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Michael Gwosdz

GRÜNE 3:41 min Sitzungen 23/14

Frau Präsidentin! Liebe Kolleg:innen! Frau Müller-Möller hat vorhin gesagt am Ende Ihrer Rede, das Thema heute ist nicht allein ein Thema für Frauen. Gewalt gegen Frauen ist nicht allein ein Thema, mit dem sich Frauen beschäftigen sollten. Und das finde ich richtig und ist eine Motivation für mich, hier auch noch mal das Wort zu ergreifen. Rund um den Tag gegen Gewalt an Frauen... Wer in den letzten Tagen im Internet unterwegs war, auf Instagram, hat vielleicht ein Video gesehen, von dem ich finde, das bringt die Problematik sehr gut auf den Punkt. Ein häufiges Argument, was man hört, wenn Frauen Gewalt angetan wurde, ist ja von Männerseite: "Die Frau hat doch provoziert." In dem Video hat eine Frau einen Teller mit Leckereien ihrem Hund vor die Nase gehalten, hat selber davon gegessen. Der Hund saß still und brav daneben und hat gewartet, bis er das Zeichen bekommen hat, dass er das letzte Stück selber bekommt. Sprich, sie hatte ihren Hund provoziert, aber der Hund war so gut erzogen und hatte sich so gut unter Kontrolle, dass er gewartet hat, bis das Einverständnis, bis ein Ja kam. Und die Botschaft dieses Videos ist, es ist die Erziehung. Es geht um die Erziehung von uns allen, es geht um die Erziehung von Männern. Es geht nicht darum, dass wir Frauen beibringen müssen, wie sie sich gegen Gewalt verteidigen und schützen. Es geht darum, Männer zu erziehen. Es geht darum, dass Männer sich selbst unter Kontrolle haben. Und ich glaube, meine Herren von rechts, Sie nehmen selbst sicherlich für sich in Anspruch, dass Sie sich mindestens genauso gut unter Kontrolle haben wie ein gut erzogener Hund. Und das Video hat genau deutlich gemacht, worum es geht. Es geht darum, dass Männer in der Lage sein müssen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Es geht darum, sich damit auseinanderzusetzen als Mann: Was kann Angst auslösen? Es geht darum, sich auseinanderzusetzen, das wurde hier mehrfach betont, wann es Widerspruch braucht. Und da fängt es aber genau an. Was erlebe ich von Männern, auch in meiner Umgebung? Was erlebe ich von Männern insbesondere im Netz, wenn das Thema Gewalt gegen Frauen aufgegriffen wird, wenn Frauen von Übergriffen berichten, wenn Frauen sich äußern, wie es meine Kollegin Miriam Block zum Beispiel gerade getan hat, und von eigenen Erlebnissen berichten, dann heißt es sehr oft: "Ah, die soll sich nicht so anstellen!" Oder: "Die soll froh sein, dass sich jemand für sie interessiert." Oder: "Die muss doch mal ordentlich durch..." Na, Sie wissen schon, und vieles mehr. Und deswegen geht es darum: Männer begehen Taten, Männer rechtfertigen Taten, Männer pflegen Verhaltensweisen und ein Umfeld, das Gewalt gegen Frauen systematisch verharmlost und gefährdet. Da gehören im Netz die fragwürdigen Methoden von Datingcoaches dazu. Methoden, die übrigens auch von rechtsextremen Europa- und Bundestagsabgeordneten in Videos aufgegriffen werden, die ein toxisches Männlichkeitsbild propagieren und dafür sorgen, dass männliche Reflexion nicht beginnt, sondern genau männliche Verhaltensweisen, die Gewalt gegen Frauen rechtfertigen, strukturell verfestigt werden. Und dieses Vorgehen, diese Methoden, die werden getrieben aus einer Angst vor Machtverlust, aus Angst vor dem Verlust von Macht über Frauen. Und da sag ich ganz klar: Diese Angst, die ist gerechtfertigt, denn es geht darum, dass Frauen Macht haben und nicht Männer Macht über Frauen behalten. Dafür ist es längst Zeit. Vielen Dank.

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