Dr. Sabine Ritter
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleg:innen, liebe FLINTA, Mädchen, Hamburgerinnen. Und wenn ich im Folgenden von Frauen und Mädchen spreche, dann rede ich überall mit einem Sternchen hintendran, selbstredend. Jeden Tag erleben Frauen und Mädchen in Hamburg Gewalt. Jeden Tag gibt es weitere Leidtragende. Jeden Tag gibt es Geschichten von Angst, von Schmerz und Verlust. Viele überleben und tragen Wunden davon, die man oft nicht sieht. Manche verlieren ihr Leben allein, weil sie Frauen sind in diesem Patriarchat. Das Patriarchat ist mörderisch und seine Gewalt ist nicht schicksalshaft, sondern gesellschaftlich produziert. Wir wissen nicht genau, wie viele Frauen Gewalt erfahren, weil Hamburg diese Fälle nicht zentral und unabhängig erfasst. Ohne verlässliche Zahlen können wir Gewalt weder verstehen noch verhindern. Wir erkennen nicht, wo Risiken liegen, wo Institutionen versagen oder wo Schutzlücken bestehen. Wir können keine wirksame Politik machen, wenn wir im Dunkeln tappen. Deshalb fordern wir als Linke eine unabhängige zentrale Monitoringstelle in Hamburg. Sie muss jede Form geschlechtsspezifischer Gewalt, besonders versuchte und vollendete Tötungen an Frauen und Mädchen, systematisch erfassen, auswerten, öffentlich machen. Ohne Transparenz gibt es keinen Schutz. Jede Frau, jedes Mädchen in dieser Stadt hat ein Recht auf Sicherheit und auf Respekt. Wir schulden es den Betroffenen, den Überlebenden und den Hinterbliebenen, besser hinzusehen und zu handeln. Gewalt gegen Frauen ist kein Schicksal und ihre Bekämpfung ist unsere politische Aufgabe. Keine Frau, kein Mädchen soll in dieser Stadt Angst haben müssen. Keine Frau, kein Mädchen soll leiden. Keine mehr. Ich weiß, viele von Ihnen, wir haben's in der Aktuellen Stunde schon gehört, kämpfen ebenfalls dafür. Lassen Sie uns – uns – diese Verantwortung gemeinsam tragen, entschlossen, solidarisch, feministisch. Ändern wir den Paragrafen 211 und richten wir eine unabhängige Monitoringstelle ein! Vielen Dank!
