René Gögge
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleg:innen. Von einem epochalen Entwurf, einem Gebäude, das mehr sein wird als eine Oper, einem Haus für alle, war in den letzten Wochen in der Presse zu lesen. Kurz gesagt, die mediale Resonanz auf unsere neue Staatsoper, in Hamburg, im Bundesgebiet und auch über die Grenzen hinaus, war durchweg positiv, teilweise schon euphorisch. Und diese öffentliche Begeisterung, die ist ein tolles Signal für unsere Kulturstadt, und sie ist auch ein Zeichen der Freude auf die Zukunft, wie es unsere Gesellschaft jetzt gerade braucht. Anfang des Jahres haben wir die Debatte um die Zukunft unserer Hamburgischen Staatsoper bereits begonnen. Über die vorliegenden Verträge wurde in drei Ausschüssen intensiv beraten. Anforderungen, Kosten, Alternativen, Erfahrungen anderer aus anderen Orten in Deutschland, all das war Thema. Zahlreiche Fachfragen wurden dabei beleuchtet, und eine Erkenntnis war eindeutig: Dieses Projekt ist richtig für Hamburg. Dass auch die Jury im Architekturwettbewerb einstimmig entschieden hat, ist wiederum ein deutliches Zeichen der Qualität dessen, was dort entstehen soll. Der Siegerentwurf zeigt ein beeindruckendes Bauwerk ohne Gigantomanie. Ästhetische Qualität wird hier mit praktischer Intelligenz verbunden. Kluge Lösungen erleichtern den reibungslosen Betrieb im Opernhaus auf höchstem Niveau. Und auch städtebaulich entsteht ein ganz klarer Mehrwert. Ein markantes Gebäude, das den Hamburger:innen außen und innen Angebote für das Freizeitleben macht, das sich in sein Umfeld einfügt und Raum für Grünflächen lässt, und ganz wichtig, das den Blick auf unsere Elbe offen hält. Wir haben die Chance, der Kultur in Hamburg als Zeichen ihres Stellenwerts ein ganz besonderes weiteres Zuhause zu geben und dabei ein offenes Haus für die gesamte Stadtgesellschaft zu errichten. Liebe Kolleg:innen, nach intensiver Abwägung aller Alternativen, und wir haben das schon gehört heute, da ist meines Erachtens klar: Eine Generalsanierung am bestehenden Standort würde immense Mittel verschlingen, und am Ende hätten wir wegen räumlicher Einschränkungen und baulicher Auflagen leider wenig erreicht. Für unsere Koalition ist ganz klar: Wir wollen eine moderne Oper mit aktueller Technik, funktionalen Arbeitsbereichen, optimaler Logistik und besten Arbeitsbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel die bisher fehlenden Seitenbühnen, ausreichende Lagerflächen für die Bühnenbilder und ein Bühnenturm, der Platz für die modernste Theatertechnik bietet. Wir haben also die Möglichkeit, ein zeitgemäßes Opernhaus auf internationalem Niveau zu bekommen, und das mit einem geringen Finanzierungsanteil unserer Stadt. Und zugleich erhalten wir das Opernhaus an der Dammtorstraße als denkmalgeschützten Ort für Kultur. Lassen Sie uns realistisch sein: Unter den gegebenen haushaltspolitischen Rahmenbedingungen ist das eine bemerkenswerte Chance für unsere Stadt. Und, liebe Kolleg:innen, auch wenn nach den Diskussionen der letzten Monate die vernünftigste Entscheidung klar vor uns steht, es bleibt uns bewusst, dass der Baakenhafen wegen des Völkermords an den Nama und Herero historisch belastet ist. Dem wird als Teil des Erinnerungskonzepts zur Dekolonisierung in angemessener Weise Rechnung zu tragen sein. Und genauso muss in den kommenden Jahren die Rolle des Unternehmens Kühne+Nagel im Nationalsozialismus aufgearbeitet werden. Die entsprechende Kritik ist kein Störfeuer, sondern Teil einer notwendigen gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die wir ausdrücklich begrüßen und die aktuell durch dieses Projekt deutlich mehr Schwung bekommt. Liebe Kolleg:innen, man muss kein Opernfan sein, um zu erkennen, welche Chance sich Hamburg hier bietet. Diese Chance zu nutzen betrachte ich als reine Vernunftentscheidung. Als Opernfreund muss ich aber hinzufügen: Die neue Staatsoper eröffnet die Möglichkeit, ein breiteres Publikum für diese Kunst zu gewinnen als je zuvor. Die neue Intendanz hat uns zu Saisonbeginn gezeigt, welche Energie Oper entfalten kann, wenn sie Menschen nicht nur einfach bespielt, sondern sie einlädt, sie neu zu entdecken. Der Siegerentwurf, der übersetzt genau diesen Spirit der Offenheit in Architektur. Und es ist legitim, wenn Sie nicht alle meine Begeisterung teilen. Aber sachlich betrachtet, liegt dieses Projekt im Interesse unserer Stadt. Kulturell, wirtschaftlich und städtebaulich. Und es zeigt, dass Hamburg in der Lage ist, große und anspruchsvolle Zukunftsvorhaben anzugehen und zu realisieren. Ich jedenfalls freue mich auf das Signal, das die erste Premiere vom Baakenhöft aussenden wird, und auf das, was dieses Opernhaus für unsere Stadt bewegen wird. Vielen Dank.
