Melanie Nerlich
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren, vier Punkte möchte ich machen. Erstens, günstiger Strom. Solar- und Windenergie haben die niedrigsten Stromgestehungskosten von allen Energieträgern. Gas-, Kohle- und Atomstrom sind doppelt bis zehnfach so teuer in der Erzeugung. Zweitens, Verlässlichkeit. Wind und Sonne sind fluktuierende, aber komplementäre Energieträger, sodass die gemeinsame Erzeugungskurve übers Jahr ziemlich glatt aussieht. Um es deutlich zu machen: Wenn man einen 10-MW-Netzverknüpfungspunkt mit 10 MW Wind und 10 MW Solar belegt, also doppelt bebaut, liegen die Einspeiseverluste bei unter fünf Prozent. Eben weil Wind und Solar zu unterschiedlichen Zeiten ihre volle Leistung einspeisen. Wenn Wind und Sonne gemeinsam zu wenig Strom erzeugen, können Batterie- und Pumpwasserspeicher einspringen. Und wenn das noch nicht reicht, können auch Biogasanlagen und im letzten Schritt – und das betrifft nur wenige Stunden – auch Wasserstoff-Reservekraftwerke einspringen. Denn drittens, und das ist wichtig zu verstehen, Wasserstoff ist nicht das neue Öl, sondern der Champagner der Energiewende. Er ist nur dort einzusetzen, wo es wirklich nicht anders geht. Das heißt, anders als in dem Antrag geframed, ist es eine gute Sache, dass Tankstellenbetreiber und Fahrzeughersteller eben nicht auf Wasserstoff, sondern auf die effizientere und günstigere Lösung, nämlich die Elektrifizierung, setzen. Und viertens möchte ich den Patriotismus der AfD infrage stellen, den Sie ja immer gerne vor sich hertragen. Denn Kohle, Gas und Uran müssen wir aus problematischen Lieferländern importieren, wie dem von der AfD zitierten Katar, und machen uns damit abhängig, während wir Wind und Solar im eigenen Land erzeugen können. Also wer es mit der Heimatliebe wirklich ernst meint, der kauft Strom vom Deich statt Öl vom Scheich. Danke.
