Alexander Mohrenberg
Wertes Präsidium, meine Damen und Herren! Wir debattieren hier heute noch mehrfach über die Wärmeversorgung in dieser Stadt, und wir alle kriegen mit, die Wärmeversorgung in Hamburg ist im Umbruch. Wir suchen Potenziale und Möglichkeiten, um sichere, zukunftsfähige, klimafreundliche und – besonders – bezahlbare Wärmequellen zu identifizieren. Das ist ganz schön schwierig, alles zusammenzubringen. Viele Technologien kommen dafür gar nicht infrage, aber eine eben schon – und das ist Geothermie. Und das ist ein Bestandteil, den wir in Hamburg aktuell noch relativ wenig nutzen. Warum wäre Geothermie so praktisch? Aus mehreren Gründen. Anders als erneuerbare Energien ist es komplett unabhängig von Jahreszeit, Tageszeit, Wind, Sonne, Regen. Es ist dauerhafte Erdwärme. Wenn man einmal ein Potenzial gefunden hat, kann man diese Wärmequelle dauerhaft nutzen, immer wieder Wasser beispielsweise durchlaufen lassen, damit erhitzen und damit einen stetigen Kreislauf zu schaffen, der eigentlich nicht versiegt. Gleichzeitig ist es – und das ist praktisch für eine Stadt wie Hamburg, gerade für einen Stadtstaat – eine der flächeneffizientesten Technologien. Wir bauen ein Pumpwerk da und eins ans andere Ende, und diese zwei relativ kleinen Gebäude können ganze Stadtteile versorgen. Wer mal in München war, der sieht, dass ganze Stadtteile nach Wärmepotenzialgegenden gebaut werden, und es fällt kaum auf. Am Anfang und am Ende steht jeweils ein Gebäude, was keine 20 Quadratmeter Raum einnimmt, und das versorgt den gesamten Stadtteil. Eigentlich etwas, was gerade Hamburg deutlich mehr nutzen sollte. Es gibt einen Punkt, der schwierig ist, nämlich dass, wenn man das einmal bauen möchte, die Bohrungen ziemlich teuer sind, ziemlich aufwendig sind, und große Versicherungsrisiken bestehen. Wenn man aber einmal eine Quelle gefunden hat, ist es eine der günstigsten Sachen im Unterhalt und auch in den Energiekosten am Ende für die Bürgerinnen und Bürger, die sie benutzen würden, weil wir dann, wenn wir einmal darauf stoßen, eine fast ewig währende Quelle haben. Und deshalb wollen wir überlegen, dass das deutlich mehr eingebaut werden muss. Wir haben aktuell eh für die Wärmeplanung der Stadt hier alle möglichen Potenzialanalysen laufen. Und wir fordern: Wir brauchen auch eine systemische Auswertung der Möglichkeiten, wie Geothermie ein Potenzial sein kann. Es gibt eine solche Studie aus der Vergangenheit, das ist das Projekt "Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg", IW3. Da hat man damals viel gefunden. Und ich will gleich etwas zur Einordnung sagen und auch gleich auf den CDU-Antrag Bezug nehmen. Wir sollten eine Sache nämlich nicht wiederholen, die wir damals gemacht haben. Als wir, das war ungefähr vor vier Jahren, in der letzten Legislatur, haben wir über dieses Projekt schon gesprochen und gesagt: "Mensch, das gibt riesige Potenziale." "Das wird ganz Wilhelmsburg versorgen, vielleicht sogar ganz Harburg versorgen." Und dann wurde da gebohrt, und nach zwei Jahren wurde auch was gefunden, und wir versorgen damit 6.000 Haushalte in Wilhelmsburg. Das ist super für diese 6.000 Haushalte, das freut mich sehr, dass wir das haben, aber wir müssen deswegen ganz nüchtern diesmal sagen, und das ist ja deswegen auch die Stoßrechnung unseres Antrags: Lassen Sie uns erst mal alle Potenziale in den Stadtteilen einmal nüchtern analysieren, welche Größenordnungen da wirklich gehen. Wir suchen nicht das eine Megaprojekt, sondern im Zweifel für verschiedenste Stadtteillösungen Möglichkeiten, was zu unterstützen. Da ist, glaube ich, eher der Funken Wahrheit drin, und deswegen wollen wir Quartier für Quartier durchgehen. Und der CDU-Antrag umfasst einige Punkte, die ich nicht so teile, andere sind gar nicht schlecht, aber im Großen und Ganzen geht es ja schon dran vorbei. Also, wir sind ja noch in der Erhebung der Datensätze, was haben wir an Potenzialen, wie kann man das einbauen, und ich würde lieber, wenn wir den Bericht dann haben und wissen, was haben wir in der Stadt für Potenziale, dann über Maßnahmen reden, die man daraus ableitet, und nicht jetzt schon Maßnahmenkataloge beschließen, ohne dass wir diese Potenziale ordentlich analysiert haben. Lassen Sie uns erst mal quasi die Faktengrundlage schaffen, um Geothermie in dieser Stadt salonfähig zu machen. Und jetzt noch eine Sache, die natürlich kein Zufall ist: das Timing dieses Antrags. Im Dezember hat die Bundesregierung das Geothermiebeschleunigungsgesetz beschlossen. Und das hilft uns; nämlich genau die Punkte, die ich zu Anfang angesprochen habe, die Versicherungsrisiken und die Schwierigkeiten bei der Genehmigung, insbesondere beim Planungs- und Genehmigungsverfahren, werden beide bundesrechtlich massiv unterstützt. Wir können, wenn wir ein Projekt finden, es viel schneller umsetzen als früher. Und wenn wir eins haben, können die Bohrungsrisiken jetzt bundestechnisch mehr übernommen werden. Das heißt, das, wir in den letzten Jahren ergründet haben, können wir jetzt mit Rückenwind aus der Bundesregierung auch deutlich besser angehen. Deswegen bitte ich Sie, unterstützen Sie diesen Antrag. Lassen Sie uns grundlastfähige, nachhaltige und günstige Energiequellen für diese Stadt besser in den Blick nehmen. Und seien es kleine Möglichkeiten. Jede Art der Wärmemix würde helfen, Hamburg voranzubringen. Und deshalb wollen wir eine Geothermiestrategie für diese Stadt. Danke schön.
