Dr. Carsten Brosda
Herr Präsident, liebe Abgeordnete, meine Damen und Herren. Vielleicht einmal noch, Herr Hosemann, weil Sie... Zum Sprachgebrauch ist ja schon was gesagt worden, da gehe ich nicht weiter drauf ein. Aber da Sie ja schon gesagt haben, Sie werden von Wissenschaftlern unterstützt: Man lernt im sozialwissenschaftlichen Einführungskolloquium den Unterschied zwischen einer Korrelation und einer Kausalität. Und um Ihnen das zu verdeutlichen: Wenn Sie die beiden Datenkurven Verkauf von Speiseeis und Anzahl von Sonnenbränden in einer Gesellschaft nebeneinander legen, sehen Sie einen ähnlichen Verlauf. Das heißt aber nicht, dass der Verzehr von Speiseeis Sonnenbrand verursacht. Und ein bisschen so ist Ihre Darstellung des vermeintlichen Verlaufs dieser Verhandlungen grade eben gewesen. Das hat nichts miteinander zu tun. Und außerdem hatte dieser Verhandlungsprozess noch so 150 weitere Schritte zwischendurch, aber er hatte an keiner Stelle eine Überschneidung mit dem Elbtower. Das vielleicht einmal festgehalten. Wir reden hier tatsächlich über eine Chance für die Stadt, deren Vorzüge grade eben schon sozusagen weitreichend beschrieben worden sind und die man sich, glaub ich, wirklich noch mal genau vor Augen führen muss, und die wir auch schon seit einem Dreivierteljahr in der Stadt öffentlich diskutieren. Wir haben in der Tat verhandelt ohne öffentliche Beteiligung. Da würde mich irgendwann mal interessieren, und ich bin da wirklich auch offen für, dass man mir mal erklärt, wie man solche Verhandlungen in der Öffentlichkeit führt. Ich kenne keinen derartigen Verhandlungsprozess, der in der Öffentlichkeit zu einem Ergebnis geführt wird, aber ich lerne gerne dazu. Dann können wir das beim nächsten Mal anders machen. Wir haben in dem Moment, in dem wir ein Verhandlungsergebnis hatten, das komplette Verhandlungsergebnis der Öffentlichkeit im Februar diesen Jahres zur Verfügung gestellt: alle Verträge vollständig seit Februar online. Seit Februar gibt's auch in der Stadt eine Diskussion darüber. Es gab auch viele Veranstaltungen. Wir haben's in den Ausschüssen diskutiert, allein vier Stunden in einer gemeinsamen Sitzung vom Kulturausschuss und Stadtentwicklungsausschuss. Und ja, ein Teil der öffentlichen Diskussion hatte die Merkwürdigkeit, dass wir in der Öffentlichkeit darüber diskutiert haben, warum wir in der Öffentlichkeit nicht darüber diskutieren. Das muss ich auch noch mal verstehen irgendwann. Das habe ich nicht verstanden. Aber... Und ich will dann auch noch einmal sagen: Eine Entscheidung, die ein Parlament trifft, nachdem der Senat etwas verhandelt hat, ist der demokratischste Vorgang der Welt. Und das ist genau die Art und Weise, wie wir in unserer Verfassung solche Entscheidungen zu treffen haben. Und da bin ich sehr dankbar dafür, dass wir auch bereit sind, diese Verantwortung dafür zu übernehmen und zu sagen: Wir machen das! Weil die allgemeine Diskussion darüber "Wollen wir denn ein Opernhaus haben oder nicht?", eine ist, die diese Stadt vor 348 Jahren für sich entschieden hat. So lange haben wir nämlich schon ein Opernhaus in dieser Stadt, und ich hoffe, dass es auch noch einige weitere Jahrzehnte bis Jahrhunderte der Fall sein wird. Insofern, Isabella Vértes-Schütter hat es schon gesagt: Diese Option ist keine. Natürlich gibt es immer Alternativen zu einer Entscheidung, die wir jetzt zu treffen haben. Die eine Alternative wäre die Sanierung im Bestand. Das wird teuer, das wissen wir mittlerweile auch. Ich habe ja auf die sozusagen Sanierungsvorhaben in anderen Städten verwiesen. Das wird aber hochkompliziert, und auf den heutigen technologischen Stand kommen wir auch auf keinen Fall. Auch das ist mittlerweile klar belegt durch das, was wir dort vorliegen haben – würden aber mehr Geld ausgeben. Wir könnten auch selber bauen, das würde offensichtlich auch teuer werden. Oder wir entscheiden uns, das mäzenatische Engagement von Herrn Kühne und seiner Stiftung zum Anlass zu nehmen zu sagen: Wir gehen in das vorgeschlagene und beschriebene Modell der Errichtung eines neuen Opernhauses. Und am Ende sich dafür zu entscheiden im Lichte aller sozusagen Rahmenbedingungen ist eine hochvernünftige, hochrationale, man könnte fast sagen typisch hamburgische Entscheidung. Und schon die würde für mich ausreichen zu sagen, die treffen wir. Wir haben aber seit paar Wochen noch einen zweiten Grund, der dazukommt, und der ist auch schon angesprochen worden. Wir sehen nämlich auch, welches Potenzial da drin steckt, seitdem wir die Bilder dazu haben und seitdem wir uns nicht nur vorstellen müssen "Was könnte das denn sein?", sondern seitdem der Entwurf der Bjarke Engels Group tatsächlich in der Öffentlichkeit ist und uns zeigt, wie leicht, wie heiter, wie offen und wie einladend ein solches Gebäude auch gedacht werden kann in einem... sozusagen mitten