Mechthild Weber
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie kennen das: Meine Eltern werden älter, und plötzlich stehe ich vor ganz neuen Herausforderungen. Wo finde ich Unterstützung, nun, da meine Mutter pflegebedürftig wird? - Kleinen Moment einmal. - Und... Ich möchte einmal um Aufmerksamkeit im Saal bitten. Ich merke, es ist sehr viel Unruhe. Genau, Frau Weber, fahren Sie fort. ...und behalte den Überblick über die umfangreichen Hilfsangebote? Aber auch: Wo ist die nächste Toilette, wenn ich unterwegs bin? Wer erklärt meinem Vater das Smartphone und bleibt dabei geduldig? Was hilft gegen Einsamkeit? Schon heute sind rund 18 Prozent der Hamburger:innen über 65 Jahre, fast 350.000 Menschen, und es werden immer mehr. Mehr als die Hälfte der älteren Frauen lebt allein, und fast ein Zehntel von ihnen ist auf Grundsicherung angewiesen. Diese Realität verlangt Antworten, politische, soziale und menschliche. Niemand soll im Alter das Gefühl haben, in dieser Stadt noch geduldet zu sein. Unser Ziel ist klar: Jede und jeder soll in Hamburg ein Zuhause haben, egal wie alt, egal woher er kommt, egal mit welchen Bedürfnissen. Damit dieses Zuhause Realität bleibt, ist Hamburg als erste deutsche Millionenstadt dem WHO-Netzwerk "Age-friendly Cities" beigetreten. Dieser Beitritt ist mehr als ein Label. Er ist ein Bekenntnis, generationengerechte Stadtentwicklung über Legislaturperioden hinweg voranzutreiben. Ein Zuhause in Hamburg heißt dann, im vertrauten Stadtteil wohnen bleiben, dort barrierefreie und bezahlbare Wohnungen finden, Bänke zum Klönen zu haben und auch Treffpunkte, wo ich kein Geld ausgeben muss. Es heißt sichere Gehwege, gute Beleuchtung und eine Stadt, die einfach Bewegung ermöglicht. Und es heißt, Anschluss zu behalten durch digitale Schulungen in Seniorenzentren, durch WLAN, das die Großeltern mit den Enkeln verbindet, vielleicht auch, dass die Oma per Videocall schimpfen kann, wenn die Enkel sich mal wieder nicht melden. Diese Maßnahmen kommen allen zugute, Familien, Menschen mit Behinderungen, Jung und Alt. Eine altersfreundliche Stadt ist immer auch eine generationenfreundliche, und ja, sie ist auch ein Stück Klimaschutz. Denn nachhaltig bauen heißt, sozial zu denken. Gerade im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen brauchen wir neue, mutige Konzepte. Pflegewohngemeinschaften wie jene im Hospital zum Heiligen Geist zeigen, wie es geht – innovativ, menschlich, zukunftsweisend. Und diese Haltung, füreinander da zu sein, finde ich auch in unseren Vereinen und Initiativen wieder. Da, wo Ehrenamtliche mit Herzblut anpacken, entsteht der soziale Kitt, der Hamburg zusammenhält. Darum sage ich ganz deutlich: Wir brauchen noch mehr Hauptamt für das Ehrenamt. Und bevor jemand aus der Opposition "Seniorenticket" ruft: Keine Sorge, wir sind dran, das Ticket kommt. Es steht im Koalitionsvertrag, die Verhandlungen laufen. Wir schaffen ein Modell, das gerade die entlastet, die es am meisten brauchen. Mit dem 2024 beschlossenen Aktionsplan "Age-friendly City – für ein altersfreundliches Hamburg" haben wir einen wichtigen Schritt getan und bündeln all diese Initiativen. 105 Maßnahmen verbessern die Lebensbedingungen älterer Menschen, in Stadtentwicklung, Mobilität, Wohnen, Teilhabe und sozialer Infrastruktur. Aber klar ist auch: Der Aktionsplan darf kein Katalog von Absichtserklärungen bleiben. Er braucht Mittel, Personal und Verbindlichkeit, und darum führen wir ein Berichtswesen ein. Ab sofort werden alle Maßnahmen alle drei Jahre evaluiert. Der erste Bericht folgt im Januar 2027. So schaffen wir Transparenz, machen die Fortschritte sichtbar und entwickeln die Maßnahmen dann gezielt weiter. Wir bauen eine Stadt, die Einsamkeit, Armut und Spaltung vorbeugt, spürbar für alle Generationen. In Hamburg ein Zuhause haben, das ist unser Anspruch und unser Versprechen. Denn eins ist doch klar: Dass wir alle älter werden, können wir ja nicht ändern. Aber wie wir in Hamburg älter werden, das haben wir als Politik in der Hand, und das können wir heute gemeinsam entscheiden. Und darum bitte ich um Zustimmung für unseren Antrag. Danke schön.
