René Gögge
Ja, Herr Präsident, liebe Kolleg:innen. Ja, wenn so viel Verachtung für die parlamentarischen Prozesse vorgetragen wird, muss ich dann doch noch mal reingehen, um das noch einmal zu versuchen glattzuziehen. Weil es wurde ja vom Kollegen Paustian-Döscher schon benannt, wie viel Befassung es gegeben hat. Und was ich aber auf jeden Fall erwarten würde, wenn schon in Abrede gestellt wird, dass andere Kolleg:innen in diesem Haus sich ausreichend beschäftigt hätten, und das wird dann abgelesen daran, dass sie nicht zum zweiten oder dritten Mal Fragen gestellt haben, die im Ausschuss bereits gestellt wurden, weil so interpretiere ich die Äußerung zu den Wortprotokollen, anders kann ich das auch nicht verstehen. Und wenn dann auch in Abrede gestellt wird, dass man sich vielleicht auch außerhalb des parlamentarischen Geschehens mit Themen auseinandersetzt – also ich persönlich habe mich mit, glaube ich, keinem kulturpolitischen Thema in zehneinhalb Jahren, die ich hier Mitglied bin, mehr auseinandergesetzt als mit diesem. Und, ja, Herr Hosemann, da sind Sie nicht immer dabei. Das ist wohl so. Und trotzdem können Sie nicht in Abrede stellen, dass ich das getan habe. Und ich finde es dann gleichzeitig auch, ja, schon beachtlich, dass eingefordert wird von allen Abgeordneten, sich die entsprechende Expertise draufzuschaffen. Und gleichzeitig wird hier schon wieder behauptet, man könne das bestehende Opernhaus einfach sanieren, und dann wird alles schön. Das ist nicht so. Herr Brosda hat das vorgetragen mehrere Male. Wir haben das im Ausschuss gehört. Wir haben das auch von den entsprechenden Expert:innen im Ausschuss gehört. Man kann das bestehende Opernhaus für sehr viel Geld sanieren. Es wird aber aufgrund von Denkmalschutz, aufgrund des eingeschränkten Grundstücks niemals auf den Standard kommen können, auf dem andere Opernhäuser in Europa sind. Und ich vergleiche das nicht mit London oder Mailand. Es reicht ja, das vielleicht, sagen wir mal, mit Valencia zu vergleichen, eine Stadt, die kleiner ist als unsere. Und das muss doch wohl auch mal drin sein, das zur Kenntnis zu nehmen. Das kann doch gar nicht so schwer sein, wenn so viele Expert:innen es aussprechen, das einfach mal anzunehmen und dann nicht Falschbehauptungen zu machen. Und dann kommt es ja auch von einer Fraktion, die Arbeitnehmer:innenrechte gerne vertreten will. Das ist auch in Ordnung, das tun Sie auch sehr häufig, sehr intensiv. Aber die Menschen, die backstage arbeiten in einem Opernhaus, das sind auch Arbeitnehmer:innen, und die verdienen auch, dass wir ihre Arbeitsbedingungen berücksichtigen, und die sind eben nicht vernünftig herzustellen im Bestandsgebäude. Und wenn man das alles berücksichtigt, dann kann man immer noch sagen, das ist die bessere Alternative, aber man kann nicht sagen, das hat keinen anderen Preis. Und ich muss noch mal auf das Thema Geld zurückkommen. Weil da stellen Sie ja in Abrede, dass wir von 1 Milliarde und mehr reden. Ja, wir wissen das nicht auf den Cent genau. Aber ich frage mich und ich frage Sie alle: Wie plausibel ist das, wenn wir vier Beispiele haben, Stuttgart, Düsseldorf, Köln und Frankfurt, und Nürnberg wird demnächst noch dazukommen, wenn wir diese Beispiele nehmen, und die liegen alle über 1 Milliarde Euro, wie plausibel ist das, dass ausgerechnet Hamburg der absolute, weltweite Sonderfall ist, und hier wird das nicht der Fall sein? Ich finde, das ist wirklich unseriös, das zu behaupten, dass das der Fall wäre. Also abschließend noch mal gesagt: Man muss nicht mit Leidenschaft auf dieser Seite sein. Es gibt sehr viel legitime Kritik, ich hab das gesagt, viele gesellschaftliche Debatten sind vollkommen richtig und angemessen. Am Ende gibt es bei allen Projekten eine Abwägung zwischen den Punkten, die dafür sprechen, und den Punkten, die dagegen sprechen. Und ich schließe mich meinem Kollegen Paustian-Döscher an, ich mit ein bisschen mehr Leidenschaft, er mit ein bisschen weniger. Aber wir treffen hier eine Vernunftentscheidung, und wir werden in den nächsten Jahrzehnten sehen, dass das die richtige sein wird.
