Peggy Heitmann
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren! Für wen ist Carbon Management? Für ein Dutzend Großbetriebe. Für wen ist Carbon Management nicht geeignet? Für kleinere und mittlere Unternehmen. Für sie ist es zu teuer. Für sie sind CSS und CCU völlig unerschwinglich, für Großkonzerne nur mit Milliardenhilfen. Der Antrag unterscheidet zwischen zwei CO2-Quellen. Erstens: energiebedingte Emissionen durch fossile Brennstoffe wie Erdgas oder Kohle. Sie machen 60 bis 70 Prozent der Emissionen aus. Diese Emissionen können technisch durch grünen Wasserstoff ersetzt werden, aber nicht wirtschaftlich. Selbst ArcelorMittal, der weltweit größte Stahlproduzent, lehnt 1,3 Milliarden Euro Subventionen für ein Wasserstoff-Stahlwerk in Deutschland ab. Die Energiekosten sind unbezahlbar. ArcelorMittal geht nach Frankreich. Dort gibt es – dreimal dürfen Sie raten – Atomkraftwerke. Also da werden Sie schon mal nicht anfangen können, da müssen Sie sich jemand anderes suchen. Zweitens: prozessbedingte Emissionen entstehen chemisch. Hier helfen CCS und CCU. Aber nur für 30 bis 40 Prozent der Emissionen. Auch unbezahlbar. Das heißt, der größte Emissionsblock, 60 bis 70 Prozent, müsste über Wasserstoff abgedeckt werden. Das ist aber unbezahlbar und CCS und CCU ebenfalls zu teuer und technisch begrenzt. Damit bleiben die beiden zentralen Instrumente des Carbon Managements wirtschaftlich nicht tragfähig, weder für die Großindustrie und schon gar nicht für den Mittelstand. Trotzdem hält Hamburg an dem falschen Weg fest. Es werden Millionen in HH-WIN investiert für etwa ein Dutzend Großindustriebetriebe, wenn sie bis 2026 nicht schon weg sind. Wir haben aber Hunderte mittelständische Betriebe, die genauso energieintensiv arbeiten und jetzt von Ihnen eine Lösung brauchen. Ein schlechter, aber zumindest weniger zerstörerischer Ansatz wäre es ja noch, das Gasnetz mit teurem, aber ideologisch korrektem klimaneutralen Biomethan zu nutzen. Dann müsste man zumindest nicht das Gaswerknetz demontieren und es gäbe noch Prozesswärme, wenn es auch zu teuer ist. Es wäre aber die einzige Chance, dass der Mittelstand überleben kann. Leider geht der Antrag nicht in diese Richtung. Der Senat lehnt aber auch dies ab, weil man Ideologie über ökonomische Realität stellt. Hamburg macht zweimal den gleichen Fehler. Moorburg, eine Elektrolyseanlage, für die es keine Kunden gibt, ArcelorMittal abgesprungen, Aurubis investiert in der USA, mit den Raffinerien ist das äußerst unklar. HH-WIN-Netz-Leitungen, aber die potenziellen Großabnehmer können Wasserstoff nicht bezahlen oder planen, gar nicht umzusteigen. Zweimal Infrastruktur ohne Abnehmer, zweimal Fehlinvestitionen. Und jetzt erörtern wir einen Antrag, der bis 2026 eine Lösung für eine Strategie prüft, die schon längst an der Realität gescheitert ist. Und bis dahin sind die Unternehmen dann auch weg. Hamburg setzt gleichzeitig auf drei Geschäftsmodelle, die stark von Subventionen abhängen, hohe Kosten haben und deren spätere Wettbewerbsfähigkeit völlig unklar ist. Statt die vorhandenen Stärken zu nutzen, Hafenlogistik, Industrie, Luftfahrt, Dienstleistungen konsequent auszubauen, riskiert die Stadt einen teuren Technologie- und Infrastrukturwettlauf, bei dem höchst ungewiss ist, ob jemals tragfähige Märkte ohne staatliche Dauerunterstützung entstehen. Danke schön.