im Fluss, auf einem Grundstück, das eine öffentliche Aufenthaltsqualität bieten wird, die natürlich auch für diejenigen sozusagen attraktiv sein wird, die nicht ins Opernhaus gehen. Sie werden mir verzeihen, dass der Kultursenator den leisen Wunsch hegt und die leise Vermutung hegt, dass, wer ein-, zwei-, dreimal dort gewesen ist, sich irgendwann fragt: "Was findet eigentlich in diesem Gebäude statt?" Und es dann auch leichter sein wird, Menschen in dieses Gebäude hineinzuholen. Doch, doch, doch, wir kriegen euch alle. Aber das wird schon ganz gut gehen. Das sehen wir übrigens... Das kann man an Zahlen aus Oslo belegen, wo es genauso ist: Zwei, drei Besuche auf dieser Plattform führen dazu, dass die Menschen tatsächlich auch ins Gebäude hineingehen beim nächsten Mal. Das haben die dort untersuchen lassen, das hat ganz gut funktioniert. Und bei der Elbphilharmonie sehen wir so Effekte von dem Transfer von der Plaza in den Saal ja durchaus auch. Die Option haben wir da auch wieder, und dieser Raum ist ja noch viel öffentlicher und viel allgemeiner zugänglich, als das die Plaza ist, weil ich ihn wirklich ja einfach aus dem öffentlichen Raum heraus begehen kann und dort ein Gebäude entsteht, das in der Tat der Handschrift der Architekten entspricht; deswegen sind sie ja auch ausgewählt worden, an dem Verfahren teilzunehmen. Aber das auch genau all die Qualitäten mit sich bringt, die wir dort haben: ein Kulturort in einem Park am Fluss als eine Möglichkeit, Stadt neu zu denken, Oper neu zu denken, Kulturorte mit ihrem öffentlichen Raum zu verschränken und da wirklich etwas völlig Neues zu machen. Ich hatte auch das Gefühl, Frau Frieling, dass man an dem Tag, nachdem diese Bilder in der Welt waren, nach Langem mal wieder so was wie Lust auf Zukunft verspürt hat. Und das ist vielleicht das Abschließende und das Relevante, was man vielleicht an der Stelle sich einmal klarmachen muss. Der Soziologe – ich habe mit Sozialwissenschaften angefangen, ich ende mit Sozialwissenschaften –, der Soziologe Karl Mannheim hat mal über die Gegenwart geschrieben, dass sie ganz merkwürdig sei, weil die einen auf die Gegenwart gucken würden, als sei sie das Ende der Vergangenheit. Und die anderen würden auf die Gegenwart gucken, als sei sie der Beginn einer Zukunft. Und dieses Projekt gibt uns die Möglichkeit, auf den Beginn einer Zukunft zu gucken. Im Bewusstsein um diese Vergangenheit, aber nicht mit diesem Gefühl, da geht etwas zu Ende oder wir müssen etwas irgendwie über die Zeit retten, sondern tatsächlich einen Ort neu zu entwickeln, der für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte das kulturelle Leben dieser Stadt prägen kann, wenn wir uns dazu entscheiden, das zu tun. Und wir gehen nach der Entscheidung heute in die weitere Planung. Wir werden jetzt zwei Jahre lang gucken, wie ist dieser Entwurf realisierbar? Dann haben wir eine Kostenschätzung vorliegen. Auf Basis dieser Kostenschätzung wird die Stiftung entscheiden, trägt sie das finanzielle Risiko? Und da gibt's auch momentan keine Zahl. Die Zahl, die im Raum steht, ist eine gegriffene Zahl, die der Mäzen nennt als einen Rahmen. Aber am Ende wird dann von ihm entscheiden zu sein, ob er's macht. Die Zahl, die gedeckelt ist, ist die Zahl der Stadt. Das sind die 147,5 Millionen. Das, haben wir gesagt, sind wir bereit zu zahlen. Das wird auch in zwei Jahren das sein, was wir bereit sind zu zahlen. Die Frage ist, trägt der Mäzen die restlichen Kosten, damit dieses Haus errichtet werden kann oder nicht. Diese Entscheidung werden wir dann haben, und wir werden uns dann nicht auf finanzielle Risiken einlassen. Und wenn man... Auch das können Sie in den Verträgen nachlesen, wenn Sie gelesen hätten. Erstens, die Durchführungsentscheidung findet statt vor Baubeginn, vor Überlassung des Grundstücks und vor Beginn auch der Räumung des Grundstücks. In dem Moment, in dem dort eine Bauruine entstünde, hat die Stiftung die Verpflichtung, uns das Gelände geräumt zu geben, und die Stadt hat im Rahmen der Verträge die Möglichkeit, im Zweifel die Mittel von der Stiftung, falls die Stiftung das nicht selber macht, durch eine Pfändung ins Stiftungsvermögen dieser Stiftung, was nach Schweizer Recht zulässig ist, sich selber zu besorgen, um es im Zweifel selber zu machen. Diese Dinge sind alle im Vertrag geregelt. Es gibt an der Stelle dieses Risiko, das als Popanz da immer bemüht wird, nicht. Sie könnten tatsächlich die Verträge sich in Ruhe angucken. Aber heute, heute stehen wir vor der Entscheidung, ob wir überhaupt erst mal sagen wollen: Wir wollen diese Zukunft gemeinsam miteinander denken und entwickeln. Und ich hoffe sehr, dass die Bürgerschaft genau so entscheidet, weil wir dann eine Chance haben, ein Stück der Zukunft Hamburgs zu bauen. Ich danke sehr für die gute Bereitschaft, das bisher zu machen. Vielen Dank.
