Koorosh Armi
Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Damen und Herren. Ich wurde 1986 im Iran geboren und wurde nach Kourosh-e Bozorg benannt, bekannt als Cyrus the Great, der Gründer von Persien. Cyrus the Great stand und steht bis heute für Toleranz und Menschlichkeit, für die weltweit erste Form der Menschenrechte. Und was viele nicht wissen: für die Befreiung der Juden im alten Persien. Freiheit, Menschlichkeit, Würde – das ist es, was die Menschen im Iran brauchen und erhalten müssen. Was meine Eltern im Übrigen vor über 37 Jahren vor der Flucht gebraucht haben. Was dort immer noch fehlt. Im Iran sterben Menschen, nicht, weil sie Gewalt anwenden. Sie sterben, weil sie leben wollen. Frauen, deren bloße Existenz als Bedrohung gilt. Jugendliche und junge Menschen, deren Mut mit Kugeln beantwortet wird. Und trotzdem hören sie nicht auf. Wenn Menschen den Tod einkalkulieren, um Freiheit einzufordern, dann ist das kein Protest. Das ist ein letzter Versuch, Mensch zu bleiben. Ich bin Iraner, ich bin Deutscher, ich lebe in Sicherheit, ich spreche hier frei. Und genau deshalb ist Wegsehen keine Option. Was im Iran geschieht, ist kein innerer Konflikt. Es ist – und wir haben's heute schon ein paarmal gehört – organisierter Terror gegen die eigene Bevölkerung. Ein Staat, der seine Macht daraus zieht, dass Menschen Angst vor ihrem eigenen Leben haben. Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, nicht an die Bilder, nicht an die Zahlen, nicht an das Sterben. In unserem Grundgesetz steht: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Nicht relativ, nicht selektiv, nicht verhandelbar. Sie sollte überall gelten. Und genau deshalb reden wir heute nicht nur über Außenpolitik, wir reden über Haltung. Haltung haben wir gezeigt, als Hamburg und die Bundesrepublik das islamistische Islamische Zentrum Hamburg geschlossen haben. Das war kein Symbol, das war ein Anfang. Ein Anfang, derartige Strukturen hier nicht zu dulden. Lassen Sie uns daran anknüpfen, lassen Sie uns diese Haltung weitertragen. Und gegen 47 Jahre Unterdrückung und der systematischen Zerstörung von Menschenrechten. Der lange Arm dieses Regimes gehört auf die Terrorliste. Und ich bin froh, dass wir aus Hamburg eine deutliche Entschlossenheit zeigen. Jeder Schuss entlarvt die Schwäche dieses Regimes. Jede Träne wird Geschichte schreiben. Für demokratische Werte, für Freiheit, für die Menschen im Iran. Herzlichen Dank.
