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Melanie Nerlich

GRÜNE 5:00 min Sitzungen 23/12

Sehr geehrtes Präsidium! Sehr geehrte Damen und Herren! Der heimische Igel ist bei den Hamburger:innen beliebt. Kinder und Erwachsene freuen sich über den stachligen Gartenbewohner. Der Igel ist auch längst zum Hamburger geworden, denn er lebt in Deutschland viel häufiger in Städten als auf dem Land. Hamburg kommt daher eine besondere Verantwortung für den Igel zu. Leider zeigen nicht nur die Berichte freundlicher Omas, die mir traurig erzählen, dass in ihrem Garten jetzt gar kein Igel mehr wohnt, sondern auch die Zahlen und die erstmalige Aufnahme des Igels auf die Rote Liste letztes Jahr, dass der Igelbestand bei uns dramatisch zurückgegangen ist. Zugleich zeigt sich in den Wildtierstationen ein grausames Bild. Die ehrenamtliche Wildtierstation LOOKI in Bergedorf versorgte allein zum letzten Jahresendstichtag knapp 900 Igel. Die dokumentierte Anzahl an Igeln mit Schnittverletzungen ist dort von 2018 bis 2024 um fast 300 Prozent gestiegen, und die Dunkelziffer liegt noch mal um ein Vielfaches höher. Wobei das Wort "Schnittverletzungen" der Brutalität von abgetrennten Pfoten und Kiefern und tiefen Wunden bis an die Organe in keiner Weise gerecht wird. Wesentliche Ursache für diese grausame Verletzung ist die zunehmende Verbreitung von Mährobotern. Was passiert? Bekanntermaßen rollt sich der Igel bei Gefahr zusammen, um sich mit seinem Stachelfell gegen Fressfeinde zu schützen. Gegen Mähroboter aber ist diese Reaktion fatal. Die autonomen Geräte erkennen die Kleintiere nicht, überfahren sie und verletzen sie mit ihren kreisenden Klingen aufs Schwerste. Sie zerschreddern und verstümmeln den Igel bei lebendigem Leibe. Der Igel schleppt sich dann schwerst verletzt ins nächste Gebüsch, wo er langsam und qualvoll an seinen Wunden verendet oder bei lebendigem Leibe von Parasiten zerfressen wird. Die Gartenbesitzer merken davon meist nichts, eben weil sich die Igel mit letzter Kraft noch in ein Versteck schleppen, um dort dann langsam und qualvoll zu sterben. Das ist doppelt furchtbar, denn die Menschen wollen den Igeln ja kein Leid antun. Wie gesagt, die Menschen mögen und freuen sich über Igel. Die Verantwortung liegt daher bei uns in der Politik, hier Aufklärung und Abhilfe zu schaffen. Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Ich bin daher der BUKEA und unserer Senatorin Fegebank sehr dankbar für die neu erlassene Allgemeinverfügung, wonach Mähroboter in Hamburg jetzt nur noch tagsüber betrieben werden dürfen. Danke dafür. Jede Verfügung ist natürlich nur so gut wie ihre Bekanntheit und Umsetzung. Daher freue ich mich über diesen gemeinsamen Antrag mit unserem Koalitionspartner, der SPD. Wir wollen Gartenbesitzende in Hamburg informieren. Nicht nur über die neue Verordnung, sondern auch über Tipps zur igelfreundlichen und allgemeinen artenvielfaltsfördernden Gartengestaltung. Weitere wesentliche Ursachen für den Bestandsrückgang der Igel sind nämlich die folgenden: Erstens, der Igel findet aufgrund des Insektensterbens nicht mehr genug Nahrung. Er frisst am liebsten Käfer und Raupen. Die findet er in Totholzstöcken oder auf Blühwiesen, aber sicherlich nicht auf perfektem Mähroboter-Golfrasen. Zweitens, der Igel verdurstet aufgrund von Wassermangel in Hitzesommern. Daher bin ich auch für unseren vorigen rot-grünen Antrag zum Thema Wasserspender sehr dankbar. Und drittens, dem Igel fehlen Strukturen wie Hecken, Gebüsche, Laubhaufen und Holzstapel, die er als Rückzugsorte für den Winterschlaf und für die Aufzucht von Babyigeln dringend benötigt. Diese Gestaltung wollen wir insbesondere in städtischen Parks, Friedhöfen und Grünanlagen umsetzen, denn diese dienen dem Igel vermehrt als Ersatzlebensraum. Die Grünpflege adressieren wir dabei auch, um zum Beispiel schwere Verletzungen durch Motorsensen zu verhindern. Nicht zuletzt wollen wir dem Greenwashing der Hersteller ein Ende setzen. Diese behaupten vielfach, dass ihre Geräte die Igel erkennen würden. Tests von seriösen Forschern, die nicht von den Herstellern bezahlt werden und mit Igelkadavern testeten, zeigten allerdings, dass sämtliche getesteten Geräte, 18 Stück insgesamt, die Igel nicht erkannten und weiterhin grausam zerschredderten. Es braucht daher dringend ein offizielles und unabhängiges verpflichtendes Testverfahren. Ich bin dankbar, dass wir als rot-grüne Koalition dieses Thema angehen, und schließe mit der Hoffnung, dass mich bald wieder eine freundliche Oma anspricht und mir fröhlich erzählt, dass in ihrem Garten jetzt wieder ein Igel wohnt. Vielen Dank.

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