Martin Wolter
Liebe Hamburger:innen, der begrüßenswerte Slogan des "Haus des Engagements" lautet "Freiräume schaffen, Vielfalt befördern, Engagement stärken". Freiräume schaffen für Möglichkeiten der Begegnung, Vernetzung und Teilhabe. Vielfalt befördern durch einen niedrigschwelligen Zugang für zivilgesellschaftlich aktive Organisationen und Initiativen – besonders wichtig in einer Großstadt. Und Engagement stärken, für welches dort in der Anlaufstelle für bürgerliches Engagement Menschen durch Qualifizierungsmöglichkeiten befähigt werden. Freiwilliges Engagement fördert soziale Zusammengehörigkeit, Verantwortungsbewusstsein und stellt eine zentrale Form der demokratischen Teilhabe dar. Freiwilliges Engagement fördert zudem Verständnis, Empathie und Solidarität – zentrale Werte, die auch Rechtsextremismus entgegenwirken. Zukünftig im Neuen Amt Altona können sich zivilgesellschaftliche Bündnisse und Banden für eine lebendige demokratische Gesellschaft bilden – absolut begrüßenswert! Der zukünftige Standort in Altona bietet eine kreative Umgebung sowie ein barrierefreies Gebäude, welches genossenschaftlich organisiert ist. Im Gegensatz zum jetzigen Standort, wo in ein bestehendes Objekt eingezogen wurde, muss sich nicht an die Gegebenheiten angepasst werden, sondern das Projekt kann auf einer einzigen Etage Raumnutzung selbst bestimmen. Beste Voraussetzung also, um als Ort des Austausches, der Vernetzung und als Ort der zivilgesellschaftlichen Diskussion anerkannt zu werden. Die Etablierung unkommerzieller Räume im Sinne der Stadtgesellschaft unterstützen wir selbstverständlich. Neben räumlicher Infrastruktur braucht freiwilliges Engagement allerdings noch weitere stabile Rahmenbedingungen. Die freiwillige Übernahme sozialer Verantwortung darf nicht eine Sache derer werden, die sich den Einsatz für die Gemeinschaft leisten können. Freiwilliges Engagement benötigt eine entsprechende materielle, finanzielle und soziale Infrastruktur. Diese vermissen wir jedoch in dieser Stadt. Das Engagement-Dock, die Beratungsstelle für gemeinnützige Initiativen im "Haus des Engagements", wird überrannt und wartet weiterhin auf eine Stellenaufstockung. Bei den Vereinen, die dort Unterstützung suchen, werden die Mittel immer weiter gekürzt. Strukturförderung heißt nachhaltige Unterstützung statt kurzzeitiger Projektförderung. Strukturförderung heißt auch eine Förderung derer, deren Stimmen nicht so präsent sind. Es ist doch kein Zustand, wenn zunächst Ehrenamtspauschalen erhöht werden, diese dann aber teilweise gar nicht bezahlt werden können, weil kein Geld dafür vorhanden ist, vor allem bei kleinen Vereinen. Büromieten steigen auch bei den Vereinen, werden aber oft nur in gleicher Höhe wie im Vorjahr bewilligt. Integrationsmittel werden gekürzt, die Sprachkenntnisse wollen aber dennoch weiter verbessert werden. In der Verwaltung werden Tarifsteigerungen selbstverständlich umgesetzt – super! Bei Vereinen sind sie teils seit Jahren ausgesetzt – unfassbar! Der Druck wächst auf engagierte Menschen, die wirklich etwas für unsere Stadt bewirken. Die Menschen benötigen hingegen Entlastung. Entlastung, um die Zeit und Energie für gemeinnütziges Handeln und persönliche Entwicklung zu erlangen. Frau Blaschka hat's eben angesprochen, zum Beispiel: Wo bleibt die digitale Geschäftsstelle? Eine direkte, realbare Entlastung würde diese bedeuten. Oder beispielsweise Entlastung durch erweiterte Freistellungsmöglichkeiten, Aufwandsentschädigungen, Steuerfreibeträge oder Sachleistungen, ebenso generell durch faire Arbeitsbedingungen, mehr Investitionen in Bildung, Gesundheit und Pflege. Wir... Ja. So, wir haben in der vergangenen, na, gut Viertelstunde das Wort "Engagement" hiermit 53 mal gehört. Worte alleine helfen den bürgerlich Engagierten jedoch nicht weiter. Es bedarf einer ehrlichen Anerkennungskultur für sie. Es sind letztendlich Investitionen in unsere Demokratie. Danke.
