David Stoop
Liebe Hamburgerinnen und Hamburger, liebe Kolleginnen und Kollegen. Die hier bereits vielfach genannten Zahlen zu Gewaltverbrechen und Tötungsdelikten, die sich gegen Frauen richten, sind erschreckend. Der Handlungsbedarf wird – so scheint es jedenfalls – auch von allen demokratischen Parteien anerkannt. Ich möchte dennoch an dieser Stelle zwei Tatsachen herausstreichen, die, auch wenn schon längst bekannt, oft nicht in ausreichendem Maße handlungsleitend werden. Die erste lautet: Die Täter sind männlich. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2024 waren 83,8 Prozent aller Tatverdächtigen in Ermittlungsfällen von Straftaten gegen das Leben männlich. Wenn wir also davon sprechen können, dass es eine überproportional zur Gewaltkriminalität neigende gesellschaftliche Gruppe gibt, dann sind das anders, als Sie von der AfD das gerne darstellen, nicht die Zugewanderten, sondern Männer. Das Problem... Das Problem der Gewalt gegen Frauen ist deshalb kein Frauenproblem, sondern ein Männerproblem. Eine Sicht auf Frauen als Besitz, verletzter männlicher Stolz, aber auch mangelndes Selbstwertgefühl und der negative Einfluss von Pornos und Gewaltvideos, die in immer früherem Alter konsumiert werden, spielen hierbei eine Rolle. Im Interesse der Frauen, aber auch der Männer selbst, ist es deshalb wichtig, einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Konzeptionen von Männlichkeit zu werfen und Jungen frühzeitig gegen die Zumutungen eines Bildes von Männlichkeit zu wappnen, demzufolge Männlichsein identisch ist mit Härte, Dominanz, Aggression, während Gefühle, Sorge um andere und ein ausgeglichenes Wesen als unmännlich abqualifiziert werden. Herr Stoop, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Mennerich? Nein, die lasse ich nicht zu. Ein solches Bild limitiert Jungen in ihrer Entwicklung und konterkariert das humanistische Bildungsideal einer allseitigen menschlichen Persönlichkeitsentwicklung. Kurz gesagt: Das patriarchale Männlichkeitsbild produziert eine Entfremdung, die in Gewalt umschlägt. Gerade darum ist es wichtig, die Programme, wo sich kritisch mit Männlichkeit auseinandergesetzt werden kann, auszubauen. Und damit kommen wir zum zweiten, ganz offensichtlichen Thema, das ich ansprechen muss. Das ist der Schutz von Frauen vor Gewaltdelikten und dass dieser Schutz mit Geld hinterlegt werden muss. Und an dieser Stelle ist es wirklich fatal, dass auch in den Verhandlungen zum letzten Doppelhaushalt wieder unsere Anträge abgelehnt wurden, die Schutzplätze für Frauen in dieser Stadt auszubauen und endlich bedarfsgerecht auszugestalten. Und ich hoffe wirklich inständig, dass das, was Sie von SPD und GRÜNEN heute hier vorgetragen haben, dass das tragen wird bis in die nächsten Haushaltsverhandlungen und dass wir da endlich eine Ausfinanzierung der Frauenhäuser vornehmen können. Danke schön.
