Rosa Domm
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen. 80 Prozent der Hamburger:innen, vier von fünf Personen in Hamburg, wohnen zur Miete. Und wir wollen, dass wirklich alle von günstigem Strom aus erneuerbaren Quellen profitieren und sich für kleines Geld mit Solarstrom vom eigenen Dach versorgen können. Nicht nur Besitzer:innen vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung, sondern auch die rund 1,5 Millionen Menschen in Hamburg, die zur Miete wohnen. Um das zu ermöglichen, gibt es Modelle wie den Mieterstrom oder die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Mieterstrom ist nicht nur klimafreundlich, sondern kann auch finanziell sich richtig lohnen. Nehmen wir beispielsweise eine vierköpfige Familie, die in einer Wohnung in Hamburg wohnt. Wenn wir von einem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 4.000 kWh im Jahr für unsere Familie ausgehen, kann diese so mit einem Mieterstromtarif über 600 Euro jährlich sparen. Das funktioniert dann so: Auf dem Mietshaus wird von einem externen Anbieter eine Solaranlage installiert. Der Solarstrom wird direkt und ohne Durchleitung durch das öffentliche Stromnetz an die Mieter:innen geliefert. Deswegen fallen für diesen Strom auch keine Netznutzungsgebühren und weniger Steuern und Umlagen an. Der Überschussstrom, der nicht direkt verbraucht wird, wird dann ins Netz eingespeist. Der Stromliefervertrag für die Familie wird mit dem Betreiber der Stromanlage abgeschlossen. Beim klassischen Mieterstrom ist der Betreiber der Solaranlage also gleichzeitig zur Gesamtstromversorgung verpflichtet. Das heißt, die Mieter:innen bekommen von ihm auch dann den Strom, wenn beispielsweise nachts die Sonne nicht scheint. Bei der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung schließen die Mietenden keinen Vertrag zur Stromvollversorgung ab. Für die Versorgung über den Solarstrom vom Dach hinaus müssen sie noch einen weiteren zweiten Vertrag mit einem Drittlieferanten abschließen. Durch diese Mieterstrommodelle können Mieter:innen ein Teil der Energiewende sein und durch die Nutzung des lokalen Stroms bares Geld sparen. Aber auch die Vermietenden profitieren. Sie erhöhen die Attraktivität ihrer Wohnungen, und wenn sie selbst Betreiber der Solaranlage sind, generieren sie zusätzliche Einnahmen neben der Miete. Darüber hinaus gibt es noch andere spannende Mieterstrommodelle, beispielsweise ein Vermieter in Hamburg, in Hamburg-Ohlsdorf, hat bei sich die sogenannte solidarische Dachsolaranlage umgesetzt. Dabei kommt er ohne einen externen Mieterstromanbieter aus. Stattdessen hat er für jede seiner 32 Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus je vier Solarmodule auf dem Dach sowie ein Speichersystem im Keller installiert. Dieses System verpachtet er nun gemeinsam mit den Wohnungen an seine Mieter:innen im Haus. Die Mieter:innen werden dadurch zu Anlagenbetreibern und profitieren durch geringe Energiekosten. Das spart Bürokratie für den Vermieter, der nicht selbst zum Anlagenbetreiber wird. Wenn Sie mich fragen: Das hat das Zeug dazu, zum neuen Standard zu werden. Das Projekt aus Ohlsdorf hat Vorbildcharakter und zeigt, dass es spannende Modelle gibt, in denen alle Beteiligten gemeinsam von der Energiewende profitieren können. Teilweise sind diese Möglichkeiten gerade unter den Vermietenden aber noch viel zu wenig bekannt. Das wollen wir mit unserem heutigen Antrag ändern. Denn es gibt noch viel zu viele ungenutzte Dachflächen, die gut für die Produktion von Solarstrom genutzt werden könnten, zahlreiche Mietshäuser, auf denen Strom aus Sonnenenergie lokal und günstig produziert werden könnte. Deswegen wollen wir jetzt gezielte Informationskampagnen und Veranstaltungen durchführen und einen Leitfaden entwickeln, der städtische und private Vermieter:innen, Wohnungsbaugenossenschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften über die Möglichkeiten und Vorteile von Mieterstrom informiert. Außerdem wollen wir an die Bürokratie ran. Wir wollen technische Vorgaben wie die starre 20 kWh-Grenze bei Batteriespeichern überprüfen. So geben wir dem Ausbau der Erneuerbaren in Hamburg noch mal richtig Schwung und machen Hamburg zur Energiewende-Stadt für alle Menschen.
