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Dr. Gudrun Schittek

GRÜNE 4:44 min Sitzungen 23/11

Ja, vielen Dank für die Anmeldung für dieses wichtige Thema. Aktuell wird durch den Hebammenhilfe-Vertrag, der ab 1. November in Kraft tritt, die gute geburtshilfliche Betreuung durch Hebammen bundesweit und in Hamburg in der Asklepios-Klinik in Altona gefährdet. Es geht um die Qualität der Betreuung der Frauen bei der Geburt, um die Verlässlichkeit und darum, dass keine Frau während der Geburt alleingelassen wird. Es geht um die Patientinnensicherheit und es geht immer um zwei Menschen: um die Mutter und um das Kind. Gute Betreuung während der Geburt wirkt sich auf die Familien aus. Gute Geburtshilfe ist ein Fundament für gute Bindung und gesundes Aufwachsen. Um zu verstehen, was gerade passiert, müssen wir uns ansehen, wie die Hebammenversorgung im Altonaer Krankenhaus vor 2017 war. Die Hebammen waren angestellt, Unterbesetzung war die Regel, Hebammen überlastet und mussten oft drei oder mehr Geburten gleichzeitig betreuen. Im Altonaer Krankenhaus werden jährlich über 3.000 Kinder geboren. Viele Frauen haben Migrationshintergrund, haben Sprachbarrieren, es gibt kulturelle Barrieren. Im Altonaer Krankenhaus, das ist ein Level 1-Perinatalzentrum, und das bedeutet, dort werden auch Frauen mit hohen Risiken in der Schwangerschaft entbunden, zum Beispiel Risiken von Frühgeburtlichkeit der Kinder. Wenn bei der Geburt etwas schiefläuft, hat das oft lebenslange Folgen. Und es geht nicht nur darum, ob ein Kind überleben kann, sondern möglicherweise darum, ob es lebenslange Behinderung davontragen wird. Das betone ich deshalb so deutlich, weil ich damit auf die hohe Verantwortung der Hebammen hinweisen will. Die Geburtshilfe im Altonaer Krankenhaus hat sich seit 2017 grundlegend verändert. Mit der Gründung des Hebammenkontors wurde ein Belegsystem mit freiberuflichen Hebammen eingeführt. Das bedeutet, die Hebammen sind nicht mehr angestellt, sondern arbeiten freiberuflich im Kollegialsystem. Das Team arbeitet so, wie der Bedarf ist, und verpflichtet sich dazu, dass eine Hebamme nur ein oder höchstens zwei Frauen betreut, aber nicht mehr. Geburtshilfe ist nicht planbar, bei Bedarf kommt zusätzlich eine Kollegin aus dem Team dazu. Diese Flexibilität ist im Angestelltenverhältnis so nicht möglich. Damit gelingt es im Belegsystem, eine hohe Zahl an 1:1- und 1:2-Betreuungen während der Geburt zu sichern. Dazu die bundesweiten Zahlen: Im freiberuflichen Belegsystem bekommen 30 Prozent der Frauen eine 1:1-Betreuung bei der Geburt. Im Angestelltenverhältnis von Hebammen erhalten nur 2 Prozent der Frauen eine 1:1-Betreuung. Im Belegsystem bekommen circa 60 Prozent eine 1:2-Betreuung. Im Angestelltensystem betreut in 70 Prozent der Geburten eine Hebamme drei oder mehr Frauen. Im Beleghebammen-Team ist es möglich, auf unterschiedliche Anforderungen sofort zu reagieren. Diese überragend gute Betreuung wird mit dem Hebammenhilfe-Vertrag zerschlagen. Beleghebammen erhalten ab 1. November nur noch 80 Prozent ihres Honorars. Das hat jetzt zur Folge, dass in Altona von 40 Hebammen im Team neun bereits gekündigt haben. Wie kommt es zu dem Hebammenhilfe-Vertrag? Seit 2017 gab es keine Gebührenerhöhung trotz steigender Kosten. Die Honorarverhandlungen der Hebammenverbände mit den Krankenkassen haben jahrelang kein Ergebnis erzielt. Daraufhin ist der größte Hebammenverband, der DHV mit seinen 23.000 Mitgliedern, unter Protest aus den Verhandlungen ausgestiegen. Die Krankenkassen haben es geschafft, die Hebammen zu spalten und mit zwei kleineren Hebammenverbänden, die nur wenige 100 Mitglieder vertreten, den neuen Vertrag zu schließen, der die Beleghebammen in den Kliniken in wirtschaftliche Not bringt. Die Folgen müssen nicht nur die freiberuflichen Hebammen, sondern die Frauen austragen. Die Krankenkassen sehen als ihr oberstes Ziel offenbar nur, die Beitragsstabilität zu sichern. Mit der Entscheidung der Krankenkassen werden die Rechte von Gebärenden auf eine sichere Geburt missachtet. Gute und sichere Geburtshilfe ist ein elementares frauenpolitisches Thema. Das ist gesellschaftspolitisch höchst brisant. Das sind jedoch Entscheidungen, die nicht in Hamburg und nicht auf Regierungsebene, sondern von den Krankenkassen getroffen werden. Wir lehnen Ihren Antrag ab, setzen uns aber selbstverständlich weiterhin für eine gute und faire Bezahlung der Hebammen im Interesse der Frauen ein. Vielen Dank.

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