Benjamin Mennerich
Verehrtes Präsidium, meine Damen und Herren. Verehrte Kollegin, das müssen Sie mir bei Gelegenheit noch mal erklären, warum der Ort, an dem das Praktikum durchgeführt wird, dafür relevant sein soll, wie eine Vergütung da wirken soll. Mir erschließt sich das nicht so ganz. Aber sei es drum. Was ist unsere Aufgabe? Steuermittel ordentlich einzusetzen. Das ist das Königsrecht der Parlamente. Und wie könnten diese sinnvoller eingesetzt werden als für die Förderung der Jugend? Richtig: nirgends! In diesem Fall haben wir einen objektiven Förderungsbedarf. Viel zu wenig junge Menschen entscheiden sich für eine berufliche Laufbahn in den betroffenen, essenziellen Tätigkeitsfeldern unserer Gesellschaft. Und wenn ihnen der objektive Befund nicht reichen sollte, dann nehmen wir eben den subjektiven. Erinnern Sie sich einmal an Ihre Schulzeit zurück und an Ihre Praktika. Wenn Ihre Schule auch nur im Ansatz so funktioniert hat wie meine, dann haben Ihre Schulkameraden zum einen nicht wirklich gewusst, was für ein Praktikum sie wohl machen sollten, welches Berufsfeld für sie relevant sein könnte. Einige sind in den Betrieben ihrer Eltern untergekommen, andere haben sich bei allen möglichen Betrieben im Umfeld ihres Wohnortes beworben und einige haben einfach den Betrieb, in dem sie ohnehin schon am Wochenende und in den Ferien gearbeitet haben, als ihren Praktikumsbetrieb angegeben. So hat man zwar keine neuen beruflichen Erfahrungen gesammelt, aber zumindest sein Taschengeld ordentlich aufbessern können. Alle diese Schüler bekommen allerdings nicht den Mehrwert, für den das Schülerpraktikum gedacht ist, nämlich über den bekannten Tellerrand hinausschauen zu können und neue berufliche Perspektiven wahrnehmen zu können. Dies ist ein Verlust für die Schüler und für unsere Gesellschaft. Der vorliegende Antrag soll jetzt genau diese Verluste ausgleichen. Dass diese Methode funktioniert, ist objektiv bewiesen, wie am Beispiel von Sachsen-Anhalt ja auch angeführt worden ist. Und ich sehe, es gibt eine Frage. Bitte schön. Ich muss die Frage... also Sie erst mal fragen, und ich gestatte dann auch die Zwischenfrage. - Ja, Sie haben das Wort, Frau Hennies. - Ja, Herr Mennerich, stimmen wir damit überein, dass es zentral ist für die Praktika, dass man die unabhängig von finanziellen Anreizen ausübt, weil man ja in einer Phase, in einer Lebensphase unterwegs ist, die noch sehr sensibel und zentral ist. Wenn ich von 14- und 15-Jährigen spreche, ist es ja wichtig, dass sie auch pädagogisch begleitet werden. Aber bei Ihrer Idee ist es ja so, dass die eben nicht pädagogisch begleitet werden, dass sie einfach in den Ferien in landwirtschaftliche oder handwerkliche Betriebe gehen und dort für vier Wochen ein Praktikum machen können und das dann über die Handwerkskammer dann im Nachhinein ausgezahlt bekommen. Das find ich ein bisschen schwierig, weil die pädagogische Begleitung damit überhaupt nicht gegeben ist. Nein, Frau Kollegin, vielen Dank für den Einwand, da stimmen wir nicht überein. Zum einen sehe ich überhaupt kein Argument, warum es in diesem Fall keine pädagogische Betreuung geben sollte. Es soll ja auch im Rahmen des ganz normalen Schülerpraktikums so umgesetzt werden – da haben wir diese Betreuung. Und das finanzielle Element ist ja ohnehin vorhanden. Wenn Sie mir zugehört hätten, habe ich das ja eben gerade am Beispiel genannt: Viele Schüler suchen sich ihren Praktikumsplatz nämlich genau danach aus, wo sie ohnehin schon jobben. Ich hab das zu meiner Schülerzeit auch so gemacht. Ich hab da im Hotel nicht viel Neues über den Beruf gelernt, aber die Ferien- oder die Praktikumszeit haben sich für mich gut rentiert. So, der vorliegende Antrag kann also diese Verluste ausgleichen für die Schüler und für unsere Gesellschaft. Und deswegen, meine Damen und Herren, liegt es jetzt wieder an uns. Motivieren auch Sie unsere Schule, unsere Schüler und unsere Betriebe damit, dass Sie ihnen eine gute Praktikumsalternative bieten. Vielen Dank.
