelle wirklich einen extrem großen Beitrag leisten. Und diesen Beitrag brauchen wir auch dringend. Das heißt: Wilhelmsburg ist ein tolles Projekt. Wir brauchen noch viel mehr davon, denn in Hamburg versorgen wir ja nicht nur die dort angeschlossenen 6.000 Haushalte, sondern insgesamt über 500.000 Wohneinheiten mit Fernwärme. Wir müssen Wilhelmsburg daher als Startprojekt verstehen, als Blaupause für weitere Geothermieprojekte, die wir schnell planen und bauen und in der Breite umsetzen müssen. Zugleich sollten wir auch Standorte und Potenziale für intersaisonale Aquifer-Wärmespeicher untersuchen. Die nutzen die Wärmekapazität von Wasser und Gestein in mehreren Hundert Meter Tiefe, um Wärme vom Sommer in den Winter rüber zu speichern. Wir hoffen, dass wir mit unserem Antrag, mit einer umfassenden Geothermiestrategie für Hamburg, all das anstoßen können. Vielen Dank.

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