Astrid Hennies
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vorweg möchte ich Folgendes richtigstellen: Auch in Sachsen-Anhalt werden schulische Betriebspraktika nicht vergütet, unabhängig davon, was Sie in Ihrem Antrag hier suggerieren. In Sachsen-Anhalt gibt es eine Vergütung nur für bestimmte Praktika, die in den Ferien absolviert werden und die genau nicht an den Schulen angebunden sind. Hier sollten Sie zukünftig präziser formulieren, dass man Ihren Antrag auch richtig einordnen kann. Ihren Antrag lehnen wir schon deswegen ab. Es sprechen jedoch auch weitere Gründe gegen den Antrag, die sehr zentral sind. Schulische Betriebspraktika wie auch das verpflichtende Praktikum in der Jahrgangsklasse 9 in Hamburg dienen nämlich dazu, dass Schüler:innen die Berufs- und Arbeitswelt unmittelbar kennenlernen, ihre Vorstellungen, Erwartungen an einzelne Berufsfelder überprüfen können und ihre Eignung für bestimmte Tätigkeiten eben besser einschätzen können. Und zentral ist natürlich, dass jeder Schüler die Neigung selber erforschen kann, die Kompetenzen finden kann, wo man gut im Beruf unterwegs sein kann und die Interessen findet, welcher Beruf zu einem passt. - Frau Abgeordnete, gestatten Sie... - Sie kommen ja gleich noch dran, nein. Okay. Also zentral ist, dass jeder Schüler den Beruf findet, den er für sich richtig und wichtig findet, unabhängig von finanziellen aktuellen Anreizen. Das sind die zentralen und soliden Fragen bei der Berufsorientierung, eben unabhängig von den Verdienstanreizen, die irgendwo vielleicht sein können. Es ist besonders wichtig, dass die Praktika seitens der Schulen individuell vor- und nachbereitet werden sowie eben auch eng begleitet werden. Die Reflexion der gesammelten Erfahrungen ist daher eben zentraler Bestandteil der Betriebspraktika, um eine begründete Berufswahlentscheidung für ein Leben lang treffen zu können. Bei Praktika, die von Schülern unbegleitet in den Ferien absolviert werden, kann das gar nicht gewährleistet werden. Eine Vergütung würde darüber hinaus den Fokus von der Bildungsabsicht auf finanzielle Aspekte verschieben. Das wollen wir in Hamburg nicht! Und noch ein kurzer Hinweis zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Mit der Fachkräftestrategie und den erfolgreichen Maßnahmen AvM Dual und AV Dual im Übergang von Schule und Beruf ist Hamburg eben sehr gut aufgestellt. Gleiches gilt für die Praxisklassen, die mittlerweile an 35 Stadtteilschulen etabliert sind und eine enge Verzahnung von Schule und Beruf gewährleisten und ermöglichen. Vielen Dank.
