Dr. Isabella Vértes-Schütter
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren. Mit der in Rede stehenden Drucksache befinden wir heute über den Antrag aus der Nachbewilligungsdrucksache zum Bau eines neuen Opernhauses. Und nach einer Debatte hier, nach intensiven Diskussionen in den Fachausschüssen wie im Haushaltsausschuss haben wir ein sehr deutliches Bild. Es gibt eine ganze Reihe guter Gründe, das mäzenatische Angebot der Kühne-Stiftung anzunehmen und den Weg für einen Opernneubau auf dem Baakenhöft freizumachen. Wir haben die Chance auf ein Haus, das den bühnentechnischen und betrieblichen Anforderungen nach internationalen Maßstäben gerecht wird. Wir haben die Chance auf bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, die wirklich notwendig sind. Und wir haben die Chance auf mehr Raum für Vermittlungs- und Education-Programme. Und mit dem Siegerentwurf der Bjarke Ingels Group im Qualifizierungsverfahren zum Opernneubau haben wir nun auch ein Bild vor Augen. Es ist ein Stück herausragender Architektur, prägend und zugleich offen und grün. Und natürlich hat jedes renommierte Architekturbüro eine Handschrift. Wichtig ist doch, dass der Entwurf uns zeigt, da kann ein Haus entstehen, mit dem sich die Hamburgerinnen und Hamburger identifizieren, das Strahlkraft hat und zugleich für alle zugänglich ist, so, wie wir es uns wünschen, und so, wie es sich die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger wünscht. Und natürlich nehmen wir kritische Stimmen ernst. Wir haben im Fortgang des Projekts noch jede Menge Beteiligung. Und es ist erfreulich, dass in den Beratungen noch mal deutlich geworden ist: Das Neubauvorhaben steht der Aufarbeitung unseres kolonialen Erbes nicht entgegen. Mit dem Vorhaben sind folgende Positionen für den Hamburger Haushalt verbunden: Zunächst die Einlage von 147,5 Millionen Euro, zahlbar in drei Tranchen ab Baugenehmigung. Das sind also die standortspezifischen Mehrkosten für ein Warftgeschoss, mithin den Hochwasserschutz. Dieser Beitrag ist gedeckelt. Und alle weiteren Risiken liegen bei der Stiftung, die bis zu 330 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Da sind 104 Millionen Euro für Flächenherrichtung und Erschließung sowie Ufereinfassung auf dem Baakenhöft. Diese sind über das Sondervermögen Stadt und Hafen gedeckt, und es sind Kosten, die für jede öffentliche Nutzung anfallen. Und schließlich rund 95 Millionen Euro für die Sanierung des Operngebäudes am alten Standort zur Erhaltung der Spielfähigkeit. Im Zuge der Beratungen ist ein ums andere Mal die Frage aufgekommen: Ist das denn wirklich alternativlos? Klar ist, alles zu belassen, wie es ist, ist keine Option. Wenn Hamburg in Eigenregie ein neues Opernhaus errichten würde, kämen zu den benannten Positionen die eigentlichen Errichtungskosten und alle Risiken von Kostensteigerungen hinzu. Die Option, den alten Standort im laufenden Betrieb und unter den Bedingungen des Denkmalschutzes zu sanieren, ist nicht tragfähig. Inzwischen liegen auch Kostenindikationen und Kostenschätzungen vor, die die Sprinkenhof eingeholt hat. Die aufgerufenen Summen weisen in eine Größenordnung, die wir aus anderen Städten kennen, und liegen deutlich über einer Milliarde. Ein solches Risiko sind wir nicht bereit einzugehen. Ich meine, das sollte im Sinne der großen Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger sein, die sich der Bedeutung von Kunst und Kultur für unsere Stadt bewusst sind und zugleich und völlig zurecht einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln einfordern. Daher bitte ich Sie, der Empfehlung des Haushaltsausschusses zu folgen. Vielen Dank.
