Baris Önes
Sehr geehrter Präsident, liebe Damen und Herren. Für viele war schwierig, Deutschland als Einwanderungsland anzuerkennen. Das hat lange Zeit gedauert. Was wäre eigentlich, wenn alle Migranten das Land verlassen müssten? Was wäre dann? Was wäre los in der Pflege? Was wäre los auf dem Bau? Was wäre los bei den Selbstständigen? Das Land würde kollabieren. Wer so was träumt, wer so was fordert, ist nicht patriotisch, er ist deutschlandfeindlich. Und die Debatten zum Thema Migration werden immer sehr emotional geführt, sehr hitzig, oftmals sehr einseitig. Wenn wir uns die Berichterstattung angucken, Printmedien oder auch TV-Beiträge, dann wird zu 90 Prozent über ausländische Straftäter berichtet. Sie sind dreifach überrepräsentiert. Und deswegen ist der Integrationsbericht so hilfreich, weil es da um Zahlen, um Fakten geht. Und eines vorweg, wer mit Menschen mit Migrationsgeschichte Kontakt hat, wird wissen, dass es ihnen nicht darum geht, irgendwie eine Extrawurst zu bekommen. Sie wollen aber auch keine Extrahindernisse. Das gilt jetzt an dieser Stelle zu betonen. 190.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Hamburg haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Die Zahl hat sich seit 2016 verdoppelt. Auch das gilt es hier anzumerken. Und, das wurde ja schon angesprochen, was machen eigentlich die Geflüchteten, die 2015 hergekommen sind? Das Abendland ist nicht untergegangen. Und wenn wir uns angucken, sind zwei Drittel dieser 2015 hergekommenen Geflüchteten sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Und im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sehen Sie, dass es da kaum Unterschiede gibt. In der Gesamtbevölkerung 70 Prozent, bei denen, die 2015 hergekommen sind, 67 Prozent. Also sie nähern sich an. Und auch in Sachen interkulturelle Öffnung der Verwaltung gibt es große Fortschritte. Wir sehen, dass 24,5 Prozent der eingestellten Nachwuchskräfte einen Migrationshintergrund haben. Insgesamt haben 20 Prozent in der Verwaltung einen Migrationshintergrund. Das ist erfreulich und wir schenken da niemandem was. Das sind die Leute, die qualifiziert sind und deswegen eingestellt wurden. Und natürlich muss sich das dann langfristig auch auf anderen Ebenen widerspiegeln, weil diese Leute gut sind und nicht, weil sie irgendwas geschenkt bekommen. Und mir ist es wichtig an dieser Stelle, dass wir nicht die Fehler wiederholen, die wir damals bei den Gastarbeitern gemacht haben. Da gab's keine Sprachkurse, sie waren Gäste, sie sollten irgendwann wieder gehen. Und man muss sagen, es hat sehr gut geklappt. Sie sehen das hier im Parlament, Sie sehen das in vielen anderen Bereichen. Wenn wir darüber nachdenken, wie über Italiener damals berichtet wurde. Heute machen wir in Italien Urlaub, wir reden von "La dolce vita", wir sind gern beim Italiener, die AfD wahrscheinlich auch. Damals hieß es, die Italiener seien Messerstecher, unsere Frauen seien nicht mehr sicher. Und die italienischen Gastarbeiter, die bei VW gearbeitet haben, wurden umzäunt. Also da gab's Wohnungen für italienische Gastarbeiter, die umzäunt waren, weil man gesagt hat, sie seien faul, sie seien gefährlich. Und Sie sehen, die Integration hat geklappt. Und wir machen nicht dieselben Fehler bei den Gastarbeitern und Geflüchteten, die jetzt herkommen. Deswegen müssen wir auch mal die Erfolge anerkennen. Wir sind auf einem guten Weg. Danke schön.
